Deutsche Konzerne nutzen in großem Stil Tochterfirmen auf Malta

Viele deutsche Konzerne nutzen offenbar in großem Stil Tochterfirmen auf Malta, um ihre Steuern hierzulande zu drücken. Auf Malta anfallende Gewinne müssen ausländische Unternehmen im besten Fall lediglich mit gut fünf Prozent versteuern - wenn die Unternehmen auf Malta auch Geschäfte machen.

Das geht aus Dokumenten hervor, die der „Spiegel“ gemeinsam mit seinen Partnern vom Recherchenetzwerk European Investigative Collaboration (EIC) ausgewertet hat. Dem EIC seien in den vergangenen Monaten zwei Datensätze, die sogenannten „Malta Files“, zugespielt worden.

Demnach sind oder waren mehrere DAX-Konzerne und Großunternehmen mit Tochterfirmen auf der Insel vertreten. Auf Malta anfallende Gewinne müssen ausländische Unternehmen im besten Fall lediglich mit gut fünf Prozent versteuern. Allerdings nur, wenn die Unternehmen auf der Insel auch wirklich Geschäfte machen.

Laut „Spiegel“ bestehen jedoch Zweifel, ob tatsächlich alle Malta-Töchter deutscher Konzerne dort auch operativ tätig sind. So teilten sich die Malta-Ableger einiger Firmen nicht nur eine Büroetage, sondern auch eine einzige Klingel. Viele der Firmen seien im örtlichen Telefonbuch nicht eingetragen. Von einigen Malta-Ablegern sei vor Ort zeitweise kein Personal zu erreichen gewesen.

Der deutsche Fiskus kennt die Geschäfte

Dem „Spiegel“ erklärten alle Unternehmen, ihre Geschäfte auf Malta seien legal, die maltesischen Töchter dem deutschen Fiskus bekannt.

Malta hat während seiner noch bis Ende Juni andauernden EU-Ratspräsidentschaft bislang alle Steuerprivilegien der Insel gegen Angriffe aus dem EU-Parlament und anderer Mitgliedsstaaten erfolgreich verteidigt.

Erst in der vergangenen Woche hatte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans angekündigt, maltesische Steuersünder härter zu bekämpfen. Er hatte die Mittelmeerinsel dabei als „Panama Europas bezeichnet“. (dts)

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