Iranische Taktiken in Venezuela: Maduro lässt durch „Colectivos“ Bevölkerung und Armee einschüchtern

Von 28. Januar 2019 Aktualisiert: 28. Januar 2019 20:03
Die Zahl der Toten im Umfeld der Proteste gegen das sozialistische Regime in Venezuela steigt stetig an. Ein Faktor dabei sind paramilitärische Rollkommandos, die neben oder anstelle regulärer Sicherheitskräfte in die Armenviertel einrücken und gegen die Bevölkerung vorgehen.

Mit Stand von vor dem Wochenende sind bereits 29 Menschen im Zusammenhang mit den jüngsten Protesten gegen das sozialistische Regime in Venezuela ums Leben gekommen. Übers Wochenende dürfte die Zahl der Opfer weiter angestiegen sein, zudem gebe es Anhaltspunkte für die Annahmen, dass die Dunkelziffer noch einmal höher liege. Dies berichtet der „Miami Herald“.

„Die Opferzahlen umfassen nicht ein halbes Dutzend noch nicht identifizierter Personen und Dutzende weitere, die erschossen oder verwundet wurden und nun in Lebensgefahr schweben.“

Der Tod kommt in der Nacht in zahlreiche Siedlungen von Caracas, wo Menschen gegen das Regime des sozialistischen Diktators Nicolas Maduro protestieren, indem sie auf Töpfe und Pfannen schlagen. Soldaten und Paramilitärs rücken alsbald in die Siedlungen ein und machen Jagd auf die „Schmutzigen“, wie sie die Protestierenden nennen.

Rick Moran will im Vorgehen des Regimes gegen die Opposition Muster erkennen, wie sie auch jenes des Iran während der „Grünen Revolution“ 2009 eingesetzt hatte. Was in Venezuela die „Colectivos“ sind, sei dort die in der Bevölkerung verhasste Basij, die Religionspolizei, gewesen, schreibt er auf „PJ Media“. Sie tauchten während der Proteste auf Motorrädern auf, schossen auf Demonstranten, töteten einige und fuhren wieder davon. Am Ende hatte die Taktik Erfolg, nachdem mehrere hundert Iraner gestorben waren.

Familie Maduros könnte geflohen sein

Auch Menschenrechtsorganisationen vor Ort bestätigen den weit verbreiteten Eindruck, dass das Maduro-Regime seit der Vereidigung von Juan Guaidó als Interimspräsident ihren Druck auf innenpolitische Gegner noch erhöht hat. Die Führung in Caracas bewilligt Tag für Tag mehr Operationen, die den Tod von Protestierenden zumindest billigend in Kauf nehmen.

Obwohl es seit Ende letzter Woche Gerüchte gibt, wonach die Familie des Diktators bereits außer Landes geflohen sein soll, scheint Maduro selbst sich weiterhin an seine Macht zu klammern. Dies scheint im Ausland nicht verborgen zu bleiben. Selbst UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, dessen supranationale Organisation sich bislang höchst selten zu Entwicklungen in Venezuela geäußert hatte, forderte am Donnerstag eine „transparente und unabhängige Untersuchung“ der Todesfälle unter Demonstranten.

Ebenfalls am Donnerstag hat die Interamerikanische Menschenrechtskommission ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, obwohl an jenem Tag die Zahl der Toten noch nicht so hoch gewesen war. Die Kommission erklärt, sie „verfolgt die gewalttätigen Ereignisse in Venezuela aufmerksam“ im Kontext der jüngsten Proteste, die mehr als ein Dutzend Tote und weitere Verletzte und Gefangene zur Folge hatten. Mehrere Menschenrechtsgruppen sehen Repressionsmaßnahmen und außergerichtliche Hinrichtungen während diverser Einsätze gegen Proteste als Grund für die Entwicklung.

„Colectivos“ – die venezolanische Variante der Antifa?

Ein Novum wären auch diese nicht, meint Marco Antonio Ponce von der Interamerikanischen Kommission (IACHR), immerhin seien diese bereits im Zusammenhang mit Protesten gegen das Regime 2014 mehrfach zum Einsatz gekommen und bis 2017 sogar als systematische Repressionsmaßnahme angewandt worden.

Die Presse habe bislang kaum Notiz davon genommen. Immerhin hätten die Einsätze von Sicherheitskräften der Regierung und bezahlten privaten Schlägern und Killerkommandos vorwiegend in Armenvierteln stattgefunden, die einst die Hochburgen des Chavez/Maduro-Systems gewesen waren.

Ponce schildert die derzeitige Situation wie folgt:

„In den letzten Tagen zeichnen sich zwei klare Trends ab. Einer davon ist, dass die Repression beginnt, sobald Regierungskritiker damit beginnen, von ihren eigenen Behausungen aus auf Töpfe und Pfannen zu schlagen. Diese Form des Protests beginnt meist nach Sonnenuntergang in den früher stark chavistisch geprägten Armensiedlungen von Caracas. Die Sicherheitskräfte und ‚Colectivos‘ sind schnell zur Stelle und feuern Tränengas, mit Schrotmunition oder scharfer Munition auf die Häuser.“

Dies hat zur Folge, dass dich die Bewohner zu Zwecken der Selbstverteidigung selbst bewaffnen, auch mit Feuerwaffen. Außerdem bauen sie Barrikaden auf, um die Sicherheitskräfte und Colectivo-Mitglieder am Zutritt zu hindern. Mehrere Angriffe auf Wohnviertel hätten eine Gewaltwelle ausgelöst, erklärt Ponce.

Einsatz von Rollkommandos erlaubt Regime Distanzierung

Die meisten Toten in den Siedlungen seien jedoch keine Opfer von Schusswechseln, betont Ponce – sondern solche von schlichten Exekutionen unbewaffneter Regierungsgegner durch Maduros bezahlte Rollkommandos.

Dass dort paramilitärische Gruppen agieren, erlaube es der Diktatur, sich offiziell von den Vorfällen zu distanzieren und in der Regimepropaganda zu behaupten, die Toten seien auf Auseinandersetzungen zwischen Zivilisten zurückzuführen.

„Das ist bequemer als Soldaten dazu abzustellen, um mit militärischem Gerät das Feuer auf die Bevölkerung zu öffnen, was zur Folge hätte, dass innerhalb der internationalen Gemeinschaft der Vorwurf laut würde, die Herrschenden hätten der Armee ein Massaker befohlen“, so Ponce.

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Nelson Rincón, ein Armee-Oberleutnant der venezolanischen Luftwaffe, der in den USA im Exil lebt, erklärte, die Colectivos würden sogar dazu eingesetzt, in der Armee selbst Angst zu erzeugen.

Derzeit erklärt Maduro, gesprächsbereit zu sein, aber Neuwahlen abzulehnen. Er spiele um Zeit, die er nicht habe, schreibt Nick Moran. Hält er an seiner Macht fest, ist nicht absehbar, wie hoch die Zahl der Todesopfer noch sein wird.