Mitgründer Chris Hughes: „Facebook muss aufgespalten werden, Zuckerbergs Macht ist unkontrolliert“

Von 10. Mai 2019 Aktualisiert: 10. Mai 2019 18:27
Eine noch nie dagewesene Macht über die Kommunikation von Milliarden Menschen, die Facebook-CEO Mark Zuckerberg innehabe, beklagt dessen früherer Studienkollege und Mitgründer Chris Hughes. Nicht immer sind aber Forderungen nach stärkerer Kontrolle von Facebook nur marktwirtschaftlich motiviert.

Gegenwind von einer unerwarteten Seite bekommt zurzeit Facebook-CEO Mark Zuckerberg. Ausgerechnet sein früherer Gründerkollege, Harvard-Kommilitone und Zimmergenosse Chris Hughes erklärt in einem Beitrag für die „New York Times“, es wäre an der Zeit, das Konglomerat, zu dem der Social-Media-Riese aufgestiegen sei, aufzubrechen.

Im Jahre 2004 hatte Hughes gemeinsam mit Zuckerberg die Idee zum heute bedeutendsten sozialen Netzwerk der Welt auf den Weg gebracht und ist Ende der 2000er ausgestiegen, während die Erfolgsgeschichte seines früheren Weggefährten so richtig an Fahrt aufnahm.

Zuckerberg habe sich „nicht verändert“

Im Sommer 2017 habe er Mark und seine Frau Priscilla zum letzten Mal gesehen. Seinen Eindruck umschreibt Hughes wie folgt:

Mark ist immer noch derselbe, der er war, als ich zu Beginn unseres zweiten Jahres sah, wie er seine Eltern umarmte, bevor sie unseren gemeinsamen Schlafraum verließen. Er ist derselbe, der früher immer erst auf den letzten Drücker für die Tests lernte, sich in seine spätere Frau verliebte, während er sich auf einer Party vor dem Badezimmer anstellte und der sogar noch auf einer Matratze auf dem Flur seiner kleinen Wohnung schlief, als er sich längst etwas wesentlich Besseres hätte leisten können. Anders gesagt, er ist menschlich. Aber genau diese Menschlichkeit ist es, die seine unkontrollierte Macht so problematisch macht.“

Es ist vor allem die Konzentration von Macht und Einfluss in einer einzigen Person, die Hughes am Social-Media-Imperium seines früheren Mitstudenten stört. Im Bereich der Politik hätten die Gründerväter ein System der Checks and Balances geschaffen, um eine solche Machtkonzentration zu verhindern.

Zuckerberg habe nun aber durch 60 Prozent der stimmberechtigten Anteile von Facebook und den Erwerb von Instagram und WhatsApp die Kontrolle über Plattformen, die zwei Milliarden Menschen tagtäglich nutzen.

Mark allein kann jetzt entscheiden, wie er Facebooks Algorithmen konfiguriert, um zu bestimmen, was Menschen in ihren News-Feeds sehen, welche Privatsphäre-Einstellungen sie anwenden und sogar, welche Botschaften übermittelt werden.“

„Monopole sind unamerikanisch“

Die „unilaterale Kontrolle über die Rede“ sei der „problematischste Aspekt der Macht von Facebook“. Mark Zuckerberg sei ein „guter, freundlicher Mensch“. Aber er sei „von ihm und mir selbst darüber enttäuscht, dass wir in der Frühphase von Facebook nicht früher darüber nachgedacht haben, wie News-Feed-Algorithmen unsere Kultur verändern, Wahlen beeinflussen und nationalistische Führer stärken können. Und es bereitet mir Sorge, dass Mark sich selbst mit einem Team umgibt, das ihn in seinen Einschätzungen bestärkt statt herausfordert.“

Es gebe, so Hughes, kein historisches Beispiel für eine so ausgeprägte Macht, die Konversation von zwei Milliarden Menschen mitzuverfolgen, zu organisieren und sogar zu zensieren. Die Regierung müsse Zuckerberg eine Rechenschaftspflicht auferlegen, Maßnahmen wie die jüngst verhängte Fünf-Milliarden-Geldbuße durch die Bundeshandelskommission (FTC) wegen mehrfacher Verletzung der Privatsphäre würden nicht ausreichen.

Wir sind eine Nation, zu deren Tradition es gehört, bei Monopolen dazwischen zu gehen, so gutwillig die Führer dieser Unternehmen auch sein mögen. Marks Macht ist ohne Beispiel und unamerikanisch.“

Hughes forderte die US-Regierung auf, das Monopol von Facebook aufzubrechen und dem Konzern Regelungen aufzuerlegen, um dessen Rechenschaftspflicht gegenüber dem amerikanischen Volk zu verstärken.

Anschließend solle Facebook in unterschiedliche Unternehmen aufgeteilt werden, wobei die Ankäufe von Instagram und WhatsApp rückabgewickelt und weitere Zukäufe untersagt werden sollten. Zudem bedürfe es einer neuen Behörde, die der Kongress bestücken solle und deren Aufgabe es wäre, Technologiekonzerne zu regulieren. „Ihr erster Auftrag sollte es sein, die Privatsphäre zu schützen“, so Hughes.

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Fünf Milliarden US-Dollar Buße gezahlt – 30 Milliarden an Wert gewonnen

Tatsächlich hatte Facebook Zeit seines Bestehens eine Strategie des vollständigen Sieges über jeden Mitbewerber verfolgt – und sich einige von ihnen selbst einverleibt. Gleichzeitig war man bestrebt, mögliche kartellrechtliche Maßnahmen oder Bußgelder von Behörden infolge eines recht freizügigen Umgangs mit Kundendaten im Verhandlungswege abzuwenden. Tatsächlich wurde die jüngste Fünf-Milliarden-Buße von den Märkten als Sieg Facebooks aufgefasst. Als die Entscheidung bekanntgegeben wurde, legte der Kurs der Facebook-Aktie um sieben Prozent zu. Das Unternehmen gewann also etwa 30 Milliarden an Wert.

Andererseits herrscht vielerorts Skepsis gegenüber Forderungen, Facebook stärker zu regulieren. Wenn etwa Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fordert, die Social-Media-Konzerne einer „demokratischen Kontrolle“ zu unterwerfen, bedeutet dies regelmäßig, dass man den Einfluss der Politik auf die sozialen Medien ausweiten möchte.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass soziale Medien wie Facebook zu den bedeutendsten Kristallisationspunkten einer Gegenöffentlichkeit geworden sind, die zuvor marginalisierten Akteuren die Chance eröffnet hatten, sich zusammenzuschließen und öffentlich zu artikulieren, hat die Kritik an vermeintlichem oder tatsächlichem Machtmissbrauch durch Facebook nicht immer nur das Ziel, einen freien Markt für freie Konsumenten zu gewährleisten.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.