Tödlicher Streit: Köthener starb an akutem Herzversagen – 500 Menschen schweigend unterwegs

Epoch Times9. September 2018 Aktualisiert: 10. September 2018 6:29
Politiker und Kirchenvertreter haben nach dem Tod eines 22-Jährigen in Köthen zur Besonnenheit aufgerufen. „Wir gehen davon aus, dass der deutsche Rechtsstaat Recht walten lässt. Wir wissen aber noch nicht genau, was passiert ist", erklärt der Landrat des Kreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze.

Rund 500 Menschen nahmen am Trauermarsch teil, sie zogen nach Berichten von Augenzeugen schweigend und ohne Transparente oder Spruchbänder durch die Straße in Richtung des Spielplatzes, wo sich der Streit ereignet hatte. Dort legten Teilnehmer Blumen nieder.

Der junge Köthener starb an akutem Herzversagen

Der in Köthen in Sachsen-Anhalt ums Leben gekommene 22-Jährige ist nach Angaben der Ermittler an akutem Herzversagen gestorben. Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis stehe dieses Herzversagen nicht im direkten Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen des jungen Mannes, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Dessau-Roßlau am Sonntagabend mit.

Gegen einen 18-Jährigen Tatverdächtigen werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt, gegen einen 20-jährigen Tatverdächtigen wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge.

Entsprechende Haftanträge werden demnach durch die Staatsanwaltschaft am zuständigen Amtsgericht in Dessau-Roßlau gestellt. Der 22-jährige Deutsche war in der Nacht zum Sonntag in Köthen gestorben. Zwei Afghanen wurden vorläufig festgenommen. Über die Umstände des Todesfalls gaben die Ermittlungsbehörden zunächst keine Auskunft. Es werde „in alle Richtungen“ ermittelt, hieß es. (dpa)

50 Menschen protestierten gegen rechte Hetze

Nach einem tödlichen Streit in Köthen haben rund 50 Menschen gegen rechte Hetze demonstriert. Sie waren dem Aufruf der Linken-Politikerin Henriette Quade gefolgt und hatten sich am Bahnhof der Stadt in Sachsen-Anhalt versammelt. „Wo sich der Mob formiert, funken wir dazwischen“, war auf Spruchbändern zu lesen.

Nach Angaben des MDR starb der junge Mann an einem Herzinfarkt

Nach MDR-Informationen ist der jungen Mann in Köthen durch einen Herzinfarkt gestorben, das habe die Obduktion ergeben. Eine offizielle Bestätigung dafür steht noch aus. Der 22 Jahre alte Mann hatte demnach eine kardiologische Vorerkrankung.

Nach einem tödlichen Streit in Köthen bereitet sich die Polizei auf Proteste in der Stadt in Sachsen-Anhalt vor. Die Linken-Politikerin Henriette Quade meldete eine Demonstration gegen rechte Hetze an, die am Bahnhof beginnen soll. In sozialen Netzwerken riefen außerdem rechte Gruppen zur Teilnahme an einem sogenannten Trauermarsch auf.

Auch die Bundespolizei ist auf dem Weg nach Köthen, unter anderem eine Beweissicherungs- und Festnahme-Hundertschaft. Diese soll mit Hubschraubern aus St. Augustin bei Bonn geschickt werden.

Die Ermittlungen laufen

Olaf Braun, Staatsanwalt und Pressesprecher der Behörde erklärt: „Wir Können noch keine weiteren Angaben machen. Es werden noch Zeugen vernommen. Die Ermittlungsergebnisse müssen ausgewertet werden. Tatverdächtig sind zwei afghanische Asylbewerber, 18 und 20 Jahre alt, und somit Heranwachsende. Da es sich um Heranwachsende handelt, werden auch unsere Angaben ein wenig knapper ausfallen.“

Einer der beiden Tatverdächtigen war nach Angaben von Landrat Uwe Schulze (CDU) als Flüchtling anerkannt, der andere habe abgeschoben werden sollen.

