US-Botschafter in der Schweiz: „Trump ist ein Mann von verblüffendem Intellekt und absoluter Entschlossenheit“

Der neue US-Botschafter in der Schweiz, Ed McMullen, traf sich zum Interview mit der Schweizer "Weltwoche" und räumte mit vielen Vorurteilen und Falschaussagen über den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump auf.

Seit über dreissig Jahren kennen sie sich, seit dem Wahlkampf sind sie eng befreundet. Die Rede ist vom neuen Chef der US-Botschaft in der Schweiz, Ed McMullen, und US-Präsident Donald Trump. Als langjähriger Weggefährte Trumps sicherte McMullen diesem den Wahlsieg in South Carolina. Kaum ein anderer kennt den US-Präsidenten so gut wie er.

McMullen hat vor Weihnachten seinen wichtigen Job als führender Vertreter der Schweizer US-Botschaft angetreten. Ein Journalist der Schweizer „Weltwoche“ traf ihn kürzlich in Bern, um mit ihm über den amerikanischen Präsidenten zu sprechen, das Buch, dass über ihn erschienen ist, über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz und über die wahre Persönlichkeit des New Yorker Geschäftsmannes, dessen unerwartete Wahl zum obersten Chef des Weißen Hauses die Gemüter erregt hat, wie kaum zuvor. 

Dabei kam die Rede sogleich auf das neue Buch, das angeblich so viel Wahrheit über Trump verraten soll – „Fire und Fury“. Die Medien hielten sich nicht zurück, Trump einmal mehr mit übelsten Diffamierungen einzudecken – das Buch sollte wie eine Bombe einschlagen und Trumps Präsidentschaft ein für allemal ein Ende setzen. Das war der Plan.

Aufgegangen ist er bisher nicht. Auch wenn Trump als „Schwachkopf“ betitelt wird und dass er sich verhalte „wie ein Kind“. Der Autor Michael Wolff behauptet sogar, „hundert Prozent“ der Leute rund um den Präsidenten würden Trumps geistige Fähigkeit für das Amt in Frage stellen.  So schreibt es der Redakteur der Weltwoche, der das Buch gelesen hat.

Botschafter McMullen dagegen will das Buch gar nicht erst lesen. Er sagt im Interview mit der Weltwoche:

Hier ist das Einzige, was ich über das Buch sagen werde: Ich bin zwei Jahre mit Donald Trump auf Wahlkampf durchs Land gezogen. Nichts, was ich über das Buch gelesen habe – denn ich werde das Buch selbst nicht lesen –, hat irgendeinen Bezug zur Realität. Punkt.“

McMullen behauptet, dass er den Präsidenten sehr gut kenne und fährt fort: „Es gibt ­absolut nichts in dem Buch, das irgendeine Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit hat. Für all jene also, die auf der Achterbahn fahren, mit Büchern Aufsehen erregen und sich mit Dingen aufhalten wollen, die von Leuten fabriziert wurden, die in einem Fantasieland leben: Viel Spass!

Aber jene, die auf die Politik fokussieren wollen, darauf, die USA zu verbessern, Dinge in die richtige Richtung zu bewegen – dies sind die Leute, mit welchen ich mich unterhalten werde, um Probleme zu lösen, die wir lösen müssen.“

Weltwoche fragt ihn, ob es jemals in einer Regierung zuvor so viele Lecks gegeben habe, während der ersten Monate der Präsidentschaft. Journalisten seien mit Indiskretionen gefüttert worden, welche sie zu einseitigen Artikeln und Büchern geführt hätten.

McMullen ist der Ansicht, dass Regierungen in der ersten Amtszeit immer etwas „unorganisiert“ seien, das sei auch typisch für Washington. In den letzten acht Monaten habe diese Regierung aber einen sehr genauen Blick auf ihre Stärken und Schwächen geworfen. Und sie habe sichergestellt, dass die Stärken optimiert und die Schwächen korrigiert wurden. „Dieser Präsident hat einen erstaunlichen Job gemacht und ein Qualitätsteam zusammengestellt,“ so McMullen.

Die Medien verdrehen Aussagen ins Gegenteil

Weltwoche nimmt noch einmal Bezug auf das neue Buch über Trump und fragt: Wir respektieren, dass Sie die im Buch gemachten Behauptungen nicht weiter diskutieren wollen. Präsident Trump hingegen hat sich dazu geäussert. Nachdem seine mentale Verfassung in Frage gestellt worden war, twitterte er: „Tatsächlich sind meine beiden grössten Stärken in meinem ganzen Leben geistige Stabilität und wirklich klug zu sein.“ Er sei „nicht bloss klug, sondern genial“, twitterte er weiter, „und ein sehr ausgeglichenes Genie noch dazu!“. Können Sie als enger Freund des Präsidenten „die Genialität“ von Donald Trump bezeugen?

