Zwei Jungen beim Spielen. Symbolbild.Foto: Istock

„Corona-Kumpel“ nicht vom Tisch: Experten warnen vor Merkels Ein-Freund-Vorstoß

Von 20. November 2020 Aktualisiert: 21. November 2020 10:54
Der Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel, zur Bekämpfung von Corona Kinder dazu zu veranlassen, sich für die Dauer des Lockdowns nur noch mit einem bestimmten Freund zu treffen, bleibt umstritten. Mehrere Länder wollen sich dagegen weiterhin querstellen.

Im August letzten Jahres veröffentlichte die „Brigitte“ einen Bericht über Pädagogen in westlichen Ländern, die es als „faszinierendes soziales Experiment“ betrachteten, Kindern zu untersagen, einen einzigen „besten Freund“ zu haben. Dies, so hieß es zur Begründung, würde die Fähigkeit eines Kindes beschränken, die Welt zu erkunden und laufe der Gleichstellung zuwider. Mittlerweile hat sich die Situation angesichts der Corona-Krise geändert. Auf Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte der exklusive Kontakt zu einem „besten Freund“ bald zur Pflicht werden.

Merkel könnte das Thema am 25. November erneut ansprechen

Wie der „Münchner Merkur“ berichtete, soll Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch (18.11.) persönlich im Rahmen der jüngsten Gesprächsrunde mit den Ministerpräsidenten der Länder das Thema noch strikterer Kontaktbeschränkungen für Kinder und Jugendliche angesprochen haben. So sollte diesen außerhalb der Schule nur noch erlaubt sein, einen bestimmten Freund oder eine bestimmte Freundin zu treffen.

Einen Konsens über eine solche Maßnahme konnten die Akteure nicht herstellen. Dennoch könnte sie jederzeit wieder auf die Tagesordnung kommen, insbesondere gegen Ende des Monats, wenn die Entscheidung darüber ansteht, ob der derzeitige bundeseinheitliche Lockdown verlängert oder verschärft werden soll. Dass die Zahl der positiv auf SARS-CoV-2 Getesteten pro Tag nach einer kurzen Phase des Rückgangs am Mittwoch wieder auf über 20.000 gestiegen ist, dürfte Wasser auf die Mühlen der Befürworter eines verlängerten Lockdowns bis Jahresende darstellen.

Haseloff: „Nicht mit der Lebensrealität vereinbar“

Ursprünglich war in einer ersten Beschlussvorlage des Kanzleramts die Rede davon, dass Kinder und Jugendliche dazu angehalten werden sollten, sich „nur noch mit einem festen Freund oder einer festen Freundin in der Freizeit zu treffen“. In der Endfassung hieß es, Bürger sollen „private Zusammenkünfte (…) auf einen festen Haushalt beschränken“, das schließe auch Kinder und Jugendliche in den Familien mit ein. Vom Tisch ist die explizite Verankerung der ursprünglich angestrebten Fassung aber noch nicht. Am 25. November wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen beraten.

Der Gegenwind, der den Befürwortern einer so weitreichenden Kontaktbeschränkung für Kinder und Jugendliche entgegenschlägt, ist stark. Er kommt unter anderem aus der Politik selbst, wo etwa Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff gegenüber der „Bild“ erklärte, er habe „fünf Enkel und weiß, dass das nicht funktioniert“ – und dass er eine solche Regelung verhindern würde. Auch in Bayern wenden sich die Freien Wähler gegen eine „lebensfremde“ Vorschrift dieser Art, ebenso wie Regierungspolitiker mehrerer anderer Länder.

Potenziell traumatisierend, von niemandem als Freund ausgewählt zu werden

Aber auch die Fachwelt ist von der Idee wenig angetan. Kontaktbeschränkungen träfen jüngere Menschen härter als ältere, meint etwa die Diplom-Psychologin Ulrike Scheuermann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Besonders bei Jugendlichen könnten solche Einschnitte zum Problem werden, erklärt sie weiter. Denn gerade Freunde seien in diesem Alter für die Identitätsentwicklung von zentraler Bedeutung.

Auch Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort spricht gegenüber der „Zeit“ von einem „unverhältnismäßigen“ Vorschlag und gibt zu bedenken, dass es für Kinder und Jugendliche mit einem erheblichen psychischen Stress verbunden sein könnte, einen „Corona-Kumpel“ auswählen zu müssen. Festlegen zu müssen, zu wem man temporär den Kontakt abbreche, gehe „völlig an dem vorbei, was sie in ihrer Entwicklungsphase verkraften können“. Zudem blieben Kinder übrig, die „keiner als einzigen Freund ausgewählt hat“, was potenziell eine traumatisierende Erfahrung sein könnte.

Giffey: Vorschrift zu Corona-Kumpel würde nur in der Freizeit gelten

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey versucht gegenüber dem „Tagesspiegel“ hingegen, die Maßnahme zu entdramatisieren. Sie erklärt: „Wenn, dann ginge es ja nur um die Freizeit und die Kinder hätten trotzdem weiterhin Kontakte in Kita und Schule – oft sind das die wichtigsten Freundinnen und Freunde.“

Kritik an dem Vorstoß kam, wie der „Merkur“ schreibt, auch aus Verbänden wie dem Deutschen Kinderschutzbund oder der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die das Ansinnen mit „Sorge“ betrachten.

(Mit Material der dpa)

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Unsere Buchempfehlung

Alle Völker der Welt kennen den Teufel aus ihren Geschichten und Legenden, Traditionen und Religionen. Auch in der modernen Zeit führt er – verborgen oder offen – auf jedem erdenklichen Gebiet seinen Kampf gegen die Menschheit: Religion, Familie, Politik, Wirtschaft, Finanzen, Militär, Bildung, Kunst, Kultur, Medien, Unterhaltung, soziale Angelegenheiten und internationale Beziehungen.

Er verdirbt die Jugend und formt sich eine neue, noch leichter beeinflussbare Generation. Er fördert Massenbewegungen, Aufstände und Revolutionen, destabilisiert Länder und führt sie in Krisen. Er heftet sich - einer zehrenden Krankheit gleich - an die staatlichen Organe und die Gesellschaft und verschwendet ihre Ressourcen für seine Zwecke.

In ihrer Verzweiflung greifen die Menschen dann zum erstbesten „Retter“, der im Mantel bestimmter Ideologien erscheint, wie Kommunismus und Sozialismus, Liberalismus und Feminismus, bis hin zur Globalisierungsbewegung. Grenzenloses Glück und Freiheit für alle werden versprochen. Der Köder ist allzu verlockend. Doch der Weg führt in die Dunkelheit und die Falle ist bereits aufgestellt. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentieren
Werte Leserinnen und Leser,
Ihre Kommentare sind uns willkommen, bitte lesen Sie vorher die Netiquette HIER.
Die Kommentare durchlaufen eine stichprobenartige Moderation.
Beiträge können gelöscht oder Teilnehmer können gesperrt werden.
Bitte bleiben Sie respektvoll und sachlich.

Ihre Epoch Times-Redaktion