„Töten, vergewaltigen, kontrollieren“: MS-13-Gang macht die USA unsicher – Trump will sie ausmerzen

Von 1. March 2018 Aktualisiert: 1. März 2018 20:28
Unter Barack Obama wurden die Einwanderungsbestimmungen nur sporadisch durchgesetzt und die Grenzsicherheit war lax. Dadurch gewann die MS-13-Gang viele neue Mitglieder und konnte sich überall in den USA ausbreiten. Donald Trump will dem Ganzen nun ein Ende setzen.

Die transnationale Gang MS-13, oder Mara Salvatrucha, macht die USA unsicher. Vor allem ist die Gang für ihre brutalen Morde berühmt-berüchtigt.

In einem neuen Fall in Maryland wurden MS-13-Gangmitglieder wegen Mordes angeklagt. Sie sollen mehr als 100 Mal auf einen Mann eingestochen, das Opfer dann enthauptet und zerstückelt haben, heißt es in den Gerichtsdokumenten. Außerdem rissen sie dem Mann das Herz heraus und warfen ihn in einem Park in ein Grab.

Die Bande ist auch auf Long Island, New York, aktiv. Besonders der Mord an zwei jungen Mädchen im September 2016 machte Schlagzeilen. Die Jugendlichen wurden mit Macheten und einem Baseballschläger ermordet. Die Eltern der Mädchen waren am 30. Januar bei der Rede von US-Präsident Donald Trump zur Lage der Nation zugegen.

In Columbus, Ohio, wurden in der vergangenen Woche 23 mutmaßliche MS-13-Mitglieder wegen organisiertem Verbrechen angeklagt. In der Anklageschrift werden ihnen fünf Morde, ein versuchter Mord, Erpressung, Geldwäsche, Drogenhandel und Körperverletzung zur Last gelegt.

Trump: MS-13 ist einer der „gewalttätigsten und bösartigsten Gangs der Welt“

Die Gang wird außerdem von der US-Regierung unter die Lupe genommen. Die Trump-Administration hat versprochen, die MS-13 zu zerschlagen und auszumerzen. Donald Trump nennt sie eine der „gewalttätigsten und bösartigsten Gangs der Welt“.

„Wir haben wirklich noch nie etwas Ähnliches gesehen – das Niveau der Grausamkeit, das Niveau der Gewalt und die Reformen, die wir vom Kongress brauchen, um sie zu besiegen“, sagte Trump am 6. Februar in einer Diskussionsrunde über die MS-13.

Die MS-13 kommt wegen unseres kaputten Einwanderungssystems an neue Mitglieder und verletzt unsere Grenzen. […] Wann immer sie [die Gangmitglieder] einreisen wollen, reisen sie ein“, so der US-Präsident.

Das Justizministerium (Department of Justice, DOJ) schätzt, dass 10.000 MS-13-Mitglieder in den Vereinigten Staaten leben.

„Die Zahlen schwanken,“ sagte John Cronan, stellvertretender Generalstaatsanwalt für die Strafabteilung des DOJ, am 6. Februar. „Sie [die Gangmitglieder] sind Einwanderer oder Nachkommen von Einwanderern aus El Salvador, und sie haben unser gesamtes Land infiltriert.“

Cronan sagte, dass schätzungsweise 2.000 MS-13-Mitglieder in Los Angeles leben, zwischen 800 und 1.200 in Dallas und Houston, 2.000 in Long Island, 800 und 1.000 in Boston und 3.000 Mitglieder im Großraum Washington.

Grenzsicherheit war unter Obama lax – MS-13 erstarkte

Die MS-13 wurde in den 80-er Jahren in Los Angeles von Salvadorianern gegründet, die vor dem Bürgerkrieg (1980-1992) geflohen waren und sich zum Schutz vor den mexikanischen Banden zusammenschlossen. Wegen der vielen Abschiebungen aus den Vereinigten Staaten konnte die Gang in El Salvador Fuß fassen – seitdem ist sie stark gewachsen.

In den USA gewann die MS-13 während der Obama-Administration an Boden, weil die Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen und die Grenzsicherheit lax waren.