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet: „Im Prinzip hätte der Mann aber mittlerweile abgeschoben worden sein sollen, nachdem die Ausländerbehörde des Kreises Anhalt-Bitterfeld erneut bei der Staatsanwaltschaft Dessau vorstellig geworden ist. Die Staatsanwaltschaft soll am vergangenen Donnerstag nun grünes Licht für die Abschiebung gegeben haben – das entsprechende Schreiben hat die Ausländerbehörde aber noch nicht erreicht.“ Die Staatsanwaltschaft ermittle noch gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung, so Landrat Olaf Schulze gegenüber MDR Sachsen-Anhalt.

OB Bernd Hauschild rät von Teilnahme am Trauermarsch 19 Uhr ab

Der Oberbürgermeister der Stadt Köthen rät den Köthenern von der Teilnahme am Trauermarsch ab und lud zum gemeinsamen Gedenken in die Jakobs-Kirche am Markt ein.

Er schreibt auf Facebook:

Liebe Köthenerinnen und Köthener, auch ich habe mit tiefer Bestürzung von dem Tod des 22-jährigen am Karlsplatz erfahren. Im stillen Gedenken war ich heute 13:00 Uhr mit vielen Gleichgesinnten vor Ort. Da nicht alle von Ihnen dabei sein konnten, lade ich Sie zum gemeinsamen Gedenken 16:00 Uhr in die Jakobs-Kirche auf dem Marktplatz ein. Dort haben sie Gelegenheit ihrer Trauer Ausdruck zu geben. Von einer Teilnahme am geplanten Trauermarsch um 19:00 Uhr rate ich ab, da mir Informationen vorliegen, dass auch gewaltbereite Gruppen von außerhalb Köthens in großer Zahl anreisen werden. Ich informiere Sie über die weiteren Entwicklungen.

Spendensammlung für das Opfer

Die Evangelische Landeskirche Anhalts will nach dem tödlichen Streit in Köthen Spenden für die Bestattung des Opfers sammeln. Die Spendensammlung sollte mit einer Trauerandacht am Sonntagnachmittag beginnen und noch einige Tage dauern, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig.

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„Der Tod eines Menschen ist der schlechteste Anlass für eine Instrumentalisierung“, sagte Liebig. „Es betrifft die ganze Gemeinschaft, wenn jemand so aus ihrer Mitte zu Tode kommt.“ Zu der Andacht kamen etwa 300 Menschen, darunter auch mehrere Politiker.

Trauerandacht in der Kirche St. Jakob – Demo, Gegendemo und AfD-Schweigeminute

Die Landeskirche Anhalts und die Köthener Kirchengemeinden luden für Sonntagnachmittag in die Kirche St. Jakob zu einer Trauerandacht ein.

Sowohl rechte als auch linke Gruppierungen rufen in den sozialen Medien zu Demonstrationen auf: Die Rechten um 19 Uhr zu einem Trauermarsch im Friedenspark, das „Bündnis Dessau nazifrei“ zu einer Demonstration gegen Rechts um 17 uhr auf dem Marktplatz.

Die AfD hält derzeit im benachbarten Dessau ihren Landesparteitag ab. Sie erwägt einen Trauermarsch durch Köthen, auf dem Parteitag gab es eine Schweigeminute. Die Partei will das Ergebnis der Obduktion abwarten und ruft zur Besonnenheit auf.

Die Mitteldeutsche Zeitung zitiert den Köthener AfD-Landtagsabgeordneten Hannes Loth: „Wir drücken aber schon jetzt den Angehörigen unser tiefes Mitgefühl aus. Danach entscheiden wir, ob wir einen Trauermarsch durch Köthen planen“. Dass sich daran dann Pegida beteilige, „können wir nicht ausschließen“. Man würde aber darauf achten, „dass es ein Trauermarsch wird, keine politische Kundgebung“.

