Bloomberg: Negativzinsen bewirken Schwarzes Loch im Herzen der globalen Finanzmärkte

Von 15. Juli 2019 Aktualisiert: 15. Juli 2019 21:18
Der Finanzfachdienst Bloomberg hat vor möglichen Krisen der Finanzmärkte und einem breiten Vertrauensverlust gewarnt. In einer Analyse machte man dafür die steigende Bedeutung von Negativzinsanleihen verantwortlich. Diese schädigten Sparer und trieben Investoren in riskante Anlagen.

In einer Analyse der Finanznachrichtenplattform Bloomberg wird vor einem „Schwarzen Loch von Multimilliarden Dollar im Herzen der Weltfinanzmärkte“ gewarnt. Dass mittlerweile sogar Anleihen mit Negativzinsen ihren Weg in die Portfolios fänden – und keine Anstalten machten, wieder zu verschwinden, zerstöre potenzielle Erträge für Investoren und stelle das System, wie man es gekannt habe, auf den Kopf.

Vor allem aber gefährde es die Erträge von Sparern ebenso wie jene von späteren Rentnern, Investoren, Buyout-Unternehmen und Regierungen.

Gefahr der Blasenbildung und des Vertrauensverlustes

Insgesamt seien im Juni Negativzins-Bonds im Umfang von etwa 13 Billionen US-Dollar erworben worden, eine Verdopplung seit Dezember, und mittlerweile repräsentieren diese etwa 25 Prozent aller weltweiten Schuldtitel. Die Gläubiger bezahlen den Schuldnern de facto eine Gebühr dafür, von ihnen am Ende der Bondlaufzeit ihr Geld – zinslos – zurückzubekommen. Lediglich US-Staatsanleihen, die immerhin 16 Billionen US-Dollar an Schulden repräsentieren, befinden sich derzeit noch im Plus-Bereich.

Bloomberg-Kolumnist Marcus Ashworth erklärte, dadurch werde „ein wichtiges Gesetz finanzieller Logik gebrochen – nämlich, dass man eine höhere Rückzahlung dafür bekommt, dass man Geld langfristig verleiht“. Der Zeitwert von Geld sei de facto verschwunden, Investoren auf der Suche nach Rendite müssten auf riskantere Anlagen ausweichen. Dies steigere die Gefahr der Blasenbildung und damit die Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte. Das Guthaben der Sparer leide ebenso wie das Vertrauen in die Finanzmärkte.

Profitieren würden nur Hypothekarschuldner mit variablen Zinsen, Private-Equity-Unternehmen und Regierungen, die sich billiges Geld leihen könnten. Europa könnte Japan folgen auf dem Pfad des „verlorenen Jahrzehnts“ des Nullwachstums.

Sparer werden für Guthaben bestraft

Auch Publizist Gabor Steingart geht in seinem Morning Briefing vom Montag (15.7.) auf die Analyse ein und richtet schwere Vorwürfe an die Politik, insbesondere an Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Dieser sei beim Thema Nullzinspolitik „abgetaucht“.

Notenbankchefs bekämpften demgegenüber „die zurückliegende Finanzkrise, indem sie die nächste vorbereiten“.

Der deutsche Staat beispielsweise zahle kein Geld mehr für seine Schulden, sondern bekomme sogar zwei Euro pro 1000 Euro dazu, die ihm über zehn Jahre geliehen werden. Die Sparer würden andererseits für die Bereitstellung des Sparkapitals nicht mehr länger belohnt, sondern bestraft.

„Weil die Renditen für Spareinlagen unter der Inflationsrate liegen, kommt es zur finanziellen Regression, also der Verdampfung von Geldvermögen“, schreibt Steingart.

Schon ein Nominalzins auf Spareinlagen von 0,3 Prozent führt bei einer Inflationsrate von 1,6 Prozent zu einem Realzins von minus 1,3 Prozent.“

Nullzinsen bei zwei Prozent Inflation bedeuten, so der Publizist weiter, bei einer Ersparnis von 50.000 Euro eine Kaufkraftreduktion von 1.000 Euro pro Jahr. Nach zehn Jahren sei die Kaufkraft der 50.000 Euro auf nur noch etwas mehr als 40.000 Euro geschrumpft.

Scholz schweigt – um seine Karrierechancen zu wahren

Während CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Nicht-Regierungsmitglied zumindest noch vorsichtig in der „FAZ“ auf die Misere hinweise und erklärte, man müsse „für die Zukunft schauen, ob man nicht die Niedrigzinsphase ein Stück weit einbremsen muss“, schweige Scholz aus drei Gründen bewusst.

Als Finanzminister wolle er nicht den Eindruck erwecken, der Notenbank politische Vorschriften machen zu wollen. Als Parteipolitiker wolle er den Schuldenstaaten des Kontinents nicht in den Rücken fallen und sich mit einem Ruf nach Zinswende in der SPD als „unsolidarisch“ oder „neoliberal“ selbst ins politische Aus schießen. Und als Pragmatiker sei er sich dessen bewusst, dass er gegen mächtige Gegner einer Zinserhöhung wie Donald Trump oder Christine Lagarde keine großen Erfolgschancen habe.

Steingart meint dazu:

Das Land braucht einen Finanzminister, der sich tapfer gegen die Irrationalität stellt, auch wenn diese als die Mode der Saison gilt. Noch ist die Zinspolitik eine Fußnote der Innenpolitik, aber eine, die bald schon zur Überschrift aufsteigen dürfte.“


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