Drohender Blackout: Warum Deutschland den teuersten Strom der Welt hat

Von 30. März 2021 Aktualisiert: 3. April 2021 13:48
Die Bundesregierung will bis 2022 alle Atomkraftwerke und alle Kohlekraftwerke abschalten. Dann soll ganz Deutschland mit Ökostrom versorgt werden. Schon jetzt zeigen sich die damit verbundenen Probleme.

Aufgrund des Kohleausstiegs erfolgte zum 1. Januar 2021 für 11 Kohlekraftwerke, mit einer Gesamtleistung von 4,7 Gigawatt, die Abschaltung vom Netz. Deren Betreiber erhielten für das vorzeitige Aus bereits eine Vergütung für die geplante Restlaufzeit. Der Kohleausstieg hielt nur 8 Tage, dann mussten mehrere Kraftwerke, wegen der länger andauernden Dunkelflaute, wieder ans Netz.

Das betroffene Großkraftwerk Heyden musste bis Ende Februar bereits sechsmal wieder angefahren werden, um die Stromversorgung sicherstellen zu können. Die Bundesnetzagentur bestätigt nun, dass sie die bereits abgeschalteten Kraftwerke Heyden, Datteln, Walsum 9 und das Kraftwerk Westfalen wieder als systemrelevant einstuft und diese als Reservekraftwerke in Bereitschaft bleiben müssen. Die Eigentümer werden deshalb kurzfristig zum Weiterbetrieb verpflichtet.

Die Großkraftwerke sollen in erster Linie ihre Rotationsenergie zur Verfügung stellen, das heißt, die Anlagen laufen mit voller Drehzahl, speisen aber keinen Strom ins Netz ein. Die Rotationsenergie ist dringend erforderlich. Denn damit muss beim Einbruch der Netzfrequenz die Zeit überbrückt werden, welche die Mittel- und Spitzenlastkraftwerke benötigen, um den fehlenden Strom durch entsprechende Lastanpassung an das Netz abgeben zu können. Kleinere Anlagen haben schlicht zu wenig Schwungmasse um diesen Ausgleich leisten zu können. Die Zahl dieser kritischen Frequenzeinbrüche ist dieses Jahr bereits sehr stark angestiegen.

Die Bundesnetzagentur stellt klar: „Die Kosten für die Vorhaltung in der Netzreserve, sowie für die Umrüstung zum rotierenden Phasenschieber, tragen die Netzkunden, da diese Maßnahmen den sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb dienen.“ Damit wird deutlich, auch diese Kosten müssen über den Strompreis finanziert werden.

Die geplante Betriebsbereitschaft, um als rotierender Phasenschieber lediglich die Schwungmasse in kritischen Situationen zur Verfügung stellen zu können, ist allerdings für die Betreiber wirtschaftlich eine Katastrophe. Denn diese haben die Kosten für den Betrieb und den Unterhalt der Anlagen und praktisch keine Einnahmen, da für die Überbrückung bei Netzfrequenzeinbrüchen nur eine Stromeinspeisung im Bereich von einigen Sekunden beziehungsweise wenigen Minuten erfolgt. Also muss man diese Anlagen dann auch noch subventionieren. Das ist paradox, denn diese Kraftwerke haben bisher den billigsten Strom erzeugt und kamen ohne Subventionen aus. Auch deshalb hat Deutschland den teuersten Strom der Welt.

Rekord bei Ökostrom – nur die halbe Wahrheit

Unterdessen kann man immer wieder Artikel über einen neuen Rekord bei der Ökostrom-Produktion lesen. Diese Berichte suggerieren, dass wir bald ohne konventionelle Kraftwerke auskommen könnten. Die Zeiträume, auf die sich in diesen Beiträgen der Rekord bei Ökostrom bezieht, liegen entweder bei einem ganzen Jahr oder mindestens einigen Monaten. Diesen Rekord-Meldungen zum Trotz liefen, wie oben bereits beschrieben, im Januar die verbliebenen Kohlekraftwerke aufgrund einer Dunkelflaute auf Hochtouren.