McMullen: „Es ist bedauerlich, wie die Medien Aussagen des Präsidenten aufgreifen und ins komplette Gegenteil verdrehen. Es gibt eine Gruppe von Leuten, die fixiert darauf ist, ihn herabzusetzen. Jüngste Studien zeigen, dass fünf Prozent der US-Medienberichterstattung über den Präsidenten im ersten Amtsjahr positiv waren. 95 Prozent waren negativ.

Es gibt einen klaren Effort, auf das Negative zu fokussieren.“

McMullen erklärt, er werde bei diesem Spiel nicht mitmachen. „Ich werde mich auf jene Dinge konzentrieren, welchen sich der Präsident verpflichtet fühlt. Ich war die dritte Person, die Donald Trump für seine Präsidentschaftskampagne angeheuert hat. Ich habe also eine lange Zeit damit verbracht, um zu verstehen, warum er Präsident werden wollte und wie er sein Amt ausgestalten will. Nun. Genie? Offen gesagt: Er ist sehr genial. Schauen Sie doch die Realität an.“

Ein Mann von verblüffendem Intellekt

Die Realität sei, dass Trump die Top-Business-Schule in den USA, die Wharton School an der Universität von Pennsyl­vania, an der Spitze seiner Klasse abgeschlossen habe, weiß McMullen. Darauf habe er ein Multi-­Milliarden-Dollar-Unternehmen aufgebaut. Dann habe er in die Medien gewechselt, was sehr schwierig sei. „Er produzierte The Apprentice, eine ex­trem erfolgreiche und populäre Fernsehshow. Dann kandidierte er als Präsident der USA. Die Fähigkeit, in einem Leben vier solch erstaunliche Dinge erfolgreich zu meistern, das ist, würde ich sagen, ziemlich genial“, so der Botschafter.

Er habe mit ihm mehr Zeit verbracht als irgend­jemand, der in Wolffs Buch erwähnt wird. „Und ich kann Ihnen versichern, er bleibt fokussiert wie ein Geschäftsmann, und er lässt sich durch nichts von seinem Weg abbringen.“

Auf die Frage, warum der Präsident überhaupt auf die Verleumdungen reagiere, sagt der Botschafter, dass sich Trump mit den Themen auseinandersetzen müsse, da sie irreführend und unwahr seien. Es sei bedauerlich, dass der Präsident der USA dazu genötigt werde, fährt er fort. Das alles würde aber nichts an der Tatsache ändern, dass seine volle Konzentration darauf gerichtet sei, Amerika grossartig zu machen.

McMullen sagt, er habe Trumps Genialität schon mehrfach erleben können und es bestehe überhaupt kein Zweifel, „dass dies ein Mann von verblüffendem Intellekt ist, von verblüffender Energie, verblüffender Konzentration und absoluter Entschlossenheit, umzusetzen, was er angekündigt hat.“ Und sein erstes Amtsjahr sei ein voller Erfolg gewesen.

Die meisten Schweizer seien prahlerischen Menschen gegenüber skeptisch eingestellt, stellt Weltwoche fest. Wie soll man Trump verstehen?

Nun, Trump sei kein Mann, der „business as usual“ und eine „Status-quo-Präsidentschaft“ verkörpert, erklärt McMullen. Man müsse etwas Abstand gewinnen, um zu erkennen, wer er ist. Mit wem man ihn wohl am ehesten vergleichen könne, das sei Ronald Reagan. Auch dieser sei anders gewesen. Ähnlichkeiten könne man etwa darin erkennen, dass Trump nicht bereit sei, „unter Druck Kotau zu machen“. Er stelle klar, wo er steht, und er setze seine Ziele mit einer Inten­sität um, wie man es bei einem US-­Präsidenten noch nie gesehen habe.

Der Schlüssel zum Genie des Präsidenten

McMullen wörtlich: „Nach Gesprächen mit vielen Schweizern bin ich sehr beeindruckt, dass sie verstehen, dass die Medien komplett einseitig berichten. Dass sie hier die Sichtweise von CNN und anderen Nachrichtenkanälen serviert bekommen, welche eine eigene Agenda verfolgen, die sich sehr von jener des Präsidenten unterscheidet.

