Empörung in Cottbus: Wo bleibt „staatliche Schutzfunktion für die Kommunen“? – Oberbürgermeister steht zu Aufnahmestopp

Von 29. Januar 2018 Aktualisiert: 29. Januar 2018 19:19
Während der Oberbürgermeister seinen Migranten-Stopp verteidigt, droht die Stimmung in Cottbus gänzlich zu kippen. Selbst das Innenministerium sieht längst nicht mehr nur Rechtsextremisten und die AfD, sondern auch viele empörte Bürger.

Nach wiederholten Gewalttaten junger Flüchtlinge und Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Deutschen erklärte die Stadt Cottbus, zunächst keine weiteren Flüchtlinge aus der Erstaufnahme des Landes mehr aufzunehmen.

Der Cottbusser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) verteidigte den Aufnahmestopp für Asylbewerber in seiner Stadt gegen Kritik an dieser Maßnahme und erläuterte, dass es Cottbus an Geld und Sozialarbeitern fehle, um weitere Migranten zu versorgen, so der CDU-Politiker am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Kelch forderte mehr Unterstützung:

Bund und Länder haben eine staatliche Schutzfunktion für die Kommunen.“

(Holger Kelch, OB Cottbus)

Doch davon merke er bisher in Cottbus zu wenig.

Die Stimmung kippt

Wie die „Bild“ berichtete, gab es am 20. Januar eine Kundgebung mit 1.000 Menschen in der Innenstadt von Cottbus, veranstaltet von der AfD Brandenburg und vom Bürgerverein „Zukunft Heimat“. Vereinschef Dr. Christoph Berndt, Arzt und Personalrat an der Berliner Charité, sagte bei der Kundgebung laut „Bild“:

Eine Gruppe Rotzlöffel, die nichts für unser Land getan haben, beansprucht den Vortritt gegenüber Einheimischen, die sie beherbergen, verpflegen und versorgen.“

(Christoph Berndt, Bürgerverein)

Angesichts dessen musste auch das Innenministerium eingestehen:

 Die Demo zeigt, dass wir es nicht nur mit Rechtsextremisten und der AfD zu tun haben, sondern auch mit vielen empörten Bürgern.“

(Ingo Decker, SPD, Sprecher des Innenministeriums)

Auslöser: Messer-Attacken am EKZ

Am 12. Januar forderten junge Flüchtlinge (14, 15, 17) von einer 43-jährigen Frau, dass sie ihnen am Eingang des Cottbuser Einkaufszentrums Blechen-Carré den Vortritt lassen und ihnen Respekt zollen soll. Als sie dies ablehnte, griffen die Syrer ihren Ehemann (51) an, einer zog dabei ein Messer. Nur das beherzte Eingreifen eines bisher unbekannten Passanten und des herbeieilenden Wachschutzes konnte Schlimmeres verhindern.

Tage später, am darauf folgenden Mittwoch vor demselben Einkaufszentrum geschah eine blutige Messer-Attacke durch einen 15-jährigen Syrers auf einen 16-jährigen deutschen Schüler. Dieser schleppte sich blutüberströmt in einen Friseurladen und brach dort zusammen.

Seither sind die Cottbuser Bürger nervös, wie der Videobeitrag belegt und andere froh, nicht hier leben zu müssen:

Ich wohne ja gar nicht in Cottbus. Das ist ja das Gute. Aber ich persönlich krieg‘ schon ein bissel Angst.“

Mehr dazu:

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