Börse: Moderne Handelstechniken steigern Risiko von Flash Crash – doch am Ende siegt immer der Markt

Von 13. Februar 2019 Aktualisiert: 13. Februar 2019 21:48
Der Markt ist ein rationaler Tauschmechanismus, auf dem jedoch vielfach Akteure irrationale Entscheidungen treffen. An den Börsen können technische Faktoren solche psychologischen Effekte verstärken. Der „Flash Crash“ ist ein Ausdruck dieses Phänomens.

Einem Phänomen, das auch viele Menschen in Deutschland davon Abstand nehmen lässt, Geld in börsennotierte Titel zu investieren, ist die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) jüngst auf den Grund gegangen: Es geht um die sogenannten Flash-Crashs, massive Kurseinbrüche auf unterschiedlichsten Märkten, die binnen kürzester Zeit auftreten, immensen Schaden anrichten, keine realwirtschaftliche Rechtfertigung haben und verschwinden, wie sie gekommen sind.

Regelmäßig beklagen Fachmedien und Praktiker in Deutschland die starke Aversion der meisten Anleger gegenüber der Börse, die zur Folge hat, dass ein erheblicher Anteil der Bevölkerung sein Geld in deutlich weniger renditeträchtigen Anlagen belässt. Finanzexperten sehen die Gründe dafür nicht nur in einer grundsätzlichen Risikoaversion und einem Vertriebssystem, das auf provisionslastige Produktverkäufe setzt.

Gerade Klein- und Mittelverdiener aus der Arbeiterschaft, die eine klare Vorstellung davon haben, wie viel Arbeit erforderlich ist, um 10, 100 oder 1000 Euro zu erwirtschaften, äußern oft ein grundsätzliches moralisches Problem mit Mechanismen, die es an der Börse möglich machen, Teilnehmern binnen kürzester Zeit Gewinne oder Verluste eines Vielfachen ihres Jahresgehalts zu verschaffen.

Moderne Technik trifft Psychologie der Massen

Die Gründe für besonders volatile Bewegungen an Börsen sind vielfältig und haben im Regelfall viel mit Psychologie zu tun. Bei unerklärlichen rapiden Aufwärtsbewegungen einzelner Titel sind in der Regel die Finanzbehörden schnell zur Stelle und leiten Ermittlungen hinsichtlich möglicher Insider-Trades oder betrügerischer Aktivitäten wie Pennystock-Spams ein.

Moderne Handelstechniken haben jedoch gerade in den letzten Jahren einen erheblichen Teil dazu beigetragen, vor allem das Phänomen kurzer, übertriebener Abwärtsbewegungen unberechenbarer und häufiger zu machen.

Dazu gehören unter anderem der Hochfrequenzhandel und automatisch generierte Verkaufsaufträge. Kommen diese zum Tragen oder setzen automatisierte Vorgänge zu einem wenig handelsintensiven Zeitpunkt ein, kann eine Abwärtsbewegung schnell rapide an Fahrt aufnehmen und eine Situation schaffen, die im schlimmsten Fall nur durch eine Aussetzung des Handels in den Griff bekommen werden kann.

Erst zu Beginn der Woche hatte in der Nacht auf Montag um 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) der Schweizer Franken innerhalb weniger Minuten um fast ein Prozent gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. In diesem Fall waren es jedoch keine sinistren Aktivitäten, die zu einem so plötzlichen Absturz einer sonst für ihre Stabilität bekannten Währung beitrugen. Tatsächlich fielen Nachtruhe in Europa, der Feierabend amerikanischer Trader und ein Feiertag in Japan zusammen, die auf dem weltweiten 24/7-Währungsmarkt ein so geringes Handelsvolumen bewirkten, dass bereits wenige Transaktionen einen immensen Multiplikatoreffekt hatten.

Zahlendreher mit fatalen Folgen

Einen ähnlichen und weitaus größeren Ausschlag hatte es am 3. Januar zwischen dem Yen und dem Dollar gegeben, als die US-Währung um 7 Uhr 30 Tokioter Zeit mit einem Mal um fast acht Prozent abstürzte und Analytiker einen Zusammenhang mit Apples schlechter Quartalsprognose als möglichen Grund ausmachten. Tatsächlich hatte aber auch hier ein Feiertag in Japan den Ausschlag gegeben, der automatischen Verkäufen und dem Hochfrequenzhandel an anderen Plätzen nur wenig an Liquidität entgegensetzen konnte.

Oft sind auch einfache Tippfehler oder Zahlendreher Auslöser einer unerwarteten Abwärtsbewegung – die sogenannten „Fat Fingers“, die eine Verkaufsorder ungewollt überdimensionieren, was vom Markt selten unbemerkt bleibt, der daraufhin die Lawinenwirkung verstärkt. Im Fall von UBS hatte ein solcher Fehltrade um Dentsu-Aktien 2001 dem Unternehmen Verluste in Millionenhöhe beschert.

Mit „Spoofing“ versuchte es wiederum 2010 Navinder Sarao, der durch Massenverkaufsaufträge die Indizes S&P 500 und Dow Jones in den Keller geschickt hatte – die Aufträge jedoch kurz darauf widerrief und mithilfe der Technik des Hochfrequenzhandels, sobald die Preise abgerutscht waren, neue Titel zu einem sehr günstigen Preis erwarb. An einem einzigen Tag soll Sarao damit fast 879 000 US-Doller verdient haben, insgesamt mit weiteren Aktionen in fünf Jahren insgesamt 40 Millionen US-Dollar, bis gegen ihn wegen Betrugsverdachts ermittelt wurde. Heute hilft er als Whistleblower selbst der Börsenaufsicht.

Markt bereinigt die Effekte – früher oder später

Bisweilen reichen aber auch auf den ersten Blick wenig gewichtig erschienene Firmennachrichten oder eine labile Großwetterlage an der Börse wie am 7. Oktober 2016, als das britische Pfund wenige Monate nach dem Brexit-Votum erst an einem wenig intensiven Börsentag gegenüber dem Yen um sechs Prozent absackte und ein überstürztes Aussetzen des Handels den Flurschaden noch vergrößerte.

In manchen Fällen wie bei 40-prozentigen Aufstieg des Franken gegenüber dem Euro infolge der Aufhebung des Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank 2015 hat ein deutlicher Ausschlag realwirtschaftliche Gründe, seine Geschwindigkeit und Intensität können jedoch durch Flash-Crash-Mechanismen verstärkt werden.   

Um Erscheinungen dieser Art verhindern zu können, gibt es kaum Mechanismen, deren Wirksamkeit in jedem Fall erwiesen wäre. Umso wichtiger ist es, dieses Phänomen zu kennen, seine möglichen Ursachen zu verstehen und auf die längerfristige Rationalität innerhalb des Marktes zu vertrauen, der früher oder später Übertreibungen begradigt und Entwicklungen, die realwirtschaftlichen Gegebenheiten zuwiderlaufen, korrigiert.

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