Mexiko: Haben Archäologen ein aztekisches Königsgrab entdeckt?

Epoch Times6. April 2019 Aktualisiert: 19. Dezember 2019 13:09
Eine Fundgrube in der Innenstadt von Mexiko-Stadt könnte die Archäologen zum bisher spannendsten Fund führen. In der Grube entdeckten sie aztekische Opfer, darunter einen reich geschmückten und als Krieger verkleideter Jaguar. Könnte sich hier ein aztekisches Königsgrab befinden?

Anfang des Jahres entdeckten Archäologen den Fund vor den Stufen des heiligsten Tempels der Azteken, der während der Herrschaft des mächtigsten Herrschers des Reiches errichtet wurde. Neben dem geschmückten Jaguar fanden die Wissenschaftler zudem die Überreste eines kleinen Jungen, dessen Kleidung an den aztekischen Kriegs- und Sonnengott erinnert.

Die Opfergaben wurden von aztekischen Priestern vor mehr als fünf Jahrhunderten in einer kreisförmigen, rituellen Grube vor dem Tempel niedergelegt. Genau an dieser Stelle soll sich laut frühen historischen Berichten die letzte Ruhestätte der aztekischen Könige befinden. Trotz jahrzehntelanger Ausgrabungen, konnten die Archäologen noch keine aztekische Königsgruft finden. Die Entdeckung einer derartigen Grabstätte wäre eine Premiere.

„Wir haben im Moment enorme Erwartungen“, sagte der leitende Archäologe Leonardo Lopez Lujan gegenüber Reuters. „Wenn wir tiefer gehen, so denken wir, werden wir weitere sehr reiche Objekte finden.“

Ein Jaguar drapiert mit Meerestieren in einer Steingrube

Die größte Aufmerksamkeit zog aber das Jaguar-Opfer auf sich. Es befindet sich in einer großen rechteckigen Steingrube, in der Mitte der runden Plattform. Bislang gruben die Wissenschaftler jedoch nur etwa ein Zehntel ihres Inhalts aus.

Doch schon jetzt entdeckten die Archäologen eine Vielzahl von Artefakten, darunter eine Speerschleuder und eine geschnitzte Holzscheibe, die auf dem Rücken der Katze platziert wurde. Die Scheibe zeigt das Symbol der aztekischen Schutzgottheit Huitzilopochtli, dem Kriegs- und Sonnengott.

Außerdem war die nach Westen ausgerichtete Großkatze mit den Überresten von Wasserlebewesen bedeckt. Die Wissenschaftler konnten viele der Lebewesen identifizieren, darunter eine große Menge an Muscheln, einen leuchtend roten Seestern und Korallen. Diese sollten vermutlich die wässrige Unterwelt darstellten, durch die die Azteken glaubten, dass die Sonne in der Nacht reiste, bevor sie im Osten auftauchte, um einen neuen Tag zu beginnen.

Ein Rosalöffler, ein Vogel aus der Familie der Flamingos, wurde ebenfalls als Opfer gefunden. Die Azteken brachten diese Tiere mit Kriegern und Herrschern in Verbindung und dachten, dass die Vögel ihre Geister bei ihrem Abstieg in die Unterwelt darstellen würden.

„Es gibt eine riesige Menge an Korallen, die unsere Sicht auf das, was darunter kommt, versperrt“, sagte der Archäologe Miguel Baez, Teil des Teams, das die Opfergaben an der Basis des Tempels ausgrub.

Ein Tempel für den Regengott und einen für Huitzilopochtil

Heute ist der Tempel als Templo Mayor bekannt und befindet sich direkt vor der belebten Zocalo Plaza in Mexiko-Stadt. Wissenschaftler vermuten, dass der Tempel einst so hoch wie eine 15-stöckige Pyramide gewesen ist, bevor sie zusammen mit dem Rest der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan nach der spanischen Eroberung Mexikos 1521 zerstört wurde.

Der Schrein, der von jedem aztekischen König erweitert wurde, galt als das Zentrum des Universums und wurde mit zwei kleineren Tempeln gekrönt. Einer von ihnen befand sich auf der Nordseite und war dem Regengott Tlaloc gewidmet, während der andere auf der Südseite dem Gott Huitzilopochtil geweiht war.

Die neuesten Opfergaben orientieren sich alle am südlichen Tempel.

Aztekisches Königsgrab oder Opfer an die Götter?

Einige Jahrzehnte nach der Eroberung schilderten Chronisten die Bestattungsrituale von drei aztekischen Königen, alles Brüder, die von 1469 bis 1502 regierten. Diesen Berichten zufolge wurden die verbrannten Überreste der Herrscher mit luxuriösen Beigaben und den Herzen der geopferten Sklaven in oder in der Nähe der runden Plattform deponiert.

Im Jahr 2006 entdeckten Archäologen in der Nähe einen massiven Monolithen der aztekischen Erdgöttin mit einer Inschrift. Sie stammt aus dem Jahr 1502, als der größte Herrscher des Reiches und der letzte der Brüder, Ahuitzotl, starb.

Elizabeth Boone, Spezialistin für das antike Mexiko an der Tulane University, erklärte, dass Ahuitzotls Tod mit aufwendigen Erinnerungen verbunden gewesen sein könnte und dass der Jaguar den König als furchtlosen Krieger darstellen könnte. „Es könnte gut möglich sein, dass sich die Überreste von Ahuitzotl in dieser Grube befinden“, sagte sie.

Relikte aztekischer Priester

Weiterhin entdeckten die Ausgräber eine kleinere Steingrube neben dem Jaguar-Opfer. In ihrer oberen Schicht fanden sie Kopalstäbe, die von aztekischen Priestern als Räucherstäbchen verwendet wurden. Doch noch ist die Grube nicht vollständig ausgegraben.

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Daneben befindet sich eine weitere Steingrube mit 21 Feuersteinmessern, die kriegerisch geschmückt sind. Dort befindet sich auch eine ähnliche Kriegsgottesscheibe aus Perlmutt, sowie ein kleiner hölzerner Speerwerfer und Schild.

Zu ihrem erstaunen entdeckten die Wissenschaftler anschließend in einer angrenzenden kreisförmigen Grube das Menschenopfer eines etwa 9-jährigen Jungen. Wie der Jaguar erhielt auch der Junge eine Kriegsgottscheibe aus Holz und eine Jadeperlenkette. Zusätzlich schmückten die Azteken das Kind mit Flügeln aus Falkenknochen, die sie an seinen Schultern befestigten.

Zudem wurden der Großkatze und dem Jungen vermutlich das Herz als Teil eines rituellen Opfers herausgerissen. Um diese These zu bestätigen, wollen die Forscher später weitere Tests durchführen.

Vergleich mit Sparta

Für die Archäologen sprechen die Opfer auch für die geografische Reichweite der Azteken. So seien sie eine Art Kriegergesellschaft, ähnlich wie das antike Sparta, die benachbarte Königreiche eroberte, um Tribut zu erhalten.

Der Seestern kam zum Beispiel aus dem Pazifik, während die Jade aus Mittelamerika nahe dem heutigen Honduras stammt.

„Die Opfer bieten nicht nur ein Fenster in die (aztekische) heilige Welt, sondern auch in ihr Wirtschaftsleben“, sagte Frances Berdan, eine aztekische Wissenschaftlerin an der California State University, San Bernardino. Es wird erwartet, dass die sorgfältige Durchsicht der neuesten Opfer noch mindestens mehrere Monate andauert.