Schlupflöcher im US-Einwanderungssystem: Gang-Mitglieder können leicht einreisen

MS-13 rekrutiert hauptsächlich Migranten aus Mittelamerika – sowohl legale als auch illegale. Der Großteil der Bandenmitglieder befindet sich jedoch illegal in den USA.

Bei einer großen Operation der Einwanderungs- und Zollbehörde (Immigration and Customs Enforcement, ICE) im November letzten Jahres wurden 214 mutmaßliche MS-13-Mitglieder in den Vereinigten Staaten festgenommen. Von den 214 Personen befanden sich 193 illegal im Land. 64 von ihnen kamen als unbegleitete Minderjährige in die USA.

Schlupflöcher im Einwanderungssystem ermöglichen es, dass Bandenmitgliedern in die USA einreisen. Eine Gangmitgliedschaft ist unter dem aktuellen Migrationsgesetz kein Grund für die Anlehnung einer Einreise. Ein Gesetzesentwurf im US-Kongress soll dieses Schlupfloch schließen.

Hälfte der unbegleiteten Minderjährigen sind Jungs im Alter zwischen 13 und 17

Minderjährige können leichter ins Land einreisen, da es das Programm für unbegleitete Minderjährige und die Menschenhandelsgesetze gibt. Ein unbegleiteter Minderjähriger aus Mexiko kann sofort nach Mexiko zurückgeschickt werden, wenn festgestellt wird, dass er kein Opfer von Menschenhandel ist. Allerdings können Minderjährige aus Mittelamerika nicht wieder nach Mexiko abgewiesen werden – die USA müssen sie standardgemäß einreisen lassen, wodurch eine riesige Rekrutierungsquelle für die MS-13 entsteht.

In diesem Haushaltjahr haben monatlich bereits 3.000 bis 4.000 unbegleitete Minderjährige die südwestliche US-Grenze überschritten. Außerdem kamen jeden Monat durchschnittlich 6.500 sogenannte „Familieneinheiten“ ins Land, die einen Erwachsenen und mindestens ein minderjähriges Kind umfassen.

Mehr als 40.000 unbegleitete Minderjährige sind 2017 illegal in die USA gekommen und wurden im Land verteilt. Etwa die Hälfte von ihnen waren junge Männer aus Mittelamerika im Alter zwischen 13 und 17 Jahren – die bevorzugte Gruppe für die MS-13-Rekrutierung.

Informationen der Polizei im Suffolk County [im Osten von Long Island] zeigen, dass die MS-13 in El Salvador häufig Druck auf Familien auf Long Island ausübt, damit diese die Kinder aufnehmen – oder diese Familien sind bereits MS-13-Familien“, sagte der republikanische Abgeordnete Peter King am 6. Februar.

„Und doch wird die örtliche Polizei selten benachrichtigt, wenn diese Kinder [in die Familien] kommen. Es gibt nur eine flüchtige Kontrolle. Ich denke, wir sollten öfter Fingerabdrücke von den Familien nehmen. Diese Kinder sind es dann, die in Schulen neue Mitglieder anwerben. Ich sage aber nochmal, 99 Prozent der Kinder sind gute Kinder, aber auf der anderen Seite besteht die MS-13 zu mehr als 30 Prozent aus diesen unbegleiteten Minderjährigen“, so King.

Schulen als Rekrutierungszentren: MS-13 vermittelt Rekruten ein Zugehörigkeitsgefühl

Die Gang nutzt Schulen als Rekrutierungszentren und richtet sich oft an junge Menschen, die wenig familiäre Unterstützung haben oder sich illegal im Land aufhalten. MS-13-Mitglieder stellen den Beitritt zur Bande als sozial ansprechend dar und vermitteln neuen Rekruten ein Zugehörigkeitsgefühl.

„MS-13 ist zuerst eine soziale Organisation, und dann eine kriminelle“, heißt es in einem neuen Bericht von „InSightCrime“.

Bei der Gang geht es nicht so sehr darum, Gewinn zu erwirtschaften, sondern vielmehr darum, eine kollektive Identität zu schaffen, die durch gemeinsame, oft kriminelle Erfahrungen, insbesondere Gewalttaten und Ausdrucksformen sozialer Kontrolle, konstruiert und verstärkt wird“, heißt es im Bericht.

