Traumakliniken sind Mangelwahre im Süden der USA.Foto: AP Photo/Frank Augstein

Ist der Geizhals „Scrooge“ in Georgia wieder auferstanden?

Von 27. November 2010 Aktualisiert: 27. November 2010 19:38

ATLANTA – Als ich einen schweren Unfall mit einem großen schwarzen SUV hatte, dachte ich, das wäre jetzt die Endstation. Offensichtlich war es das aber nicht; innerhalb weniger Minuten befreite mich ein Rettungsteam aus meinem Auto, das nur noch wie ein C aussah und brachte mich in ein gutes Krankenhaus. Der Unfall ereignete sich im Norden von Georgia. Im ländlichen Süden hätte man vermutlich sehr weit fahren müssen, um mich medizinisch versorgen zu können. Denn dort fehlt es an Krankenhäusern, die Traumapatienten behandeln können.

Am 2. November wurde darüber abgestimmt, ob im Süden von Georgia ein Netzwerk von Krankenhäusern für Traumapatienten aufgebaut und finanziert werden soll. Dadurch hätte sich die Steuer für jedes Auto um zehn Dollar pro Jahr erhöht. Die Wähler lehnten diese Maßnahme ab.

Die große Tageszeitung Atlanta-Journal Constitution zitierte einen Wähler, der etwa folgendes sagte: „Wir bezahlen bereits für die Erziehung ihrer Kinder, warum sollen wir auch noch für ihre Krankenhäuser bezahlen?“

Zunächst einmal gibt es nicht so etwas wie „ihre Kinder“, denn jeder Mensch ist für die zukünftigen Generationen verantwortlich.

Zehn Dollar pro Jahr? Soll das ein Witz sein? Sicher kann jeder Mensch, der ein Auto besitzt, zehn Dollar pro Jahr dafür aufbringen, um Leben zu retten.

Dickens dachte sich einen Namen für einen solchen Menschen aus: Ebenezer Scrooge.

Wahrscheinlich kennen wir alle seine Geschichte, aber für diejenigen von euch, die Dickens nicht kennen: Scrooge war ein Geizhals, der am Ende erkannte, dass er ein viel besseres Leben führen konnte, wenn er großzügig war.

Nach Angaben der Zeitschrift Georgia Magazine hat Georgia etwa 15 Traumazentren, es wären aber 25 bis30 nötig. In Georgia sterben jedes Jahr etwa 700 Menschen, weil sie zu weit von einem Traumazentrum entfernt sind, um während der „goldenen Stunde“ nach einer schweren Verletzung versorgt werden zu können.

Hey Bruder, kannst du einen Zehner sparen?

Die Regierung ist darauf bedacht, wenig Geld auszugeben; das verstehe ich. Intelligente Menschen mit guten Absichten könnten dies auch gut finden. Sparsamkeit und Genügsamkeit, das verstehe ich vollkommen. Verschwendung ist eine Sünde und Zügellosigkeit unklug.

Aber manche Tugenden werden zu Lastern, wenn man dabei ins Extrem geht. Wir müssen ein Gefühl für das Gemeinwohl entwickeln und großzügig sein. Es geht nicht nur um Steuern. Reiche Leute sollten ihr Geld ausgeben, um anderen zu helfen, wie es Bill Gates mit seiner Gates-Stiftung macht und wie es Facebook-Gründer Mark Zuckerman mit seinem 100 Millionen- Dollar-Geschenk an Schulen in Newark im Bundesstaat New Jersey gerade tat.

Aber auch die übrigen Bürger tragen dazu bei, indem sie Steuern zahlen, die zum Teil dafür verwendet werden.

Ich verstehe die Menschen nicht, die keine Kinder haben und sich darüber empören, dass sie Steuern zahlen, um Schulen zu unterstützen. Wir alle profitieren von guten Schulen, und zwar direkt und indirekt. Wenn die Schulen in Ihrer Umgebung sehr gut sind, steigt dadurch auch der Wert Ihres Eigentums. Gute Schulen bringen mitfühlende, talentierte Menschen hervor, die Sie verarzten, nachdem ein großer SUV Ihr Auto demolierte.

Gute Schulen bringen Menschen hervor, die Forschung betreiben und das Thema durchdenken, bevor sie eine Entscheidung treffen. Schlechte Schulen bringen Menschen hervor, die lieber die Fäuste ballen, anstatt zehn Dollar zu bezahlen, mit denen man das Leben eines anderen Menschen retten könnte.

Schlechte Krankenhäuser sind nicht in der Lage, komplizierte Verletzungen zu behandeln. In nicht vorhandenen Krankenhäusern können überhaupt keine Verletzten behandelt werden.

Als ich feststellte, dass ein Großteil meiner Mitbürger in Georgia nicht bereit war, für die Traumabehandlung auf dem Lande Geld auszugeben, dachte ich, Scrooge wäre wieder aufgetaucht. In diesen harten Zeiten sollte man doch besonders füreinander da sein.

„Man kann nicht jedes Problem mit Geld lösen, aber man kann Leben retten, indem man Traumakrankenhäuser unterstützt. Geld sollte nie über Leben und Tod entscheiden. Wenn es aber doch so ist, zeigt dies, dass uns das Leben anderer viel zu wenig bedeutet“, schrieb Donna Hambrick aus Savannah, Georgia, auf einer Webseite, die die staatliche Finanzierung der Traumabehandlung unterstützt.

Artikel auf Englisch: Southern Style: Come on, Scrooges

 

 

 



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