Meist zeigen diese Artikel dann noch auf, für wie viele Haushalte dieser Strom im Mittel ausgereicht hätte. Leider sind diese Aussagen aber immer nur die halbe Wahrheit. Die Frage ist nämlich nicht, für wie viele Haushalte dieser Strom im Schnitt über einen größeren Zeitraum ausgereicht hätte, sondern ob man diese Haushalte genau zu dem Zeitpunkt, als sie den Strom benötigten, mit Strom versorgen konnte. Dies bleibt in den entsprechenden Artikeln stets völlig offen, dabei ist das die zentrale Voraussetzung für eine sichere Stromversorgung.

Produzierten Strom, den gerade niemand braucht, muss man an der Strombörse billig ins Ausland verkaufen. Beim Export sind die Preise oft sogar negativ, das heißt die Netzbetreiber zahlen dafür, dass der überschüssige Strom abgenommen wird. Benötigter Strom, der aber gerade nicht produzierbar ist, muss man aus dem Ausland teuer importieren. Eine Rekord-Stromproduktion kann also durchaus ein Verlustgeschäft sein. Darüber wird aber in Rekord-Meldungen zur Ökostrom-Produktion nicht berichtet.

Um dies etwas besser zu veranschaulichen, schauen wir uns einmal die erste Februarwoche genauer an:

  1. Februar, Montag : (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 29,8 Prozent des gesamten Stroms.
    11 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
    13 Stunden lang liegt die Stromproduktion unter dem Bedarf und es erfolgt ein Import aus dem Ausland
  2. Februar, Dienstag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 28,9 Prozent des gesamten Stroms.
    12 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
    12 Stunden lang liegt die Stromproduktion unter dem Bedarf und es erfolgt ein Import aus dem Ausland
  3. Februar, Mittwoch (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 47,8 Prozent des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
  4. Februar, Donnerstag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 39,1 Prozent des gesamten Stroms.
    20 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
    4 Stunden lang liegt die Stromproduktion unter dem Bedarf und es erfolgt ein Import aus dem Ausland
  5. Februar, Freitag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 40,0 Prozent des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
  6. Februar, Samstag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 60,7 Prozent des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
  7. Februar, Sonntag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 65,3 Prozent des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland

Kostenbilanz Import- / Exportgeschäft

Die Preise lagen in diesem Zeitraum für den exportierten Strom zwischen -3,84 Euro und 65,6 Euro pro Megawattstunde (MWh) und zwischen 49,4 Euro und 81,6 Euro für den importierten Strom. In Summe waren die Kosten für den importierten Strom wesentlich höher als die Einnahmen für den exportierten Strom. Über mehrere Stunden fielen für den exportierten Strom sogar negativ Preise an, das heißt, die Netzbetreiber haben dafür bezahlt, dass der überschüssige Strom vom Ausland abgenommen wurde.

Vor einigen Jahren konnte man in den öffentlich zugänglichen Datenbanken noch exakt herausfinden, wie viel Strom zu welchem Preis gehandelt wurde. Die Datenbanken sind mittlerweile so verändert, dass nur noch Strommengen und Preisspannen aufgeführt sind. Dadurch ist es nicht mehr möglich herauszufinden, ob die Bilanz zwischen Import und Export positiv oder negativ ist. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Planwirtschaft statt Marktwirtschaft

Das Besondere bei der Ökostromproduktion ist, dass sich die Betreiber dieser Anlagen nicht an die marktwirtschaftlichen Regeln halten müssen. Die Einspeisung des Ökostroms hat Vorrang, die Netzbetreiber müssen diesen Strom abnehmen. Ob man ihn gerade braucht oder nicht, spielt keine Rolle. Die Betreiber der Ökoanlagen bekommen für ihren Strom eine feste Vergütung unabhängig vom aktuellen Marktpreis an der Strombörse.

Das Groteske daran ist, dass durch die Stromüberproduktion die Strompreise an der Strombörse fallen und dadurch die Subvention für die erneuerbaren Energien immer höher ausfällt. Selbst wenn die Netzbetreiber bei Stromüberproduktion Ökostromanlagen abschalten, bekommen die Betreiber den Strom, den sie in der Abschaltphase erzeugen hätten können, zum vollen Preis erstattet. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage wird hier vollständig auf den Kopf gestellt.