Wenn man indessen die Fakten anschaut und objektiv zu verstehen versucht, wohin der Präsident das Land im letzten Jahr geführt hat, stellt man fest, dass dies gut für die Schweizer ist. Es ist gut für die USA. Es ist gut für die Weltwirtschaft. Das ist der Schlüssel zu dem Genie dieses Präsidenten. Dies ist ein Mann, der sagt, was er denkt, und tut, was er sagt.“

Die Medien seien täglich voll von Berichten, die Trump verhöhnten, fährt Weltwoche fort. Weite Teile der Schweizer Bevölkerung seien extrem gegen Trump eingestellt. Welchen Plan habe der Botschafter, um die Herzen und Meinungen der Schweizer zu gewinnen und den „echten“ Trump, wie er ihn kennt, bekannt zu machen, will das Blatt von ihm wissen.

McMullen ist überzeugt, dass Donald Trump diesen Job selbst tun wird und erklärt, dass ihm das Phänomen bekannt sei. Während der Jahre, in denen er mit ihm unterwegs war, habe er die Artikel gelesen, die absolut nichts mit dem „echten“ Trump zu tun hätten.

Und ich erinnere mich an die Wahlnacht, als Medien berichteten, Hillary Clinton würde mit 95 Prozent Sicherheit zur Präsidentin gewählt. Ich habe grosses Vertrauen in das amerikanische und das schweizerische Volk, dass sie diesen Unsinn durchschauen werden.“

Die Leute in den USA waren für etwas anderes bereit

Die Öffentlichkeit sei heute sehr aktiv in den sozialen Medien und beziehe ihre Informationen von vielen anderen Portalen, fährt McMullen fort. Deswegen seien Trumps Tweets auch wichtig, denn „mit jedem Amtstag erfahren die Leute mehr darüber, worum es ihm geht.“ Die Tweets seien seine Besonderheit, durch sie könne er direkt mit den Menschen kommunizieren.

Die Leute in den USA waren wirklich bereit für etwas anderes, und sie haben etwas anderes erhalten. Sie haben ­einen ehrlichen Präsidenten erhalten, einen Mann, der nicht um den Brei herum redet und die Dinge mit Zuckerguss übergiesst. Das ist etwas, was viele Europäer nicht gewöhnt sind.“

Auf die Frage, wie der Präsident arbeite, wie er Entscheidungen treffe und auf wen er höre, antworte McMullen, dass Trump auf „Jedermann“ höre.

Genauer: „Jeder in seinem Umfeld, dem er vertraut. Es gibt nicht den einen ideologischen Guru, der den Raum betritt und sagt: „Hier ist das Rezept.“ Donald Trump versammelt alle, denen er bei einem bestimmten Thema vertraut, wie das jeder gute CEO macht,“ so der Botschafter.

Dabei merke man, laut McMullen, dass Trump durch die gute Schule der Wharton Business School gegangen ist, denn so würde er auch führen. Er bringe die Leute zusammen, höre zu und entscheide dann. In der Hinsicht sei er ganz CEO.

Kein politischer Apparatschik

Was die Leute nur schwer verstehen würden – „er ist kein politischer Apparatschik“. Trump lasse keine Umfragen machen und stecke dann den Finger in die Luft, „um zu entscheiden, in welche Richtung er das Land führt“. Als Geschäftsmann treffe er Entscheidungen schnell und überlege auf der Grundlage von Informationen der besten Leute, die er bekommen kann.

Das ist der Donald Trump, der mich vom ersten Moment an beeindruckt hat. Er ist jeden Tag absolut fokussiert und entschlossen. Dieser Mann hat mehr Ausdauer als alle anderen aus Politik und Wirtschaft, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.“

Mit seinen 71 Jahren habe Trump im Wahlkampf weniger geschlafen und mehr gelesen als alle anderen, weiß McMullen. Und auch der Vorwurf gegen Trump, er habe angeblich noch nie ein Buch gelesen, sei absoluter Unsinn. „Wenn man in den Trump Tower geht, sieht man auf seinem Schreibtisch einen Stapel Lesestoff. Einmal griff ich ein Buch heraus und fragte: „Was hältst du davon?“ Er antwortete: „Du musst es lesen, fantastisch!“ Und dann ging er auf drei, vier Punkte ein. Ich las dann das Buch und realisierte, dass er die Dinge besser zusammenfasste, als irgendjemand anderes es tun könnte.“

Trump sei einer der wissbegierigsten Männer, denen McMullen je begegnet sei – und auch der entscheidungsfreudigste.