„Die MS13 stützt sich auf eine mythische Vorstellung von Gemeinschaft, ein Teamkonzept und eine Ideologie, die auf ihrem blutigen Kampf mit ihrem Hauptkonkurrenten, der „Barrio 18“ (18. Straße/Mara18)-Gang, basiert, um eine riesige, lose organisierte soziale und kriminelle Organisation aufrechtzuerhalten“.

Gewalt der MS-13

Die Gewaltanwendung von MS-13 wird laut „InSight Crime“ durch zwei wichtige externe Faktoren motiviert:

„Zunächst einmal sieht die MS-13 die Notwendigkeit, physische Grenzen zu setzen. Damit kann sich die Bande eine ‚renta‘ oder ‚Miete‘ sichern – der Euphemismus der MS-13 für Erpressung und andere Einkünfte. Ohne Territorium gibt es keine Miete“, heißt es im Bericht.

Zweitens benutzt die Bande Gewalt, um sich vor Strafverfolgung zu schützen. Speziell richtet sie sich gegen jeden, der ihrer Meinung nach mit der Strafverfolgungsbehörde zusammenarbeitet.“

Im Oktober 2013 ermordeten MS-13-Mitglieder jemanden, von dem sie glaubten, dass er ein Spitzel sei. Der Mord geschah in einem Park in Falls Church, westlich von Washington, meinte der stellvertretende Generalstaatsanwalt für die Strafabteilung des DOJ. Sie haben mit Messern auf ihr Opfer eingestochen, den Mann mit einer Machete aufgeschlitzt und den Körper in einem flachen Grab vergraben.

Ein paar Monate später ermordeten MS-13 Mitglieder im selben Park einen Rekruten, der gegen die Gang-Regeln verstoßen haben soll, so Cronan. Sie trennten seinen Kopf ab und begruben seine Leiche.

Gang-Motto: „Töten, vergewaltigen, kontrollieren“

In den meisten kriminellen Organisationen ist Gewalt ein Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen, heißt es im Bericht von „InSight Crime“ weiter. „Aber für die MS-13 hat die Gewalt ein Eigenleben entwickelt. Es ist das ultimative Zeichen für Opfer, Hingabe und Männlichkeit.“

Das Motto der Bande ist „mata, viola, controla“, was soviel wie „töten, vergewaltigen, kontrollieren“ bedeutet.

Die MS-13 Mitglieder engagieren sich in willkürlicher Gewalt“, sagte Cronan. „Sie vergewaltigen, erpressen, morden, oft nur um der Sache willen. Sie rekrutieren Kinder als Mörder. Sie vergewaltigen junge Mädchen und verkaufen sie für Sex.“

MS-13-Mitglieder töten Menschen, von denen sie glauben, dass sie Spitzel seien oder gegen die Regeln verstoßen hätten, und sie greifen mutmaßliche rivalisierende Bandenmitglieder an.

Kontakt zwischen MS-13-Mitgliedern in den USA und der Führung in El Salvador

Die MS-13 operiert in „clicas“, „Cliquen“. Das sind kleinere Gruppen von Mitgliedern und Verbündeten, die unter dem Schutzmantel der Gang agieren und in einer bestimmten Region, Stadt oder einem Teil einer Stadt operieren, heißt es laut dem US-Justizministerium (DOJ).

Cliquen beschaffen Geld durch kriminelle Aktivitäten wie Erpressung und Rauschgifthandel. Zusätzlich dazu bezahlen sie auf Cliquenversammlungen regelmäßig Gebühren, so das DOJ.

Ein Teil des Geldes wird an die Anführer in El Salvador überwiesen. Bandenführer verwenden dieses Geld, um Waffen und Handys zu kaufen. Außerdem stellen sie Kleidung, Rechtsbeistand und andere Formen der Hilfe für MS-13-Mitglieder bereit, die inhaftiert sind. Auch unterstützen sie Familien von MS-13-Mitgliedern, die getötet wurden, so das DOJ weiter.

Cliquen werden auch in größere „Programme“ eingeteilt, wie z. B. das „East Coast“-Programm, das New York, das Umland von Washington und Ohio umfasst.

