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Eine mutige Tat forderte Chinas Kontrollterror heraus

Von 8. Dezember 2010 Aktualisiert: 8. Dezember 2010 0:54

Als vor neun Jahren plötzlich drei Dutzend Westler in friedlicher Absicht mit einer einfachen Botschaft auf dem Platz des  Himmlischen Friedens in Peking auftauchten, machte dieses Ereignis weltweit Schlagzeilen. Es brachte zudem Hoffnung in die tiefste Dunkelheit der Arbeitslager in China und erschütterte die vermeintlich vornehmen chinesischen Botschaften in allen Ländern.

Das Kontrollnetz des Regimes wurde 20. November 2001 am helllichten Tag im symbolischen Herzen Pekings von 36 Falun Gong-Praktizierenden durchbrochen.

Still kamen sie aus Europa, Australien und Nordamerika, um an dem vereinbarten Punkt an einem sonnigen Dienstag um zwei Uhr nachmittags zusammenzutreffen. Sie stellten sich auf, plauderten und lachten, gerade als handelte es sich um ein Klassenfoto. Wie auf Kommando formierten sie sich, ein paar setzten sich in den Lotussitz, ein paar standen, ein paar hielten ein Spruchband mit der Aufschrift „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Toleranz“ auf Englisch und Chinesisch.

Für einen Moment waren die Prinzipien Falun Gongs offen dargestellt. Im Hintergrund sichtbar – selten so passend – die Inschrift des Tiananmen (Tor des Himmlischen Friedens): „Lang leben die Menschen der Welt vereint zusammen.“

Zwanzig Sekunden später war die Gruppe bereits von Polizeiautos umzingelt und die Welt konnte exemplarisch die Verfolgung von Falun Gong in China sehen: Polizisten zerren friedliche Menschen umher und zerreißen das Banner mit den Prinzipien „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht“.

„Solche Aktionen fürchten die chinesischen Behörden“, schrieb Chen Yonglin, ein ehemaliger Diplomat vom chinesischen Konsulat in Sydney in einer E-Mail. „Sie fürchten größere Versammlungen, die einen Kollaps der chinesischen Regierung herbeiführen könnten.“

Leeshai Lemish, einer der sechs aus der amerikanischen Gruppe, sagte: „Wir wollten durch unseren symbolischen Akt die ganze Welt die Verfolgung von Falun Gong in China erkennen lassen.“

Die Konsequenzen solcher friedlicher Aktionen waren für chinesische Falun Gong-Praktizierende weitaus gravierender: Mindestens fünf wurden im gleichen Jahr wegen ähnlicher Aktionen zu Tode geprügelt.

Bis November 2001 war bekannt geworden, dass mehr als 300 chinesische Praktizierende vom Regime getötet worden waren.  Die wirklichen Zahlen der wegen ihres Glaubens durch Folter Getöteten sind bis heute unbekannt. Sie liegen laut dem Falun Dafa-Informationszentrum mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Zehntausenden.

Bevor die Verfolgungskampagne im Juli 1999 startete, schätzten die chinesischen Behörden, dass in China zwischen 70 und 100 Millionen Menschen Falun Gong praktizierten. Das US-amerikanische Exekutivkomitee des Kongresses zitiert ausländische Beobachter, die festgestellt haben, dass rund die Hälfte der Insassen von Arbeitslagern in China Falun Gong-Praktizierende sind; also  sind  es Hundertausende.

Botschaft überbracht

Lemish berichtete, dass er gerade mit geschlossenen Augen sitzend eine Falun Gong-Meditationsübung ausführte, als die Polizei über ihn herfiel.

„Ich hörte Türen schlagen, Stiefelschritte auf dem Beton, Autos herankommen, Polizisten schreien – es war ein gewaltiger Aufruhr um uns herum“, sagte er. „Dennoch, zu diesen Zeitpunkt fühlte ich, dass mein Herz lächelte. Trotz all der Ängste, Bedenken und Hindernisse – wir hatten es getan.“

Der Kanadier Zenon Dolynyckyj erinnerte sich: „Da war etwas Größeres als ich, es übermannte mich, mein Leben, überhaupt den Horizont eines Einzelnen.“

Dolynyckyj hatte ein zweites Banner um sein Bein gewickelt für den Fall, dass ihnen das Hauptbanner abgenommen würde. Während die anderen umzingelt und inhaftiert wurden, löste er dieses zweite Banner, befreite sich, um das Banner hochzuhalten und schrie: „Falun Dafa Hao!“ („Falun Dafa ist gut“).

