Während einer Demonstration von Beschäftigten der Schausteller- und Unterhaltungsindustrie am 2. Juli 2020 in der Nähe des Brandenburger Tors in Berlin.Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP über Getty Images

IW-Chef Hüther: „Kurzarbeitergeld ein deutsches Erfolgsmodell in der Corona-Krise“

Epoch Times11. Juli 2020 Aktualisiert: 11. Juli 2020 7:30
Einen IW-Studie zeigt, dass das verarbeitende Gewerbe stärker von der Wuhan-Lungenseuche getroffen wurde, wie die Dienstleistungsbranche. Gleichzeitig traf Arbeitslosigkeit die deutsche Industrie weniger als der Dienstleistungsbereich, was die Autoren auf die "stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit" zurückführen.

Die Wuhan-Lungenseuche fügt Gemeinden, die auf Dienstleistungen setzen, größeren wirtschaftlichen Schaden zu als solchen, die industriell geprägt sind. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), über die die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ in ihren Samstagausgaben berichten. Städte und industriell geprägte Regionen verzeichnen die höchsten Infektionsraten.

„In den 50 Kreisen mit dem höchsten Anteil von sozialversicherungspflichtiger industrieller Beschäftigung in Deutschland – wo im Durchschnitt 34 Prozent aller Einwohner im erwerbsfähigen Alter im Verarbeitenden Gewerbe arbeiten – wurden pro Kopf fast doppelt so viele COVID-19 Fälle festgestellt wie in den 50 Kreisen mit der niedrigsten Industriequote“, heißt es dazu in der IW-Studie. Allerdings bekämen die durch den Dienstleistungssektor geprägten Kreise mit bereits angespanntem Arbeitsmarkt die Krise in Form von gestiegener Arbeitslosigkeit besonders deutlich zu spüren. Ihr Anstieg falle in diesen Regionen „deutlich überdurchschnittlich“ aus, ergab die Erhebung des IW. Die Autoren führen diesen Effekt auf die „stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit“ zurück.

Inwiefern die höheren Infektionsraten mit der stärkeren Verbindung der deutschen Industrie mit dem kommunistischen China liegt, denn die Dienstleistungsbranche ist weniger eng mit Festlandchina verbunden, wurde anscheinend nicht untersucht.

Daten zu Anträgen und tatsächlichem Bezug von Kurzarbeitergeld die im Rahmen der IW-Studie untersucht wurden, legen demnach eine überdurchschnittlich hohe Kurzarbeiterquote in Industriekreisen nahe, während diese in Dienstleistungskreisen unterdurchschnittlich ist. Im Gegensatz zur Industrie, die etwa mit Blick auf China auf eine rasche Erholung ihrer Absatzmärkte hoffen könne, trübe das noch nicht absehbare Ende der Pandemie die Aussichten im Gast- und Beherbergungsgewerbe. „Als Konsequenz werden Arbeitnehmer eher entlassen als auf Kurzarbeit gesetzt“, heißt es in der Studie.

„Das Kurzarbeitergeld hat sich in der Krise als deutsches Erfolgsmodell bewährt“, sagte IW-Chef Michael Hüther dem RND. „Gerade Branchen, die dringend auf hochspezialisierte Fachkräfte angewiesen sind, können so gute Leute halten und finden zügig einen Weg in die Normalität zurück.“ Ohne Kurzarbeitergeld stünde die deutsche Industrie deutlich schlechter da als derzeit: „Denn dann käme nach dem Marsch durch das Tal der Tränen gleich noch eine zweite Krise. Wir haben jetzt gezeigt, dass Kurzarbeitergeld diese unternehmerische Katastrophe fürs Erste verhindern kann“, so der Ökonom. (dts/er)


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