Die Mitglieder stehen oft in engem Kontakt mit der Führung in El Salvador. So wurde z. B. im Januar letzten Jahres ein 15-jähriges Mädchen aus Washington getötet. Dabei stachen die Mörder 13 Mal mit Messern und einem Holzpfahl auf es ein und filmten den Mord, um ihn ihren Anführern in El Salvador zeigen zu könnten, meinte Cronan.

Gang nicht überall gleich stark

Die Stärke der Bande variiert regional: Im Großraum Los Angeles ist sie disziplinierter, weil sie dort der mexikanischen Mafia untersteht. Laut Strafverfolgungsexperten ist diese erfolgreicher beim Aufbau und der Aufrechterhaltung von Sozialkapital ist und die Behörden davon abhält, ihre Geschäfte zu unterbrechen – auch mithilfe von Gewalt, so „InSight Crime“.

Die Gang trainiert in El Salvador, erhöht ihre Fähigkeiten und professionalisiert sich“, so der Bericht.

„Aber an Orten wie Long Island, Maryland und Massachusetts scheint die Gang vor sich hinzusiechen und nur barbarische, oft symbolische Gewalttaten zu begehen, die darauf abzielen, soziale Kontrolle auszuüben und ‚Hingabe‘ gegenüber der Gang zu zeigen“, heißt es im Bericht weiter.

Trump: Verurteilung und Abschiebung von MS-13-Mitgliedern an erste Stelle setzen

Zu Beginn seiner Präsidentschaft befasste sich Donald Trump bereits mit der MS-13. So hatte er das DOJ und das US-Ministerium für innere Sicherheit (Department of Homeland Security) angewiesen, die Verurteilung und Abschiebung von MS-13-Mitgliedern an erste Stelle zu setzen.

2017 verurteilte das DOJ mehr als 1.200 Bandenmitglieder – viele von ihnen gehörten der MS-13 an, meinte Cronan.

Außerdem besuchte US-Justizminister Jeff Sessions im vergangenen Sommer seinen Amtskollegen in El Salvador. Dabei diskutierten die Minister über gemeinsame Anstrengungen, um die MS-13 zu zerschlagen. Kurz darauf wurden 700 Bandenmitglieder in El Salvador angeklagt.

Insgesamt führte die Zusammenarbeit des DOJ mit seinen zentralamerikanischen Partnern zu Verhaftungen und Anklagen gegen mehr als 4.000 mutmaßliche MS-13-Mitglieder.

Anfang des Monats kündigte Suffolk County auf Long Island an, eine Einheit innerhalb der Staatsanwaltschaft zu bilden. Diese wird sich speziell der Bandenkriminalität und der strafrechtlichen Verfolgung von Bandenmitgliedern widmen, insbesondere der MS-13.

Eine anonyme Hotline wurde eingerichtet und eine Belohnung von bis zu 5.000 Dollar für Informationen angesetzt, die zu der Verhaftung eines Bandenmitglieds führen.

„Einfach ausgedrückt: Wir wollen Bandenmitglieder und wir sind bereit, für sie zu zahlen“, sagte Timothy Sini, Bezirksstaatsanwalt von Suffolk County, in einer Erklärung.

Wir wollen sie festnehmen, wir wollen sie strafrechtlich verfolgen und wir wollen sie für eine sehr, sehr lange Zeit hinter Gitter bringen“, so Sini.

Dank innländischen Ermittlungen der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) gab es mehr als 4.300 strafrechtliche und fast 3.000 zivile Verhaftungen von MS-13-Anführern, -Mitgliedern und -Mitarbeitern.

2017 verhaftete die ICE 796 MS-13-Bandenmitglieder und -Mitarbeiter, was einer Steigerung von 83 Prozent gegenüber 2016 entspricht.

„Diese Bandenmitglieder nutzen die Migrantengemeinschaften aus, in denen sie leben. Sie begehen schreckliche Gewalttaten gegen ihre Bewohner, ziehen Gewalt von rivalisierenden Banden an, erpressen Kleinunternehmer, verkaufen Drogen auf der Straße und rekrutieren Jugendliche für ihre Gang“, sagte der amtierende ICE-Direktor Tom Homan.

Wir werden [mit unserer Arbeit] nicht aufhören, bis wir diese Organisation vollständig zerschlagen haben“, versprach er.

Das Original erschien in der englischen EPOCH TIMES (deutsche Bearbeitung von as)

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