Das Archivfoto zeigt Bundespolizisten am Frankfurter Flughafen.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa

Deutsche IS-Rückkehrerin am Flughafen festgenommen

Epoch Times20. Dezember 2020 Aktualisiert: 20. Dezember 2020 13:37
Deutschland hat drei Frauen und zwölf Kinder aus Camps in Nordostsyrien nach Deutschland zurückgeholt. Eine Frau wurde am Frankfurter Flughafen festgenommen. Die Vorwürfe sind schwerwiegend.

Die Bundesregierung hat drei deutsche Frauen und zwölf Kinder aus Lagern für gefangene IS-Mitglieder in Nordsyrien nach Deutschland geholt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) äußerte sich am Sonntag in Berlin „erleichtert“ über die erfolgreiche Rückholaktion. Eine der Frauen wurde direkt nach der Landung am frühen Morgen in Frankfurt am Main festgenommen.

Grundlage der Festnahme war laut einem Bericht der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe ein bestehender Haftbefehl gegen die 21-jährige Leonora M. aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland sowie wegen Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Leonora M. war 2015 als 15-Jährige nach Syrien gereist, um sich der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat anzuschließen. Sie wurde laut Bundesanwaltschaft dort Drittfrau eines IS-Geheimdienstmitarbeiters und bekam mit ihm zwei Kinder. Der Mann, bei dem es sich Berichten zufolge um den Deutschen Martin L. handelt, habe auch eine gefangene Jesidin erworben, um diese später gewinnbringend weiterzuveräußern. Leonora M. habe ihn bei seinen Aktivitäten unterstützt.

Ermittlungsverfahren laufen

Laut einem Bericht des „Spiegel“ laufen auch gegen die beiden anderen Frauen in Deutschland Ermittlungsverfahren wegen Terrorverdachts. Dem Magazin zufolge gab es auf dem Flug nach Deutschland bei einem der Kinder einen medizinischen Notfall. Der im Irak gestartete Jet habe daher in Wien zwischenlanden müssen.

„Die gestrige Rückholaktion war ein Kraftakt, dem Monate intensiver Vorbereitungen und Abstimmungen vorausgingen“, betonte Maas. Es handele sich „um humanitäre Fälle“, einige der Kinder seien erkrankt. Die ohnehin schwierige Lage in Nordostsyrien sei durch Kampfhandlungen und die Corona-Pandemie in diesem Jahr noch prekärer geworden, viele der Ansprechpartner vor Ort hätten derzeit auch sonst genug Probleme. „Umso mehr gebührt Ihnen unser Dank, ebenso wie unseren finnischen Partnern, mit denen gemeinsam wir diese Operation durchgeführt haben“, erklärte der Bundesaußenminister.

Die drei Frauen waren in den von syrischen Kurden eingerichteten Lagern Roj und Al Hol in Nordostsyrien inhaftiert. Ebenfalls nach Deutschland geholt wurden fünf Kinder der Frauen sowie sieben Waisenkinder. Alle seien als besonders schutzbedürftig eingestuft worden, hieß es. Die Operation erfolgte laut Auswärtigem Amt gemeinsam mit Finnland, das sechs Kinder und zwei Frauen zurückgeholt habe.

Begleitung auch durch Bundespolizisten

Nach Recherchen des SWR wurde die Gruppe am Samstag bereits im nordsyrischen Kamischli von Vertretern der kurdischen Selbstverwaltung an eine Delegation des Auswärtigen Amts übergeben. Das Auswärtige Amt erwähnte in seiner Mitteilung diese Zusammenarbeit mit den kurdischen Behörden nicht. Stattdessen war nur von „lokalen Stellen“ die Rede. Die Bundesregierung arbeitet in der Regel offiziell nicht mit den kurdischen Regionalbehörden zusammen, um die Türkei nicht zu verärgern.

Nach Angaben der „Bild“-Zeitung wurde der Rückholflug auch von Bundespolizisten begleitet. Bei den übrigen beiden Frauen handele es sich um die 24-jährige Merve A. aus Hamburg sowie um Yasmin A. aus Bonn, hieß es. Laut „Bild“ befinden sich noch knapp 70 erwachsene Deutsche in kurdischer Gefangenschaft, dazu 150 Kinder deutscher Eltern. (afp)


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