Versehen oder Product-Placement für Linksextremismus? ZDF äußert „Bedauern“ in Kameramann-Affäre

Von 2. Januar 2019 Aktualisiert: 2. Januar 2019 11:19
Dass ein Kameramann zum jüngsten Interview mit Wolfgang Schäuble das Fanshirt einer linksextremen Band trug, sei kein politisches Statement gewesen, versichert das ZDF. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht der erste Fall solcher Referenzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gewesen sei.

Bedauern über den Zwischenfall selbst – oder nur das Bedauern darüber, erwischt worden zu sein? Das ZDF sah sich nach dem Eklat um linksextremistische Referenzen auf der Kleidung eines Kameramanns während des jüngsten „Winterinterviews“ mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu einem Statement der Entschuldigung genötigt.

Der Mitarbeiter, der während der Sendung drei Mal kurz zu sehen war, trug ein dunkles Oberteil mit einer ausgestreckten Faust und dem in weißer Schrift gehaltenen Aufdruck: „Brüllen, zertrümmern und weg“. Dazu ist eine ausgestreckte Faust abgebildet.

Bei dem Zitat handelt es sich um ein Lied der Band „Slime“, die in Medien meist nur wertneutral als „Punkband“ bezeichnet wird, deren musikalisches Schaffen jedoch von Beginn an hochgradig politisiert war und in deren Texten linksextreme Inhalte dominieren.

Deutsche Polizei als „SA – SS“, USA als „Viertes Reich“

Bereits im Jahr 1980 veröffentlichte die Band einen Song mit dem Titel „Wir wollen keine Bullenschweine“, der später indiziert wurde. Im Song „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ wird die Bundesrepublik Deutschland als ein Staat bezeichnet, in dem „Faschisten und Multis“ regieren – und geschworen, man werde Deutschland „zu Fall bringen“.

Die Urheberschaft für linksextreme Parolen wie „Polizei SA – SS“, „Mollis und Steine gegen Bullenschweine“ und möglicherweise auch für A.C.A.B. („All Cops Are Bastards“, dt. „Alle Bullen sind Bastarde“) wird von Experten „Slime“ zugeordnet. Auch Antiamerikanismus („Yankees raus“) gehört zum ideologischen Repertoire der Band. Die Vereinigten Staaten von Amerika werden dabei mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt.

Dass ein Kameramann des ZDF ausgerechnet zur Aufzeichnung des Interviews mit dem Präsidenten des Deutschen Bundestages mit Fankleidung einer Band anrückt, die aus ihrem Hass auf die Bundesrepublik Deutschland nie einen Hehl gemacht hat, werteten einige Zuschauer als politisches Statement – und die Duldung durch den Sender als Hinweis auf dessen politische Ausrichtung.

„Polizeiruf 110“ und „Feine Sahne Fischfilet“ als weitere öffentlich-rechtliche Linksextremismus-Skandale

Das ZDF bestreitet dies. In der Erklärung vom Montag (31. Dezember 2018) hieß es:

„Unsere Kameraleute sind angehalten, dunkle Kleidung zur Arbeit zu tragen. Der Kameramann trug ein Fanshirt einer Punkband, damit war kein politisches Statement verbunden. Dennoch bedauern wir, dass der Aufdruck übersehen wurde und in einem Zwischenschnitt in der Nachrichtenberichterstattung kurz zu sehen war.“

Nicht nur in sozialen Medien zeigen sich Zuschauer skeptisch hinsichtlich der Aufrichtigkeit des Bedauerns, das in dem ZDF-Statement zum Ausdruck kommt. Immerhin ist die Kameramann-Affäre nicht der erste Fall auch für die Öffentlichkeit ostentativ zur Schau gestellter Sympathie für linksextremes Gedankengut im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Erst im November kam es zu Zuschauerprotesten, als in der ARD-Produktion „Polizeiruf 110“ das Dienstzimmer der ermittelnden Kommissare mit gegen die AfD gerichteten Aufklebern und solchen der linksextremistischen „Antifa“ dekoriert war.

Dabei wurde weniger die offenbar unerwiderte Liebe der Serienfiguren zu einem politischen Spektrum beanstandet, in dem man nach eigenem Bekunden keine „Bullenschweine“ mag – sondern der saloppe Umgang mit verfassungsfeindlichen und totalitären politischen Bestrebungen vonseiten eines Rundfunks, zu dessen Finanzierung beizutragen auch Millionen Menschen ohne linksextreme Sympathien gesetzlich verpflichtet sind. Erst nach tagelangem Protest wurden die Dekorationsstücke entfernt und aus den bereits gedrehten Folgen wegretuschiert.

„Mit Thor Steinar wäre er gefeuert worden“

Im Dessauer Bauhaus wollte das ZDF ein Livekonzert der ebenfalls linksextremen Band „Feine Sahne Fischfilet“ abhalten. Erst nach Protesten durch CDU, AfD und einer Absage durch die Stiftung Bauhaus wich man in die Alte Brauerei aus.

Hinsichtlich der Band, die ihrer extremistischen Texte und Gewaltaufrufe wegen über Jahre hinweg sogar im Verfassungsschutzbericht erwähnt war, erging sich der Sender in geradezu hymnischen Elogen:

„Für viele zählen sie derzeit nicht nur zu den besten jungen Punk-Bands des Landes, sondern sind auch ein spannendes Phänomen der aktuellen deutschsprachigen Musikszene.“

Auf Twitter waren sich zahlreiche Nutzer in der Einschätzung einig, Deutschlands öffentlich-rechtliche Medien würden ein verhältnismäßig entspanntes Verhältnis zu verfassungsfeindlichen linksextremen Bestrebungen offenbaren – jedenfalls ein solches, das sie gegenüber ähnlichen Bestrebungen aus der extremen Rechten nicht an den Tag legen würden. Mit Kleidung von „Thor Steinar“ wäre der Kameramann gefeuert worden, sind die Kritiker überzeugt.

 

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