Experte zum Clan-Chef-Interview: „Märchen vom sorgsamen Familienvater, nichts weiter als eine Inszenierung“

Epoch Times15. August 2019 Aktualisiert: 15. August 2019 11:49
Clan-Experte Dr. Ralph Ghadban geht in einem "Focus"-Interview auf die Aussagen des Berliner Libanesen-Clan-Chefs Issa Remmo ein. Dieser gab der "Welt" kürzlich ein Interview.

Kürzlich gab der libanesische Clan-Chef Issa Remmo der „Welt“ ein Interview und zeigte sich als sorgender Familienvater der die Bezeichnung „Clan-Chef“ gar nicht mag.

„Focus“ befragte Dr. Ralph Ghadban, der als Sozialarbeiter und Anstaltsbeirat in der JVA Tegel persönlichen Kontakt zu vielen Clanmitgliedern hatte, zu den Antworten des Clan-Chefs.

Islamforscher: „Märchen vom sorgsamen Familienvater eine Inszenierung“

Ghadban hält das Märchen vom sorgsamen Familienvater, das Issa Remmo im Interview abgibt, für nichts weiter als eine Inszenierung, die von seinem negativen Ruf als Verbrecher ablenken soll.

Issa Remmo sei höchstwahrscheinlich der Kopf des Clans, der Ober-Boss. Es sei ihm offensichtlich gelungen, ein Netz aus Erpressung und Korruption aufzubauen, das sogar international agiert, so Ghadban. Das sehe man an den 77 beschlagnahmten Immobilien, dies würde schon alles erklären, so der Politikwissenschaftler. Und führt weiter aus:

Wie kann es sein, dass jemand, der in Deutschland eigentlich nie richtig gearbeitet hat, ein derart millionenschweres Vermögen anhäufen kann, das seinen eigenen Angaben zufolge sogar 200 Millionen Euro wert sein soll? Woher kommt das Geld für diese Immobilien?“

Beweislastumkehr wurde nicht eindeutig im Gesetz festgeschrieben

Auf die im Sommer 2017 verabschiedete Reform, die es der deutschen Justiz erleichtert, strafrechtliche Vermögensabschöpfungen juristisch zu ahnden, erklärt Ghadban.

Das entscheidende Problem sei, dass die Beweislastumkehr nicht eindeutig im Gesetz festgeschrieben sei. Issa Remmo konnte bisher nicht dazu gezwungen werden, juristisch nachzuweisen, woher zum Beispiel das Geld für die Immobilien stamme.

Das wüsste er und mache es sich zunutze. Deswegen befürchte Ghadban auch, dass die beschlagnahmten Immobilien aus Mangel an Beweisen für einen illegalen Erwerb – etwa durch die Finanzierung mit gestohlenem Geld – am Ende an den Clan-Chef zurückgegeben werden könnten.

Vor allem Mitglieder rot-rot-grüner Regierungen sind es, die bei schärferen Gesetzen bremsen würden – so wie in Berlin und nun auch Bremen“, führt der Islamwissenschaftler weiter aus.

Daher wäre es kein Zufall, dass die Clans vor allem in diesen beiden Städten so stark wären, so der in Libyen geborene Migrationsforscher.

Arabische Clan-Mitglieder schweigen

Ein weiterer wichtiger Punkt, die arabische Clans etwa von der Mafia unterscheiden würden, sei, dass auch diejenigen Clan-Mitglieder, die nichts mit organisierter Kriminalität zu tun hätten, aber durchaus etwas über sie aussagen könnten, schweigen würden.

Sie schweigen alle, und das macht die arabischen Clans so stark und gefährlich“, erklärt Ghadban.

Dr. Ralph Ghadban ist 1949 im Libanon geboren und lebt seit 1972 in Deutschland. Er studierte Philosophie in Beirut sowie Islamwissenschaft in Berlin und schloss mit einer Promotion in Politikwissenschaft ab. Seit 1993 ist er in der Migrationsforschung tätig mit dem Schwerpunkt Islam im Westen. Er war Mitglied der ersten Islamkonferenz. Als Sozialarbeiter, ehemaliger Leiter der Beratungsstelle für Araber des Diakonischen Werks in Berlin und als Anstaltsbeirat der JVA Tegel hatte er persönlichen Kontakt zu vielen Clanmitgliedern. (er)

 

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