Ehemaliger Grünen-Politiker wird Cheflobbyist der Bayer AG

Epoch Times10. Januar 2019 Aktualisiert: 10. Januar 2019 13:32
Der langjährige Bundestagsabgeordnete für die Grünen, Matthias Berninger, ehemaliger Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, wird Cheflobbyist bei einem der weltgrößten Chemie-Unternehmen, der Bayer-AG.

Matthias Berninger (47) einst Grünen-Politiker und Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft unter Renate Kühnast (Grüne) verwunderte bereits 2007 die Öffentlichkeit mit seinem Wechsel zum Süßwaren-Konzern Mars Inc. Nun wechselte er zur Bayer AG und ist dort der Chef für den Bereich Unternehmenspolitik, berichtet die „Welt“.

Dies bedeutet: Berninger muss sich als neuer politischer Cheflobbyist nicht nur intensiv für Gentechnik einsetzen, sondern nach der Übernahme von Monsanto, sich auch um das Thema Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat kümmern.

Denn die Bayer AG hat mit der Übernahme von Monsanto nicht nur die Vormachtstellung auf dem Markt von gentechnisch verändertem Saatgut und Pflanzenschutzmitteln erobert, sondern auch mehr als 9.000 Klagen wegen Monsantos umstrittenen Umsatzschlager Glyphosat mit eingekauft.

Und ein Ende der Klagewelle, von Klägern, mit Krebserkrankungen, die Monsanto eine unzureichende Aufklärung zu den Gefahren des Wirkstoffs Glyphosat vorwerfen, ist nicht in Sicht. Zudem wurden die Produkthaftungsklagen durch auf diesen Bereich spezialisierte US-Kanzleien eingebracht. Das wird möglicherweise langwierige Rechtsverfahren und am Ende hohe Kosten für die Bayer AG nach sich ziehen.

Grüne lehnen den Einsatz von Glyphosat in Deutschland ab

Die Haltung seiner Partei, deren Landesvorsitzender er in Hessen einst war, könnte nicht widersprüchlicher zu Berningers neuem Arbeitgeber sein. Die Grünen lehnen den Einsatz von Glyphosat in Deutschland entschieden ab. Im noch aktuellen Bundeswahlprogramm der Grünen heißt es:

„Wir wollen eine giftfreie Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel auf unseren Tellern. Eine Landwirtschaft, die ohne Glyphosat und Gifte für Bienen arbeitet. Der Einsatz von Glyphosat hat einen erheblichen Anteil am dramatischen Artensterben. Neonicotinoide verursachen massenhaftes Bienensterben. Darum werden wir sie verbieten. Wir wollen die Zulassungsverfahren so ändern, dass nur noch für Menschen unbedenkliche Stoffe zugelassen werden und die Risiken für die Natur minimiert werden.“

Berninger: „Ich gebe mein Mandat zurück, nicht aber meine Überzeugungen“

Berninger berichtete Ende 2006 gegenüber der „Welt“ von einem Schlüsselerlebnis. „Immerzu nur Politik. Da habe ich mich gefragt: Will ich das mein ganzes Leben lang machen?“ Diese Frage stellte sich Berninger, damals noch Landesvorsitzender der Grünen in Hessen, bei der Beisetzung des verstorbenen hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner (SPD). Wofür er sich entschied, zeigte sein kurz nach der Beerdigung Börners vollzogener Wechsel von der Politik in die Wirtschaft.

Allerdings war dies nicht irgendein Unternehmen, sondern eines der größten Konzerne für Süßwaren – Mars Inc. Den Wechsel zu Mars Inc. gab er damals Freunden und Bekannten in einem offenen Brief mit den Worten bekannt:

„Gemeinsam mit meiner Familie habe ich entschieden, künftig für das internationale Nahrungsmittelunternehmen Mars Inc. zu arbeiten. (…) Ich möchte betonen, dass ich die neue Aufgabe nicht übernehme, obwohl, sondern weil ich Grüner bin. Ich gebe mein Mandat zurück, nicht aber meine Überzeugungen.“ 

Die „dicken Kinder“ waren das Hauptthema Berningers in seiner Zeit als parlamentarischer Staatssekretär

Der Wechsel damals sorgte für Verwunderung, denn die „dicken Kinder“ waren sein Hauptthema in der Zeit als parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Er hat das Thema aus den USA nach Deutschland gebracht, schrieb die „Welt“.

Zusammen mit Künast setzte Berninger sich damals für eine „neue Ernährungsbewegung in Deutschland“ ein, um insbesondere gegen Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen anzukämpfen.

1994 zog Berninger damals als jüngster Abgeordneter mit 23 Jahren in den Bundestag ein. Nach 13 Jahren als Bundestagsabgeordneter beendete er im Februar 2007 seine politische Laufbahn und fing, wie angekündigt, beim Konzern Mars Inc. an. Rasch stieg er die Karriereleiter rauf. In der Position als Global Vice President Public Affairs verließ er nun seinen alten Arbeitgeber.

Der Deutsch-Amerikaner ist jetzt (seit 1. Januar 2019) Leiter des Bereiches Public and Governmental Affairs bei der Bayer AG mit Dienstsitz in Washington (USA) und berichtet von dort direkt an den Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann. (er)

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