„Das Banner flatterte sehr stark, weil ich mich so schnell bewegte, also musste ich stehenbleiben, um es zu zeigen“, erzählte er weiter, „bevor ich mich versah, wurde mein Gesicht unten auf den Asphalt gedrückt.“

Hinter Gittern: Die westlichen Protestierenden werden auf der Tiananmen Polizeiwache festgehalten.Hinter Gittern: Die westlichen Protestierenden werden auf der Tiananmen Polizeiwache festgehalten.Foto: Adam Leining

In der Polizeistation angekommen, wurden die Praktizierenden in einen kleinen Raum gebracht, wo sie von Polizisten bewacht wurden. Lemish hatte nur noch seine Socken an, da er die Schuhe unter dem Banner sitzend ausgezogen hatte.

Er sagte, die jungen Polizisten wirkten hin- und hergerissen. „Ich erinnere mich, dass ein magerer Polizist frustriert mit der Hand auf den Tisch schlug und sagte: ‚Wir wissen, dass Falun Dafa gut ist.` Andere sagten uns aber, dass sie  nichts tun könnten. Es sei nationale Politik!“

Die Polizisten begannen, die Praktizierenden nach und nach zu verhören. Eine der Frauen verbarg sich unter einem Tisch in der Polizeistation und rief mit ihrem Handy die Medien ihres Heimatlandes an, womit sie sicherstellte, dass dieser Protest international bekannt wurde.

„Als klar wurde, dass diese Sache nicht unterdrückt oder verdreht werden konnte, änderte sich das Verhalten der Polizeibeamten uns gegenüber völlig – sie waren auf einmal sehr nett“, berichtete Adam Leining, ein anderer Amerikaner. Er schaffte es, ein paar Bilder von den Praktizierenden hinter Gefängnisstäben in der Tiananmen-Polizeistation zu machen.

Reaktionen außerhalb Chinas

„Es war so offensichtlich für jedermann, dass diese Verfolgung einfach nur eine peinliche Verwirrung war, ein Fehler, eine Entscheidung von oben, die eben befolgt werden musste“, bemerkte Leining.

Chen Yonglin berichtete, dass die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) sehr irritiert und gedemütigt war durch das Erscheinen westlicher Falun Gong-Praktizierender auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

Sofort nach diesem Protest erhielten der Generalkonsul in Sydney und auch die chinesischen Botschaften in anderen Ländern die Weisung, allen Falun Gong-Praktizierenden ihre Visaansuchen zu verweigern, erinnert sich Chen an seine Zeit im Konsulat.

Schnell wurde ein Dokument verfasst mit dem Inhalt, dass die westlichen Praktizierenden das Gesetz gebrochen hätten und deswegen ausgewiesen werden müssten, und das wurde den Medien in Australien übermittelt, sagte Chen.

Die Weisungen des chinesischen Regimes forderten weiter, dass mehr persönliche Informationen über individuelle Falun Gong-Praktizierende gesammelt werden und diese besser beschattet werden müssten.

Es wurde in der Folge eine lange schwarze Liste über Falun Gong-Praktizierende erstellt.

Im Jahr 2005 verließ der Diplomat Chen seinen Posten und die Kommunistische Partei. Seitdem enthüllte er eine Vielzahl der Beschattungsmethoden der KPCh gegen ausländische Falun Gong-Praktizierende, darunter ein Netzwerk von etwa eintausend Spionen in Australien.

In den Arbeitslagern

Im November 2001 wurde Frau Crystal Chen im Chapou-Frauenarbeitslager Guangzhou gefoltert und einer Gehirnwäsche unterzogen – mehr als 1500 Kilometer vom Platz des Himmlischen Friedens entfernt. Sie wurde wegen ihres Glaubens an Falun Gong verhaftet und die Behörden versuchten, sie mit Gewalt von ihrem Glauben abzubringen.