Weltwoche: Bei den Schweizer Behörden besteht eine gewisse Zurückhaltung in der Zusammenarbeit mit den USA. Mit Trump ist das ­Klima noch ein bisschen feindlicher ge­worden. Haben Sie das bereits zu spüren bekommen?

McMullen: „Überhaupt nicht. Natürlich haben die Leute Fragen, das verstehe ich.

Das ist so, wenn man ein Jahr lang ausschliesslich von den Mainstream-Medien mit Unsinn gefüttert worden ist und die Fakten nicht objektiv analysiert hat.

Und man kann ja mit der Politik des ­Präsidenten in gewissen Bereichen nicht einverstanden sein. Wie ich schon sagte, er ist unkonventionell, kein Politiker. Er ist ein Geschäftsmann, der in der ganzen Welt Milliarden verdient hat. Er versteht die Weltwirtschaft. Und zwar ausserordentlich gut. Aber auf die Fakten sollte man sich einigen können. Man kann sich zwar zusammensetzen und darüber sprechen, wie man sie gerne hätte. Aber Fakten bleiben Fakten.“

Hierzu benennt McMullen das Allzeithoch beim Dow-Jones-­Marktindex von 25000 Punkten und fährt fort: „Niemand hätte darauf gewettet. Im Gegenteil, es gab viele Leute, welche die Entwicklung der US-Wirtschaft unter Trump in düsteren Farben malten – und die Medien haben wirklich alles getan, um das zu verbreiten. Man riet dazu, alle Aktien zu verkaufen und in Obligationen zu tauschen. Gott stehe denjenigen bei, die das getan haben, denn sie haben letztes Jahr einen der aufregendsten Booms verpasst.“

Wir haben einen ähnlichen Sinn für Humor

Weltwoche: Herr Botschafter, während dieses Gesprächs sind Sie uns ganz anders erschienen als Ihr Präsident, den wir aus dem Fernsehen kennen. Sie sprechen abwägend, sind beherrscht und twittern nicht. Können Sie uns verraten, was Sie mit Trump gemeinsam haben?

McMullen: „Oh! Wir haben vieles gemeinsam. Wir wurden beide in New York geboren. Wir haben einen ähnlichen Sinn für Humor. Ich liebe es, mit ihm zu reisen, weil sein Humor so trocken, lustig und spitz ist.

Und dann ­haben wir eine ganz wichtige gemeinsame Eigenschaft, die darin besteht, dass wir beide unser Land lieben und erkannt haben, dass es eines ernsthaften Kurswechsels bedurfte. Die Richtung musste geändert werden, indem wir die Leute ermutigten, sich wieder für Politik zu interessieren und zu wählen. Das ist ja etwas, was ich mein ganzes Leben lang getan habe.

Jetzt habe ich mein Unternehmen, eine erfolgreiche ­Werbeagentur, verkauft, weil ich als Botschafter in der Schweiz die Chance sehe, die Vision in die Welt hinauszutragen, die ich mit dem Präsidenten teile“, sagt McMullen. Für ihn gelte genauso wie für den Präsidenten: „Wenn man einen solch tiefgreifenden Wechsel im Leben vornimmt, tut man das nicht, um sich mit ­Trivialem zu beschäftigen. Man sucht substanzielle, grosse Veränderungen.“

Edward Thomas McMullen Jr., geboren 1964, ist in New York aufgewachsen. Als Politikwissenschaftler war er zunächst für verschiedene konservative Think-Tanks in Washington tätig. 1989 zog er nach South Carolina, wo er die Denkfabrik South Carolina Policy Council aufbaute. 2005 gründete er die Agentur McMullen PublicAffairs, welche grosse Firmen in den Südstaat holte. Im Januar 2015 schloss er sich frühzeitig der Kampagne von Donald Trump an, welche unter seiner Ägide den wichtigen Vorwahlsieg in South Carolina mit über 10 Prozent Vorsprung auf Marco Rubio errang. McMullen ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. (Weltwoche)

Das ganze Interview finden Sie HIER.

Siehe auch:

Quellen zu „Fire and Fury”-Buch zweifelhaft – Autor: „Habe kein einziges Kabinettsmitglied der Trump-Regierung interviewt”

2017 im Rückblick: US-Präsident Donald Trumps erstes Jahr im Amt