Vollstreckung des Todesurteils an einer jungen Frau in China. Titelfoto des Buches "Gepeinigter Drache" von Thomas Weyrauch, (Longtaiverlag)

Gepeinigter Drache

Von 19. August 2005 Aktualisiert: 19. August 2005 1:23
Chinas Menschenrechte im Spätstadium der KP-Herrschaft
Vollstreckung des Todesurteils an einer jungen Frau in China. Titelfoto des Buches "Gepeinigter Drache" von Thomas Weyrauch, (Longtaiverlag)Vollstreckung des Todesurteils an einer jungen Frau in China. Titelfoto des Buches "Gepeinigter Drache" von Thomas Weyrauch, (Longtaiverlag)

In seinem Buch über Chinas Menschenrechte im Spätstadium der KP-Herrschaft beginnt der Autor Thomas Weyrauch ohne Umschweife: ‚Nach Höchstschätzungen seriöser Wissenschaftler beträgt der Blutzoll von Chinesen, verursacht durch die Kommunistische Partei Chinas, fast 200 Millionen Opfer. Auch bei der Gegenüberstellung zu Tiefstschätzungen verbleiben 59 Millionen Menschen, die durch die KP auf unnatürliche Weise den Tod fanden.’ Und er fragt weiter: ‚Ist es Geschichte oder hält das Töten an? Trifft es zu, dass in der Zeit der ‚Liberalisierung’ seit 1976 bis heute zwischen 2 und 13 Millionen Menschen als unterversorgte und gepeinigte Gefangene entkräftet gestorben oder als zum Tode verurteilte Menschen, oft nach ungerechten Verfahren, hingerichtet wurden? Wird in China trotz Unterzeichnung von internationalen Abkommen noch gefoltert?’

Jurist von Hause aus und durch ein Leben in China und eine spürbare Empathie mit den Chinesen geprägt, legt der Autor mit differenzierender Klarheit die Finger nicht nur auf die Wunden des gepeinigten Drachens; er durchteilt ebenso die Nebelwände westlicher Illusionisten, die wegen ökonomischer Interessen oder aus Angst vor einem eventuell entstehenden Chaos einen Status quo aufrecht erhalten wollen.

Weyrauch hält einen historischen Rückblick auf die philosophischen Staatstheorien des Konfuzianismus und die ethischen Normen des Daoismus und Buddhismus und entkräftet dadurch auch die von Westlern gern nachgebetete Propaganda der KP-Führer, dass es Menschenrechtstraditionen im asiatischen Raum nicht gäbe.

Der Autor lässt die Haltung der Bundesregierungen gegenüber China in den letzten 20 Jahren Revue passieren. Von Kohl über Kinkel bis zu Schröder und zu Fischer, der als Einziger gelobt wird für sein offenes und öffentliches Eintreten für Menschenrechte in China.

‚Schlimmste Übel und erkennbaren Schrecken’ nennt er die Kapitel über Menschenrechtsverletzungen in Tibet und anderen eigentlich autonomen Regionen, über die Verfolgung der Oppositionellen und Gläubigen von den protestantischen Hauskirchen über romtreue Katholiken bis zu Falun Gong. Im Detail und gut belegt schildert er Einzelschicksale und hütet sich davor in Aggression abzugleiten.

Der Autor spricht mit dem Menschenrechtler Harry Wu über das in China übliche ‚Ernten’ von Organen vor oder nach Vollstreckung der Todesstrafe. Die zitierte Aussage zu den Organentnahmen lässt dem Leser allerdings das Blut in den Adern gerinnen. Er spricht mit der Falun Gong-Praktizierenden Xiong Wei über die von ihr erlittene Folter und die Qualen in den Zwangsarbeitslagern. Diese Folter findet mit staatlicher Billigung und Belobigung täglich weiterhin statt, auch das belegt er mit chinesischen Veröffentlichungen. Er kann aber auch berichten, dass wenigstens Frau Xiong inzwischen mit Unterstützung der Bundesregierung ausreisen konnte und in Deutschland Asyl erhalten hat. Er spricht mit Wei Jingsheng, dem bekanntesten Dissidenten Chinas, über die Kriegstreiberei der VR China gegenüber Taiwan und deren wahre Bedeutung.

{W}Thomas Weyrauch hat zusammen mit anderen schon 1995 ein Buch mit dem Titel ‚Wei Jingsheng – Ein Leben für die Demokratie’ herausgegeben. Es sollte die Öffentlichkeit über die chinesische Demokratiebewegung und den inhaftierten Wei informieren, um durch öffentlichen Druck Weis Freilassung herbeizuführen. Das gelang, 1997 wurde Wei in die USA abgeschoben und lebt seither in Freiheit.

Unter ‚Letzte Tränen – der Zusammenbruch der KP-Herrschaft’ im vorletzten Kapitel gibt der Autor vielen Meinungen von internationalen Chinaexperten Raum, die man selten in dieser Zusammenstellung findet. Er konstatiert, dass die systematischen Menschenrechtsverletzungen der chinesischen KP die Stabilität der Parteiherrschaft im Moment noch garantieren. Zugleich könne sich aber gerade diese Politik der Entrechtung zum Totengräber des Systems entwickeln. Nüchtern kommt er zu dem Schluss, dass sich das Ende des Regimes nähere.

Ein nachdenkliches, informatives und deshalb überaus lesenswertes Buch.

Thomas Weyrauch, Gepeinigter Drache; Longtai Verlag Giessen. ISBN 3-938946-00-8; € 24.80

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