Als sie von den Wächtern gezwungen wurde, staatliche Propagandazeitungen zu lesen, stieß sie auf einen Bericht über die Gruppe westlicher Praktizierender; es wurde von „ausländischen Kräften“ und verbrecherischen „Anti-China Gruppen“ geschrieben.

„Ich wusste, dass die Zeitungen in China immer das Gegenteil von der Wahrheit berichten“, sagte Chen später von ihrer neuen Heimat in den Vereinigten Staaten aus. „Die Geschichte gab mir damals die Kraft durchzuhalten. Ich wusste, dass ich nicht allein war.“

Li Heping befand sich im Shiliping-Arbeitslager in der Provinz Zeijang, hörte dort aber ein ganzes Jahr lang nichts von dem Appell, bis ihm ein anderer Praktizierender davon erzählte. „Ein Polizist stellte es ihm gegenüber so dar, dass westliche Falun Gong-Praktizierende zum Platz des Himmlischen Friedens gekommen waren, um China zu ‚zerstören‘.“

Li sagte, dass es ihn erleichtert habe zu wissen, dass Unterstützung aus der westlichen Welt kam, „obwohl es mehr Druck auf uns von Seiten der Polizei und der KPCh in den Arbeitslagern bedeutete“.

Li litt im Arbeitslager fast zwei Jahre lang unter Gehirnwäsche, Zwangsernährung und Verabreichung von Drogen. Er lebt jetzt in den USA.

Der kanadische Anwalt Clive Ansley beschäftigt sich seit dem Beginn der Verfolgung von Falun Gong in China intensiv mit diesem Thema und bezeugt die Härte der Propaganda und Verunglimpfung der KPCh gegen diese Gruppe.

Er räumt ein, dass der Appell der Westler im Jahr 2001 die Kommunistische Partei Chinas zwar beleidigt und verärgert hatte, „aber im Endeffekt keinen großen Einfluss mehr auf die heutige Verfolgung ausübt“.

Ansley drückte seine Skepsis darüber aus, ob es irgendetwas gäbe, was das Verhalten der Kommunistischen Partei bei ihrer Verfolgung von Falun Gong zum Positiven verändern könnte.

„Alles, was ich in China selbst erlebt oder beobachtet habe, egal ob ein Vertrag oder ein Menschenrechtsthema diskutiert wurde, bin ich absolut davon überzeugt, dass es keine Möglichkeit einer Veränderung gibt, es sei denn man blamiert die Kommunistische Partei Chinas öffentlich.“

Langer Flug nach Hause

Deportiert zu werden, so Lemish, bedeutete in China, in ein Flugzeug und dort auf einen Sitzplatz gezerrt zu werden. Dort lag eine Ausgabe der China Daily, der offiziellen englischsprachigen Zeitung der Kommunistischen Partei. „Darin gab es einen Artikel über uns. Es wurde berichtet, dass wir sehr gut behandelt wurden“, sagte er. „Ich konnte gar nichts mehr sagen, mein Kiefer tat zu weh; mir gegenüber saß der Kanadier mit gebrochener Nase, daneben der Australier mit einer geschwollenen und vermutlich gebrochenen Hand.“

„Der Artikel behauptete weiter, wir wären von ausländischen Mächten angestachelt worden, um Probleme zu verursachen.“

Leining fügte hinzu, dass es für uns Westliche schwer sei, die Abgründe, zu denen das chinesische Regime fähig ist, zu verstehen.

„Wir haben gar keine Vergleichsmöglichkeiten“, sagte er. „Wir verstehen Krieg und Krankheit. Aber dass Menschen so irrational und unmenschlich attackiert werden, geht über unseren westlichen Horizont hinaus. Der Verfolgung von Falun Gong in China ist nichts anderes, als ein massiver Akt von Gewalt.“

Artikel auf Englisch: Act of Courage Defied Chinese Regime’s Control

 

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