In Bagdad griffen Anhänger einer irakisch-schiitischen Miliz und weitere Protestler die dortige US-Botschaft an.Foto: AHMAD AL-RUBAYE/AFP via Getty Images

US-Botschaft in Bagdad angegriffen – Kampfhubschrauber zum Schutz der Diplomaten vor Ort

Epoch Times31. Dezember 2019 Aktualisiert: 31. Dezember 2019 22:39
Nach der Erstürmung der stark gesicherten US-Botschaft in Bagdad (Irak) haben die USA Verstärkung zum Schutz der Diplomaten geschickt. Ein Hubschrauber mit Marineinfanteristen an Bord landete auf dem Botschaftskomplex.

Nach der Erstürmung der US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad haben die USA Verstärkung zum Schutz der Diplomaten geschickt. Ein Hubschrauber mit Marineinfanteristen an Bord landete nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Dienstagabend auf dem Botschaftskomplex.

Aus Protest gegen einen US-Luftangriff auf pro-iranische Milizen im Irak hatten zuvor tausende Demonstranten das Botschaftsgelände gestürmt. US-Präsident Donald Trump warf Teheran vor, die Angriffe zu steuern und forderte von der irakischen Regierung, die diplomatische Vertretung mit ihren „Truppen“ zu schützen.

„Tod Amerika“

Die pro-iranischen Demonstranten in Bagdad hatten zunächst an einem Trauerzug für die Getöteten der US-Luftangriffe vom Wochenende teilgenommen. Anschließend gelang es ihnen, ungehindert alle Kontrollposten zur streng gesicherten Grünen Zone, in der sich die US-Botschaft befindet, zu passieren und erstmals seit Jahren zu der US-Vertretung vorzudringen. Sie riefen „Tod Amerika“, forderten den Abzug der US-Truppen im Irak, warfen Steine, verbrannten US-Flaggen und rissen Überwachungskameras aus den Wänden.

Als die Demonstranten weiter gewaltsam vorrückten, umstellten irakische Sicherheitskräfte das Gebäude.

Dann durchbrachen hunderte teils uniformierte Kämpfer und Anhänger der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Miliz das Tor in der Außenwand des Botschaftsgeländes. US-Sicherheitskräfte auf dem Gelände feuerten zunächst Schüsse ab, dann Tränengas und Blendgranaten, um die Demonstranten zu vertreiben. Nach Angaben der Hasched-al-Schaabi-Miliz wurden 62 Menschen verletzt.

Auf die Außenwand der Botschaft kritzelten die Demonstranten „Nein zu Amerika“ und „Suleimani ist mein Befehlshaber“. Suleimani ist als Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden seit langem ein einflussreicher Akteur in der irakischen Politik.

Am Abend harrten mehrere hundert Menschen vor dem Botschaftsgelände aus. Sie errichteten Zelte, um die Nacht dort zu verbringen. US-Botschafter Matthew Tueller befindet sich nach Diplomatenangaben derzeit im Urlaub außerhalb des Irak.

Trump warf Teheran im Online-Dienst Twitter vor, den Angriff auf die US-Botschaft zu „steuern“. Der irakischen Regierung sei übermittelt worden, dass sie ihre „Truppen“ zum Schutz der US-Botschaft einsetzen müsse. Später telefonierte Trump nach Angaben des Weißen Hauses mit dem geschäftsführenden irakischen Ministerpräsidenten Adel Abdel Mahdi.

US-Außenminister Mike Pompeo machte der irakischen Führung nach Angaben seines Ministeriums „klar, dass die USA ihre Landsleute schützen und verteidigen werden, die dort sind, um einen souveränen und unabhängigen Irak zu unterstützen“.

Das iranische Außenministerium warf den USA „Dreistigkeit“ vor, da sie Teheran für die Proteste der irakischen Bevölkerung „gegen ihre brutalen Taten“ verantwortlich machten.

Lage im Irak ist äußerst instabil

Hintergrund der Eskalation sind die US-Luftangriffe auf die pro-iranischen Hisbollah-Brigaden, bei denen am Sonntag 25 Kämpfer und Kommandeure getötet worden waren. Die Hisbollah-Brigaden sind Teil der pro-iranischen, überwiegend schiitischen Hasched-al-Schaabi-Milizen, die 2014 für den Kampf gegen die sunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebildet worden waren. Heute sind die Hasched-al-Schaabi-Milizen offiziell in die irakischen Streitkräfte integriert, viele Einheiten haben aber ihre Eigenständigkeit bewahrt.

Mit ihren Angriffen hatte die US-Armee auf den Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen US-Militärstützpunkt im Irak reagiert. Bei dem Angriff im nordirakischen Kirkuk waren mehr als 30 Raketen abgefeuert worden. Bereits zuvor gab es mehrfach Angriffe auf US-Einrichtungen.

Die US-Reaktionen lösten umgehend scharfe Reaktionen in Bagdad, Teheran und Moskau aus. Die geschäftsführende irakische Regierung warnte, sie sehe sich zu einer „Überprüfung ihrer Beziehungen“ zu den USA gezwungen.

Die Lage im Irak ist äußerst instabil; seit Anfang Oktober wird das Land angesichts einer schweren sozialen Krise von einer beispiellosen Protestwelle erschüttert. Die Demonstranten warfen den Eliten Korruption und Untätigkeit vor.

Unter dem Druck der Demonstranten war Ministerpräsident Abdel Mahdi zurückgetreten, er führt die Regierung aber geschäftsführend weiter. Der Iran hat großen Einfluss im Irak und versucht, auch die Bildung einer neuen Regierung zu steuern. (afp)

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