Am Start: Acht neue Ganztagsschulen

Epoch Times25. Mai 2009 Aktualisiert: 25. Mai 2009 0:35
Ab August 2009 organisieren sich acht weitere Hamburger Schulen als Ganztagsschulen. Das ist die zweite Etappe des Regierungsprogramms, das seit 2004 nach Verabschiedung des Rahmenkonzepts zur Ganztagsschule umgesetzt wird.

Die Grundschulen Rahewinkel, Mümmelmannsberg, Lämmersieth, Eenstock und die Gesamtschulen Winterhude mit Grundschulabteilung, Niendorf, Ida Ehre sowie die Gesamtschule Am Heidberg gewannen mit ihren pädagogischen Konzepten die Ausschreibung und starten im August als Ganztagsschulen. Das Rahmenkonzept zur Ganztagsschule bezieht sich auf die Ergebnisse der PISA-Studie sowie weitere Studien. Es heißt, der klassische Vormittagsunterricht könne aufgrund seines dichten Zeitrasters keine ausreichende Förderung der Schüler ermöglichen, insbesondere der leistungs- und sozialschwachen Kinder, sowie der Kinder mit Migrationshintergrund.

Mit Ausnahme der Schulen in Winterhude, Niendorf und Lämmersieth starten alle Schulen als „offene Ganztagsschulen“. Neben dem regulären Unterricht sollen für nachmittags Förderkurse, sowie Neigungs- und Vertiefungskurse angeboten werden. Es steht den Eltern frei, ob ihr Kind von dem zusätzlichen Ganztagsangebot Gebrauch macht oder nicht. Im Falle einer Inanspruchnahme müssen sich die teilnehmenden Kinder allerdings für ein Schulhalbjahr zur verbindlichen Teilnahme an den Zusatzangeboten verpflichten. Die Schulen in Niendorf, Winterhude und Lämmersieth hingehen stellten mit ihrem Konzept Antrag auf die „gebundene Form“ der Ganztagsschule. Somit startet die Ganztagsschule in den ersten Jahrgängen für alle verbindlich.

Pädagogisches Umdenken verursacht keine Kosten

Das Gymnasium Klosterschule in St. Georg und die Gesamtschule Mümmelmannsberg gehören zu den renommiertesten Ganztagsschulen Hamburgs, die seit vielen Jahren erfolgreich mit ganztägigem Unterricht arbeiten und über die Hansestadt hinaus bekannt geworden sind. Offener und jahrgangsübergreifender Unterricht, sowie exemplarisches Lernen sind einige der Bausteine, die das Gymnasium Klosterschule trotz des hohen Migranten-, Arbeitslosen- und Sozialhilfeanteils  hamburgweit im Mittelfeld ansiedelt. Und das obwohl viele Schüler ohne Gymnasialempfehlung in die Klosterschule kommen. „Uns kommt es auf die pädagogischen Veränderungen an“, so Herzberg in einem Aufsatz auf der Webseite www.ganztagsschulen.org. Die Klosterschule führte vor drei Jahren die so genannte Studienzeit ein, in der sich die Kinder und Jugendlichen in der 6. Schulstunde selbstständig mit bereits erlerntem Stoff beschäftigen. Das im Unterricht Erarbeitete werde unter Lehreraufsicht geübt und angewandt, es gebe Zeit für Recherche und Arbeit an individuell zugeschnittenen, differenzierten Aufgaben. „So etwas verursacht keine Mehrkosten, es ist nur ein Umdenken nötig“, so Herzberg.

Zwischen Anspruch und Realität

Senatorin Christa Goetsch sieht in jeder neuen Ganztagsschule einen wichtigen Baustein der Schulreform. Die Ganztagsschule soll das starre Zeitraster am Vormittag aufbrechen und Lern- und Arbeitsmethoden ermöglichen, die individuell auf die Lernvoraussetzungen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen, heißt es im Rahmenkonzept für Ganztagsschulen 2004. Die Praxis zeigt jedoch laut einer Artikel-Serie auf Focus Online, dass viele Schulen mit den pädagogischen Ansprüchen heillos überfordert seien. Mit anderen Worten die pädagogische Schulentwicklung bleibe bei der Umstrukturierung unter Umständen auf der Strecke. Der Bielefelder Sozial- und Gesundheitsforscher Klaus Hurrelmann schätzte im Bericht, dass allenfalls fünf Prozent der Ganztagsschulen so strukturiert seien, dass sie sich an der Leistungsfähigkeit und dem Wohl der Kinder orientierten. Stattdessen handle es sich oftmals um ganz normale Schulen mit freiwilligem Betreuungsangebot am Nachmittag. Oder Lehranstalten, welche die Ganztagsschule mit einem Mehr an sturer Paukerei verwechselten. Fraglich bleibt, inwieweit das Schulsystem Unterstützung bei der pädagogischen Entwicklung der Schulen bekommt. In der Ausbildung der Lehrer bleiben neue Lernkonzepte zu wenig berücksichtigt. Aktuell wird in der Schulbehörde das Rahmenkonzept für Ganztagsschulen aus dem Jahr 2004 überarbeitet. Auf Grundlage des neuen Rahmenkonzeptes, das nach den Sommerferien in die Beratungen gehen soll, sollen dann die weiteren Etappen ausgeschrieben werden.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland NR. 18/09



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