Augenzeugen berichten

Augenzeugen erzählen die Geschichte in der „Voksstimme“, Mediengruppe Magdeburg so: „Markus B. feierte auf einem Hof mit Freunden und Geschwistern. In unmittelbarer Nähe, auf einem Spielplatz stritten sich etwa zur selben Zeit mehrere Afghanen. Es soll darum gegangen sein, wer der Vater eines ungeborenen Kindes sei. Die schwangere Frau war bei der Auseinandersetzung dabei. Es wurde laut und immer lauter.  B. verließ das Hoffest. Er wollte den Streit schlichten, erzählen Freunde. Das war sein Todesurteil. Es kommt zum Streit mit den Afghanen. Augenzeugen sagen, Markus B. sei gegen den Kopf getreten worden. Immer wieder. Er soll gerufen haben: ‚Hört auf, ich kriege keine Luft mehr.‘ Als ihm Hofgäste zu Hilfe kommen wollen, ergreifen die Afghanen die Flucht. Später werden zwei von Ihnen gefasst, sie sollen 18 und 20 Jahre alt sei. Sie sollen einschlägig vorbestraft sein, unter anderem  wegen Körperverletzung. Der Vorwurf jetzt lautet: Verdacht eines Tötungsdelikts.“

Für 19 Uhr ist ein Trauermarsch geplant

Für Köthen wurde heute um 19 Uhr ein Trauermarsch geplant. Die Polizei bereitet sich auf Proteste vor.

Die Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren wurden im Beisein von Dolmetschern vernommen.

Aufruf zur Besonnenheit

Politiker und Kirchenvertreter haben nach dem Tod eines 22-Jährigen in Köthen zur Besonnenheit aufgerufen. „Ich kann nur hoffen und appellieren, dass nicht Gewalt mit Gewalt quittiert wird“, sagte der Köthener Kreisoberpfarrer Lothar Scholz am Sonntag am Tatort auf einem Spielplatz. „Wir sind betroffen, was hier geschehen ist.“

Auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht rief nach dem tödlichen Streit zwischen zwei Männergruppen in Köthen zur Besonnenheit auf. Er habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit der Bürger, sagte der CDU-Politiker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Trotzdem bitte er um Besonnenheit. Der Rechtsstaat werde alle Mittel konsequent einsetzen, Justiz und Polizei ermittelten in enger Abstimmung.

Nach einer nächtlichen Auseinandersetzung war in Köthen ein 22 Jahre alter Mann gestorben. Die Polizei nahm zwei Afghanen wegen des Anfangsverdachts eines Tötungsdelikts fest. Der Tote war Deutscher. „Der tragische Tod des jungen Mannes geht mir sehr nahe, und ich bedaure das Geschehene zutiefst“, sagte der Innenminister weiter.

Landrat betont, die Regierung müsse überlegen, wie sie die Migration gestalten wolle

Der Landrat des Kreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze (CDU), sagte: „Wir gehen davon aus, dass der deutsche Rechtsstaat Recht walten lässt. Wir wissen aber noch nicht genau, was passiert ist.“ Der Landrat sagte, die Aufeinanderfolge von Chemnitz und Köthen „ist für uns schlecht“. Er betonte, die Bundesregierung müsse sich überlegen, wie sie die Migration insgesamt gestalten wolle.

Auf dem Spielplatz, an dessen Rand die Auseinandersetzung geschah, legten am Sonntag zahlreiche Bürger, Politiker und Kirchenvertreter Blumen nieder und stellten Kerzen auf.

Zu den Hintergründen des Geschehens sei derzeit nichts bekannt, hieß es weiter. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Drei aus Afghanistan stammende Männer sollen mit einer Frau auf dem Spielplatz gewesen sein und darüber gestritten haben, von wem sie schwanger ist. Dann seien die beiden Deutschen hinzugekommen. Was genau sich ereignete, war zunächst unklar. Am Ende war der 22-Jährige tot, laut „Welt“ erlitt er eine Hirnblutung. Eine Obduktion war für Sonntagnachmittag angesetzt. Gegen den dritten aus Afghanistan stammenden Mann gibt es nach dpa-Informationen keinen Verdacht, er wurde nicht festgenommen.

Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) schrieb auf Twitter: „So Traurig. Ein Mensch ist gewaltsam zu Tode gekommen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.“ Und: „Gewalt ist immer und überall zu verurteilen. Zeit für Trauer. Zeit für Besonnenheit. Passt aufeinander auf.“ (dpa/KS)