Neumünster im Gedenken: Ein Verbrechen in Brokstedt und das Ende einer jungen Liebe

Nach den Zugmorden von Brokstedt versammelten sich am Sonntag Hunderte Menschen in einer Kirche in Neumünster, um der Opfer zu gedenken. Der Bundeskanzler war da, Landesregenten, Kirchenvertreter und einfache Menschen.
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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, während einer ökumenischen Trauerfeier am 5. Februar 2023 in der Vicelinkirche in Neumünster für die Opfer des Messerangriffs auf einen Regionalzug bei Brokstedt.Foto: Marcus Brandt - Pool/Getty Images
Von 6. Februar 2023

Am 25. Januar beendete Ibrahim A., ein wenige Tage zuvor aus der Haft entlassener und mehrfach krimineller Palästinenser, das Leben zweier junger Menschen im Zug bei Brokstedt, zweier Schüler der Berufsschule in Neumünster. Fünf weitere Menschen wurden von dem 31-Jährigen schwer verletzt, teilweise offenbar bei dem Versuch, den Mörder zu überwältigen.

Am 5. Februar gedachten Hunderte Menschen in der Vicelinkirche von Neumünster des tödlichen Messerangriffs im Regionalzug RE70 von Kiel nach Hamburg. „Die Ereignisse in Brokstedt in der vergangenen Woche haben viele Menschen in Fassungslosigkeit und tiefe Trauer versetzt“, heißt es in der Einladung der Nordkirche.

„Schreckliches ist geschehen“

Mehr als 300 waren gekommen. Auch Olaf Scholz, der Bundeskanzler, war da und Daniel Günther, der Ministerpräsident, und auch Peter Tschentscher, Hamburgs Bürgermeister – und viele weitere hohe Politiker von Schleswig-Holstein und Hamburg. Makabres Detail: Der Täter saß zur gleichen Zeit nur wenige Gehminuten entfernt im Gefängnis von Neumünster in Untersuchungshaft, wegen zweifachen Mordes und vierfachem versuchten Totschlag.

Kerzen brannten in der schlichten Kirche, schreibt die dpa. Aufgerufen zum Gottesdienst hatten die katholische Kirche und die evangelisch-lutherische Kirche – gemeinsam. Mehrere Kirchenvertreter kamen zu Wort, unter anderem der Hamburger Erzbischof Stefan Heße von der katholischen Kirche.

Heße erklärte: „So ein Gottesdienst macht nichts ungeschehen“. Doch die große Anteilnahme sei überwältigend und mache Mut. Gothart Magaard, evangelisch-lutherischer Bischof von Sprengel, Schleswig und Holstein, erinnerte daran: „Schreckliches ist geschehen“, was die Menschen im ganzen Land erschüttert habe.

Eine junge Liebe im Todeszug

Die „Bild“ macht das Unfassbare greifbarer, füllt die nüchternen Zahlen mit Details, die einfach nur traurig machen. Sie, 17 Jahre jung, aus Elmshorn, liebte die Musik und den Stil der 80er. Ein junges Mädchen, eine Tochter, vielleicht auch Enkeltochter, eine Freundin, die gern Fahrrad fuhr. Er, 19, aus Brokstedt, begeisterter Fußballspieler und HSV-Fan. Er lernte bei der Bahn. Schon als kleiner Junge habe er von zu Hause aus die Züge gesehen, nur 700 Meter vom Bahnhof Brokstedt entfernt. Ein Freund: „Es ist so unglaublich tragisch: Danny liebte die Bahn, war so glücklich, dass er diese Ausbildung machen konnte. Und dann wird er ausgerechnet in einem Zug ermordet.“

Sie waren beide nach der Berufsschule in den Zug gestiegen. Ein enger Freund erklärte der Zeitung: „Ann-Marie war seit einer Woche mit Danny zusammen. Die Beziehung war so frisch, dass viele es noch gar nicht wussten, dass beide ein Paar waren.“

„Liebe und Hoffnung“ stärker als „Hass und Gewalt“

Bischof Magaard sprach auch von lebensgefährlicher Gewalt und Tod, die mitten im Leben aufgetaucht seien. Das sei schwer zu ertragen und mache wütend. „Das Vertrauen in eine sichere Alltagswelt hat Risse bekommen“. Es sei wichtig und es sei gut, dass man heute und hier zusammengekommen sei. Der Geistliche appellierte an das Gute im Menschen: „Lasst uns gemeinsam dafür einstehen, dass Liebe und Hoffnung stärker sind als Hass und Gewalt.“

Magaards Worte sind tiefgründig. In vielen Religionen und Glaubensrichtungen der Welt ist dieses alte Wissen verankert. Man glaubt, dass Hass und Gewalt dem Bösen Kraft und Energie geben.

Und dennoch. Die Politik ist zum Handeln aufgefordert. Die dpa schreibt weiter dazu, dass die Aufarbeitung des Verbrechens von massiver Kritik begleitet werde. Man fragt sich, was falsch gelaufen ist, in der Kommunikation zwischen den Behörden in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der Hamburger Justizbehörde und der Ausländerbehörde in Kiel.

Es geht auch um politische Konsequenzen, wie eine konsequentere Abschiebung von Mehrfachtätern. Für die Opfer von Brokstedt kommt das zu spät.



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