Hoffen, beten. Pakistan nach der Ermordung Benazir Bhuttos. (Foto: Saeed Khan/AFP)

Pakistan im Zentrum des Krieges gegen den Terror

Von 10. Januar 2008 Aktualisiert: 10. Januar 2008 16:29

Pakistan ist in der Position, die Welt zu verändern. Eingezwängt zwischen dem theokratischen Iran, dem kommunistischen China, dem kriegszerrissenen Afghanistan und der Nemesis Indien, ist Pakistans geografische Lage ein Fluch, die es aber auch zu einer der entscheidendsten Nationen auf der Erde macht.

Pakistan gehört zu den zehn korruptesten Nationen der Welt, hat eine große ländliche und des Lesens und Schreibens unkundige Bevölkerung, ist der mutmaßliche Aufenthaltsort von Osama Bin Laden, ist wahrscheinlich das schlimmste nukleare Spannungsgebiet der Welt und war in der Vergangenheit bekannt dafür, sein nukleares Leistungsvermögen mit Ländern wie Nordkorea und dem Iran zu teilen. Es ist durchaus bemerkenswert, wenn dieses Pakistan im Weltgeschehen so wichtig ist; denn es ist auch einer der Verbündeten der Vereinigten Staaten, auf die sie sich im Krieg gegen die Taliban am meisten stützen.

In den vergangenen Wochen und Monaten des Jahres 2007 kamen die Geschehnisse in Pakistan in die internationalen Schlagzeilen und gaben einen Einblick in dessen turbulente politische Situation. General Pervez Musharraf, der 1999 durch einen Militärputsch an die Macht kam, ist mit einem stetigen Rückgang der Anerkennung seines Amtes durch das Volk konfrontiert. Als er an die Macht kam, versprach er, die korrupten Institutionen der Nation aufzuräumen und zu helfen, liberalere, demokratische Praktiken einzuführen. Er unternahm Schritte für einen Frieden mit Indien und kooperierte mit den Vereinigten Staaten im Krieg gegen Afghanistan.

Das reichte den Vereinigten Staaten, um Hunderte von Millionen von Dollar Entwicklungsgelder nach Pakistan fließen zu lassen, sowohl für das Militär als auch für andere Projekte.

Doch statt die Transparenz im Land zu verbessern, hat die Politik von Musharraf viele politische Institutionen noch abhängiger gemacht, und es wurden Richter gefeuert, weil sie ihm nicht loyal genug waren. In November enthob er den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes seines Amtes und erklärte den Kriegszustand, was im ganzen Land zu Protesten gegen die Militärdiktatur führte.

Musharraf zeigte einerseits seine Kooperationsbereitschaft, indem er seine Armee in die Grenzregionen zum Kampf gegen die Taliban schickte, appellierte andererseits aber auch an Taliban-freundliche islamische Konservative, was zu einer Verstärkung der extremistischen Stimmung und zu Sympathie für Amerikas Feinde führte.

Pakistan hatte in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes wirtschaftliches Wachstum zu verzeichnen, doch seine ländlichen Gebiete hinken hinterher. Dort, wo die meisten des Lesens und Schreibens unkundig sind und viele in Armut leben, geben politische Korruption und Verwahrlosung Anlass zu Unruhe und Instabilität.
Da Pakistan an Afghanistan angrenzt, nehmen die Vereinigten Staaten die Hilfe der pakistanischen Armee in Anspruch, die hier ins Exil gegangenen Taliban-Soldaten zu bekämpfen, die aus Afghanistan in den Norden vertrieben wurden. Doch zur gleichen Zeit ist das Land auch das primäre Trainingsland für Gotteskrieger.

Die Landeswahlen, die auf den 8. Januar angesetzt wurden, bieten sicherlich keine schnelle Lösung für irgendeines von Pakistans widersinnigen Problemen, aber könnten helfen, eine Aufwertung der Demokratie einzuleiten. Die Pakistanische Volkspartei (PPP), an deren Spitze Benazir Bhutto stand, war verhältnismäßig weltlich, und, obwohl selbst von Korruption heimgesucht, mit einem Mehr an demokratischen Ambitionen ausgestattet.

In den Vereinigten Staaten sagte Ali Nawaz Memon, der Vizepräsident der PPP und großer Anhänger von Benazir Bhutto, der mit ihr noch drei Tage vor ihrer Ermordung gesprochen hatte: „Zivile Kontrolle ist besser, Demokratie ist der Weg dorthin“. Memon sieht wie viele andere die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in den ländlichen Gebieten als eines der Hauptprobleme, denen sich Pakistan stellen muss, denn genau dieses Problem schürt die extremistische Stimmung.

Die Provinz Sindh, in der er und Bhutto aufwuchsen, hat nur eine sehr geringe wirtschaftliche Entwicklung erlebt. „Für die Erfüllung der Grundbedürfnisse wie Ausbildung und Bewässerung bauten wir auf Bhutto“, sagte Memon.

Nachdem Bhutto letzte Woche ermordet worden war, beschuldigte Musharrafs Partei die Taliban als Täter. Aber viele andere beschuldigten Musharrafs Sicherheitskräfte oder andere politische Gegner innerhalb des Landes einschließlich der Muslim-Liga Pakistan unter Führung von Nawaz Sharif.

Im Dezember hielt die US-Regierung 50 Millionen Dollar an Hilfe für Pakistan zurück und erwägt jetzt noch schärfere Maßnahmen. Aber während das Attentat als politischer Umschwung für Bhuttos Gegner dienen könnte – ihre Partei wird jetzt von ihrem weniger populären Ehemann und ihrem neunzehnjährigen Sohn geführt – kann es vielleicht auch dazu führen, die Sympathien der Pakistani für sie zu fördern und ihre Entschlossenheit zu stärken, eine besser funktionierende Demokratie einzuführen, die eher dem Willen einer zerrissenen und in sich zersplitterten Bevölkerung nachkommt. Und das wären gute Nachrichten für alle: für die Menschen in Pakistan wie auch für den Rest der Welt.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Printausgabe Nr. 2

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