Axel Springer-Chef Döpfner hält Plädoyer für den kritischen Journalismus

Epoch Times20. September 2017 Aktualisiert: 20. September 2017 21:33
"Stützen Sie die Geschichte, die Ihnen ein führender Politiker ausreden will", schreibt Mathias Döpfner, CEO von Springer. Denn: "Wir haben keinen Spielraum zum bangen Kompromiss. Die Zeiten sind zu ernst. Es geht um zu viel."

Der Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE (Welt, Bild, Business Insider), Mathias Döpfner, hielt beim diesjährigen Treffen der Zeitungsverleger in Stuttgart ein Plädoyer für den kritischen Journalismus und die freie Presse. Es lohne sich dafür zu kämpfen, sagt er, vor allem auch „im Interesse von Demokratie und Rechtsstaat“.

„Journalismus ist der Scheinwerfer der Aufklärung oder, eine Nummer kleiner, zumindest die Taschenlampe des mündigen Bürgers. Journalismus bedeutet, unbequeme Fragen zu stellen, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, Verdecktes aufzudecken – Licht an Dinge bringen, die im Dunklen bleiben sollten. Journalismus bedeutet auch Streit, Polemik, Debatte – und damit geistige Anregung und ein beharrliches Ringen um die richtige Sicht der Dinge, die ewige Suche nach dem richtigen Weg. Journalismus informiert, unterhält und bildet – und prägt damit letztlich den wahren Souverän der Demokratie: den mündigen Bürger. Nur dieser mündige Bürger und nicht etwa der bevormundete oder durch monopolistische Plattformen unmündig gemachte Bürger kann auf Basis von richtigen und relevanten Informationen und Erkenntnissen richtig entscheiden, was er will. Auf dass die von ihm gewählten Politiker dann die Weichen richtig stellen. Oder selbstbewusster werdende Gesellschaften ihre Autokraten entmachten. Genau deshalb fürchten Diktatoren nichts mehr als freie Presse.“

Mit diesen Worten hielt  Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, beim diesjährigen Treffen der Zeitungsverleger in Stuttgart ein Plädoyer für den kritischen Journalismus. Zuviel Autokratie, zuviel Diktatur, zuviel Populismus und das Überhandnehmen künstlicher Intelligenz schade kaum einem anderen Industriezweig so sehr wie dem Journalismus. Doch es lohne sich, zu kämpfen, sagt er.

Wie steht es um unseren freien Willen?

Plattformen wie „google“ entmündigten den Menschen immer mehr durch die Maschine und Döpfner fragt zu recht, wie es in der Zukunft um unseren freien Willen bestellt sein wird“. In dem Zusammenhang zitiert er den israelischen Historiker Yuval Harari aus seinem Buch „Homo Deus: Eine Geschichte von morgen“:

Mit Hilfe der Biotechnologie und der künstlichen Intelligenz werden wir neue Wesen erschaffen. Ray Kurzweil, ein brillanter Visionär, der für Google arbeitet, glaubt, dass wir exakt im Jahr 2045 etwas erreichen, das er „Singularität“ nennt. Es ist der Punkt, an dem die Maschine den Menschen hinsichtlich ihrer Intelligenz überholt.“

Und genau das sei die große Gefahr, meint Döpfner, und genau hier müsse der Journalismus als „Werkzeug der Freiheit“ eingreifen. Und dafür „bedarf es einer Vielfalt an Wettbewerb der publizierten Tatsachen und Meinungen“, so der Verleger. „Das Ringen um das Richtige ist ein Merkmal von Demokratie, von Gemeinwesen und Freiheit.“

In offenen, demokratischen Gesellschaften herrsche dabei eine bewährte Balance: Politiker und Unternehmer handeln und gestalten, Journalisten stellen die kritischen Fragen, damit dieses Handeln und Gestalten auch wirklich den Interessen der Bürger dient, so Döpfner. Dies wiederum schließe aber nicht aus, dass Journalisten auch Fehler machen würden –Selbstkontrolle geschehe durch den Wettbewerb – die Konkurrenz unter den Medien.

Im Interesse von Demokratie und Rechtsstaat

Und dass die Medien faire Wettbewerbsbedingungen bekämen, das verlangt Döpfner von der Politik. „Wir erwarten deshalb sehr nachdrücklich, dass die Politik diese Rahmenbedingungen schafft, und zwar nicht, um uns einen Gefallen zu tun, sondern im ureigenen Interesse von Demokratie und Rechtsstaat.“

Um die Zukunft des Journalismus zu retten, schlägt Döpfner vor „zu kämpfen für die Rolle des Journalismus in der Gesellschaft“. Zudem – und das schließt das Vorhergehende mit ein – solle jeder einzelne „gerade in diesen schwierigen, politisch sehr fragilen Zeiten die Voraussetzungen schaffen, dass freier, kritischer Journalismus weiterhin entsteht und gedeiht“.

Und weiter empfiehlt er den Medien:

Investieren Sie in kritische Querköpfe, die uns manchmal nerven, die aber oft den Finger in die Wunde legen. Stützen Sie den, der in der Stadtverwaltung aneckt, weil er immer kritische Fragen stellt. Stützen Sie die Geschichte, die Ihnen ein führender Politiker ausreden will. Und stützen Sie die Veröffentlichung eines Beitrags, den ein großer Anzeigenkunde mit Anzeigenboykott bestrafen könnte oder wird. Wir haben keinen Spielraum zum bangen Kompromiss. Die Zeiten sind zu ernst. Es geht um zu viel.“

Die ganze Rede von Mathias Döpfner finden Sie HIER.

(mcd)

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