Podiumsdiskussion über Mut zur Nachhaltigkeit in der Handelskammer Hamburg

Von 1. Februar 2008 Aktualisiert: 1. Februar 2008 16:09

Nachhaltig bedeutet zukunftsfähig – wirtschaftlich, sozial und ökologisch. Eine besondere Verantwortung trägt die Wirtschaft. Die Stiftung Forum für Verantwortung, die Asko Europa-Stiftung und die Europäische Akademie Otzenhausen stellten am Freitag in der Handelkammer Hamburg im Rahmen einer Podiumsdiskussion eine Buchreihe der Initiative Mut zur Nachhaltigkeit mit folgenden Titeln vor:

1. Was verträgt unsere Erde noch? 2. Bringen wir das Klima aus dem Takt? 3. Kann unsere Erde die Menschen noch ernähren? 4. Nutzen wir die Erde richtig? 5. Wie lange reicht die Ressource Wasser? 6. Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts? 7. Wie schnell wächst die Zahl der Menschen? 8. Wie bedroht sind die Ozeane? 9. Wie muss die Wirtschaft umgebaut werden? 10. Wächst die Seuchengefahr? 11. Ende der Artenvielfalt? 12. Wie kann eine neue Weltordnung aussehen?

„Nur wer in seinen unternehmerischen Entscheidungen langfristige Perspektiven berücksichtigt, sich vernünftige Wachstumsziele setzt und diese beharrlich verfolgt, und wer von dieser Strategie sowohl seine Mitarbeiter als auch seine Anteilseigner gleichermaßen überzeugt, dieser Unternehmer beweist Mut zur Nachhaltigkeit“, leitete der Präses der Handelskammer Hamburg. Dr. Karl-Joachim Dreyer die Diskussion mit Professor Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutiv Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), und einigen der hochrangigen Wissenschaftlern, die diese Bücher schreiben, vor rund 200 Gästen ein.

Warum braucht die Wirtschaft zur Nachhaltigkeit Mut? Klaus Wiegandt, der bis 1998 Manager der Metro war und der Initiator der Stiftung Forum für Verantwortung ist, bringt auf den Punkt, was der Gastgeber in seiner Einleitung andeutete: „Alle (Manager) stehen unter dem Druck, Performance zu machen.“ Das größte Hindernis auf dem Weg in die Nachhaltigkeit liege im Streben nach kurzfristiger Gewinnmaximierung. Das sei nicht vereinbar. Wir bräuchten eine Mäßigung und Entschleunigung in der Welt.

Bernd Meyer, Professor für Volkswirtschaftslehre, meint, man müsse auch Ordnungspolitik betreiben, etwa vorschreiben, wie effizient eine Maschine zu sein hat. Doch ohne den Rückhalt der Bevölkerung wage es in einer Demokratie kein Politiker Rahmenbedingungen für eine Umsteuerung zu setzen. Laut dem Professor für Energiesysteme, Hermann-Josef Wagner, habe es die Politik bisher auch versäumt, den Bürgern klar zu machen, dass sie ebenfalls etwas tun müssen, zum Beispiel „ein paar Cent mehr für Strom ausgeben“. Die Diskussion laufe „abartig, da man Schuldige sucht während der Bürger meint, er bräuchte gar nichts zu machen.“

Festigkeit gehört in den Willen, nicht in den Verstand

Prof. Dr. Klaus Töpfer berichtet, dass in den Vereinigten Emiraten eine CO2-freie Stadt für 50.000 Einwohner mit einem 500-Megawatt-Solarkraftwerk gebaut werden soll.

In Deutschland gibt es Plus-Energie-Gebäude, die mehr Energie erzeugen als seine Bewohner verbrauchen. Töpfer zitiert abschließend Baltasar Gracián, einen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert: „’Die Festigkeit gehört in den Willen, nicht in den Verstand‘. Wenn wir uns also fest die Ziele setzten, dann werden wir auch sehen, dass wir sie erreichen.“

Den ökologischen Rucksack verkleinern

Alle Stoffe aus der Natur, die für Herstellung, Transport, Nutzung und Entsorgung eines Produktes verbraucht wurden, nennt man seinen „ökologischen Rucksack. Ein Computer mit Zubehör mag nur bis zu 10 Kilogramm wiegen, in seinem ökologischen Rucksack stecken 0,5 bis 1,5 Tonnen! Nach Meinung von Professor Dr. Friedrich Schmidt-Bleek, Präsident des Factor 10 Institute, bräuchten wir ein Ressourcen-Einspar-Gesetz. Auch ein ökologischer Preis wird auf dem Podium gutgeheißen. Dann würde man für das italienische Tafelwasser deutlich mehr bezahlen als für das Mineralwasser aus der Region. Eine Idee, mit der man bei manchen Unternehmern einer Hafenstadt nicht gerade offene Türen einrennt.

Dr. Harald Müller, Professor für internationale Beziehungen, macht auf die steigende Konkurrenz der Länder um Ressourcen aufmerksam. Das jährliche Wachstum des Weltbruttosozialproduktes muss abgekoppelt von der Abhängigkeit vom Ressourcenverbrauch geschehen, damit das nicht nur zu keiner ökologischen Katastrophe sondern auch nicht zu Kriegen um Ressourcen kommt, ist die Feststellung der Wissenschaftler.

Nachhaltigkeit didaktisieren

Viele Unternehmen würden Investitionen in Ressourcen-Sparmaßnahmen – seien es nur andere Leuchtmittel – nach wenigen Monaten wieder einsparen. Das wird nicht umgesetzt, weil sie es nicht wissen Auch Informationen müssen, so Meyer, im großen Stil organisiert werden.

Die Initiative will mit den Büchern erreichen, dass über Nachhaltigkeit breiter diskutiert wird. Wiegand: „Es geht dabei nicht um Weltuntergangsszenarien, sondern um Visionen, die allen Menschen auf diesem Globus mehr Lebensqualität und Frieden sichern werden.“ In den nächsten fünf Jahren wird der Inhalt der Bücher in Lehrmaterialien für Erwachsene umgewandelt, damit die Menschen ein Bewusstsein dafür bekommen, was jeder einzelne beitragen kann und muss. Künftig solle auch kein deutscher Hochschüler mehr sein Studium ohne Nachhaltigkeitsbildung beenden.

Text erschienen in Epoch TImes Deutschland Nr. 5 (29. Jan-5. Februar 2008)

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