Bootsmigranten.Foto: ANNE CHAON/AFP via Getty Images

„Alan Kurdi“ mit 149 Migranten an Bord findet keinen Hafen – Bundesregierung ruft NGO-Schiffe zurück

Epoch Times11. April 2020 Aktualisiert: 11. April 2020 14:56
Inmitten der Corona-Krise ist das NGO-Schiff "Alan Kurdi" auf der Suche nach einem Hafen. Die Lebensmittel sind knapp. Doch wegen akuter Corona-Maßnahmen haben sowohl Italien als auch Malta ihre Häfen dicht gemacht. Die NGO "Alarmphone" kritisiert das Vorgehen der europäischen Länder.

Mitten in der Coronakrise ist das NGO-Schiff „Alan Kurdi“ weiter mit 149 Migranten an Bord auf der Suche nach einem sicheren Hafen in Europa. Laut einer Pressemitteilung der NGO „Sea-Eye“ spitzt sich die Lage auf der „Alan Kurdi“ derzeit zu.

Bereits in der Nacht zum Karfreitag meldete die Kapitänin Bärbel Beuse, dass der Vorrat an Lebensmittel nur mehr bis Ostersonntag ausreiche.

Streit um die Aufnahme der „Alan Kurdi“

Nach Italien hat am Donnerstag nun Malta seinen Hafen im Rahmen der strengen Maßnahmen zur weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie geschlossen. Wie der „Spiegel“ berichtete, hat sich unter den Rettungsleitstellen zwischen Italien, Malta und Deutschland ein Streit um die „Alan Kurdi“ zugetragen.

Die italienische Leitstelle MRCC Rom konnte Beuses Bitte nach Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff nicht nachkommen, da keine Bootsdienste auf den Inseln Lampedusa und Linosa verfügbar sind. Ein Passagier mit psychischen Problemen wurde von der italienischen Rettungswache auf Lampedusa an Land gebracht.

Italien habe dann auf Malta verwiesen, woraufhin die maltesische Leitstelle in Valletta die Anfrage sofort reagierte: „Versuchen Sie nicht, das auf Malta abzuladen.“ Die deutsche Rettungsleitstelle im Bremen teilte der Leitstelle in Rom bereits in der Nacht zum Karfreitag mit, dass sie mit der Koordinierung der Situation des deutschen Schiffes überfordert sei.

Bundesregierung ruft NGO-Schiffe zurück

Zuvor hatte das deutsche Innenministerium entsprechende NGOs in einem Brief aufgefordert, die Aufnahme von Migranten auf dem Mittelmeer einzustellen. Bereits ausgelaufene Schiffe sollten umkehren, heißt es darin.

In einem Interview mit dem Online-Kanal Tilo Jung bestätigte Außenminister Heiko Maas die schwierige Lage der „Alan Kurdi“: „Es ist für uns nicht lösbar ein Schiff, das auf dem Mittelmeer kreuzt und Flüchtlinge aufgenommen hat, sicher in einen Mittelhafen zu bekommen.“

Dabei handele sich nicht um eine migrationspolitische Frage, sagte Maas. Das liege alleine an den Corona-Maßnahmen und habe praktische Gründe. Es gelten Ausgangssperren. Die Häfen seien stillgelegt. Allerdings arbeiteten sie an einer Lösung, versichert der Außenminister im Interview.

Aktivisten sehen Corona-Pandemie als Vorwand

Aktivisten von „Alarmphone“ kritisieren das Vorgehen der europäischen Länder: „Der Vorfall zeigt, dass europäische Behörden die Corona-Pandemie als Vorwand benutzen, um Menschen in akuter Seenot nicht zu retten und geltendes See- und Menschenrecht zu brechen“, sagt Maurice Stierl, gegenüber dem „Spiegel“.

Die NGO nimmt Notrufe von Flüchtlingen und Migranten entgegen und leitet sie an staatliche Leitstellen und NGOS weiter, die Schiffe ins Mittelmeer senden.

Wie der „Spiegel“ berichtet, sei gerade erst ein dramatischer Anruf von Bootsmigranten bei der Organisation eingegangen. Demnach würde das maltesische Militär die Motorenkabel der Boote absichtlich durchschneiden und damit das Leben der Migranten gefährden. Solche Anrufe kommen immer wieder vor. Nachdem Malta über den Fall informiert wurde, wurde die Migranten aufgenommen.

Inwieweit die Anschuldigungen der Bootsmigranten stimmen, ist allerdings nicht verifiziert. Es könnte sich demnach auch um Erpressungsversuche von Schleppern handeln, Druck auf die europäischen Länder auszuüben, Bootsmigranten aufzunehmen. (nh)

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