Man stelle sich einen Bäcker vor, der jeden Tag soviel Brötchen backen kann wie er will, und diese dann auch noch zu einem weit höheren Preis anbietet, als die örtliche Konkurrenz. Alles, was er am Ende des Tages nicht verkauft hat, kauft ihm der Staat dann zum vollen Preis ab. Finanziert wird dies mit einem Preisaufschlag auf die Brötchen der anderen Bäcker, den diese an den Staat abführen müssen. Was beim Bäcker undenkbar wäre, ist aber genau die Situation bei der Subventionierung der erneuerbaren Energien.

Solange sich die Betreiber der Ökostromanlagen nicht nach der Nachfrage nach Strom richten müssen und selbst bei der Abschaltung der Anlagen – weil man den Strom nicht braucht – die volle Vergütung erhalten, wird es weiterhin einen Rekord bei Ökostrom geben. Die Kosten dafür sind im Strompreis, den die Verbraucher zahlen müssen, enthalten. Ein weiterer Grund, warum Deutschland den teuersten Strom der Welt hat.

Regierung hat Abschaltung überhastet durchgesetzt

Die Bundesregierung hat sich von Fridays-for-Future-Protesten und anderen NGO´s politisch treiben und sich zu einem überhasteten Kohleausstieg hinreißen lassen. In der Kohlekommission, die den Ausstieg beschlossen hat, saßen damals weder Experten der Netzbetreiber, noch Vertreter der Energieversorger.

Im Jahr 2022 gehen die letzten Atomkraftwerke, sowie weitere Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1,5 Gigawatt (GW), vom Netz. Diese Kraftwerke wären in der Lage circa 3 Prozent des gesamten Strombedarfs zu erzeugen. Weiterhin werden bis 2022 rund 6000 Windkraftanlagen mit einer Installationsleistung von 16 GW, aufgrund der auslaufenden EEG-Subventionierung, zurück gebaut. Diese haben im Jahr 2020 rund 7 Prozent des gesamten Strombedarfs erzeugt.

Der geplante Neubau von Ökostromanlagen kann diese Leistung nicht annähernd ausgleichen. Wenn dann der Strombedarf, nach dem Corona-Lockdown, wieder auf das Niveau von 2019 ansteigt, wird es insbesondere im kommenden Winter spannend. Denn es fehlen dann auf der Erzeugerseite zwischen 10 Prozent und 15 Prozent an Kapazität.

So manch einer wird dann zur Kenntnis nehmen müssen, dass physikalische Gesetze auch dann gelten, wenn man sie nicht versteht.

Warum ist das Leitungswasser von einem Stromausfall betroffen?

In Anbedracht dessen muss man mit einem Blackout rechnen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ruft die Bevölkerung auch dazu auf, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten.

Das BBK empfiehlt 20 Liter Trinkwasservorrat für 10 Tage pro Person für den Katastrophenfall anzulegen. Zudem rät das BBK Wasser für die Hygiene in Behältern wie Eimer und Badewanne zu sammeln.

Was aber hat ein Stromausfall mit der Trinkwasserversorgung zu tun? Mehr, als man im ersten Moment annimmt.

Im Falle eines länger andauernden Stromausfalls wird in vielen Regionen die Trinkwasserversorgung über das örtliche Leitungssystem zusammenbrechen. Ursache dafür sind die stillstehenden elektrischen Pumpen, die das Wasser in entsprechende Hochbehälter pumpen. Sind diese Hochbehälter leergelaufen, kommt auch kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn. Ein entsprechender Vorrat an Mineralwasser oder Fruchtsäften sollte deshalb in jedem Haushalt selbstverständlich sein.

Stromausfälle sind in Deutschland keine Seltenheit und kommen lokal täglich vor. Sie dauern im Landesschnitt knapp 2 Stunden und treffen im Durchschnitt rund 4000 Haushalte. Sollte der Strom aber länger und großflächiger ausfallen, kann es mehrere Tage dauern, bis wieder eine stabile Stromversorgung hergestellt ist.

Darum ist es empfehlenswert, bei einem länger andauernden Stromausfall zunächst die Badewanne mit Wasser zu füllen, solange noch Wasser aus dem Hahn kommt. Denn, wenn kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt, geht auch keine Toilettenspülung mehr und es kann schnell übel in der Wohnung riechen. Wer Regenwasser für den Garten sammelt kann dies natürlich auch nutzen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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