Radtke-Leaks: Klima-Kid trollt die Linke und versetzt Politprominenz in Aufruhr

Von 3. Februar 2020 Aktualisiert: 4. Februar 2020 0:13
Seit etwa einer Woche hat der 18-jährige Linke-Kandidat zur Hamburger Bürgerschaftswahl, Tom Radtke, die Aufmerksamkeit der Medienöffentlichkeit. Einem abgründigen Statement zum Holocaust-Gedenktag folgte die Ankündigung brisanter Enthüllungen über „Fridays for Future“.

Am 23. Februar wird die Freie und Hansestadt Hamburg eine neue Bürgerschaft wählen – der Urnengang ist der einzige, der auf überregionaler Ebene in diesem Jahr in Deutschland stattfinden soll. Die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht jedoch seit etwa einer Woche nicht einer der Spitzenkandidaten der großen Parteien, sondern der auf Listenplatz 20 des Wahlvorschlags der Linkspartei kandidierende Schüler Tom Radtke.

Dieser hatte in der Vorwoche anlässlich des internationalen Gedenktags zur Befreiung des nationalsozialistischen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee im Jahr 1945 erklärt, die Nazis hätten zu den „größten Klimasünder*innen“ gehört, weil „ihr Vernichtungskrieg und ihre Panzer riesige Mengen an CO2 produziert“ habe. Den Politikern, die heute ein „Nie wieder“ beschwören, warf er hingegen vor, nichts zu tun gegen den „Klima-Holocaust, der in diesem Moment Millionen Menschen und Tiere tötet“.

Die Wortspende wurde von zahlreichen Nutzern sozialer Medien als Trivialisierung des Massenmordes an europäischen Juden gewertet. Nach massiven Protesten hat Radtke seine diesbezüglichen Social-Media-Posts und später auch die Einträge auf seiner persönlichen Homepage wieder gelöscht.

Einzug bei 30 Prozent für „Die Linke“ möglich

Der Landesverband der Linken ging zu ihm auf Distanz, forderte ihn zum Rücktritt von der Kandidatur auf und kündigte ein Parteiausschlussverfahren an. Ein Rücktritt ist jedoch nicht mehr möglich, weil bereits Briefwahlunterlagen verschickt wurden. Radtke könnte, sollte er gewählt werden, allenfalls auf das Mandat verzichten. Damit Radtke in die Bürgerschaft einziehen könnte, müsste die Linkspartei allerdings auf etwa 30 Prozent der Stimmen kommen, derzeitige Umfragen sehen sie unter zehn Prozent. 

 
Auch „Fridays for Future“, dessen Logo Radtke weiterhin auf seiner Webseite und in den sozialen Medien verwendet, erklärte auf Twitter, der Linke-Kandidat sei kein aktiver Mitstreiter mehr und werde es „nie wieder sein“.

Seit Bekanntwerden des Eklats inszeniert sich der 18-Jährige nun als Whistleblower und scheint die Popularität zu genießen, die der Wirbel um seine Äußerung zum Holocaust-Gedenktag ihm eingebracht hat. Am Donnerstag (30.1.) kündigte er auf Twitter an, „dreckige Geheimnisse“ aufdecken zu wollen, und dabei auch namhafte Persönlichkeiten von „Fridays for Future“ in Hamburg wie Luisa Neubauer und Nele Brebeck nicht schonen zu wollen.

Anspielungen auf „Fall Edathy“

Daneben deutete er angebliche außereheliche Affären von Politikern der Linken an und gab zu erkennen, Informationen über pädophile Umtriebe im Umfeld der „Klimaschutz“-Bewegung zu haben. Insbesondere drohte er einem Hamburger Politiker der SPD, den er nicht namentlich nannte, mit den Worten:

„Der Hamburger Bundestagsabgeordnete sollte aufpassen, sonst ergeht es ihm wie seinem ehemaligen Fraktionskollegen Edathy. Ich kenne die Namen einiger seiner Opfer.“

Der langjährige SPD-Parlamentarier Sebastian Edathy hatte 2014 Mandat und Parteifunktionen niedergelegt, nachdem auf seinem Dienstcomputer kinderpornografisches Material aufgetaucht sein soll.

Der Hamburger SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs, der einem mehr als zehn Jahre alten Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Jugendlichen Praktika angeboten hatte, im Zuge derer diese „in der Wohnung des Bundestagsabgeordneten übernachten“ konnten, fühlte sich durch die Aussage Radtkes dazu genötigt, dessen Tweet zu retweeten und dazu zu kommentieren:

„was treibt die linke gerade in hamburg? warum stoppt den keiner?“

 


Nachdem offenbar eine Vielzahl an Anzeigen eingegangen war, Radtke würde möglicherweise Pädophile decken, sah sich die Polizei der Hansestadt veranlasst, auf Twitter mitzuteilen, dass sie den Vorwürfen nachgehe:

„Wir sind mehrfach auf diesen Tweet hingewiesen worden. Er ist uns bekannt und wir haben Ermittlungen aufgenommen.“

Livestream mit 13 000 Zuschauern

Für Samstag kündigte Radtke Enthüllungen im Rahmen eines Livestreams auf der Online-Plattform „Twitch“ an. Zudem wollte er „auch über die Kritik an meinem Wissen zum 2. Weltkrieg“ sprechen und „was ich mache, um mehr darüber zu lernen“.

Laut „Morgenpost“ sollen mehr als 13 000 Personen den Livestream aufgerufen haben. Ihre Erwartungen sollten sich jedoch nicht erfüllen: Nach eigenen Angaben auf Anraten seines Anwalts verzichtete Radtke darauf, seine Ankündigungen über brisante Enthüllungen wahrzumachen. Stattdessen ließ er sein Publikum stundenlang dabei zusehen, wie er die Kriegssimulation „Hearts of Iron IV“ spielte – und dabei die Rolle des Deutschen Reiches einnahm. Der Morgenpost zufolge sollen mehrere strafgesetzwidrige und volksverhetzende Beiträge von Zuschauern im Kommentarbereich dazu geführt haben, dass die Plattform noch während der Übertragung Radtkes Account sperrte.

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Auch für Sonntagabend hatte Radtke einen Livestream angekündigt, der sich ebenfalls in einer Übertragung seines Kriegsspiels und einer Handvoll Sprüchen über das Flugverhalten von FFF-Aushängeschild Luisa Neubauer erschöpfte – diesmal jedoch verbunden mit Musikuntermalung, auf die auch die Zuschauer durch Wünsche Einfluss nehmen konnten. Dadurch reichte das am Ende dargebotene Portfolio vom 1980er Hit „Cruel Summer“ der US-Frauenband Bananarama bis zum deutsch-nationalistischen Hip-Hopper Chris Ares.

Dubiose Erklärung der „Linksjugend Hamburg“

Für Aufsehen sorgte eine angebliche Erklärung des „Landessprecher*innenrat der linksjugend [’solid] Hamburg“, in der es entgegen einiger Tage zuvor verkündeten Darstellung hieß, es werde keinen Ausschluss Radtkes aus dem Jugendverband geben – „Im Gegenteil, wir stehen an der Seite von Fridays for Future, im Kampf gegen die Klimaerwärmung.“

Außerdem soll sich der Landesverband der „Linken“ schon letzten Mittwoch „schützend vor unseren Klimaaktivisten gestellt“ und sich gegen ein Parteiausschlussverfahren ausgesprochen haben. Die Äußerungen Radtkes zum Auschwitz-Gedenktag werden in der Erklärung implizit gerechtfertigt, indem es heißt:

„Die größte Bedrohung unserer Zeit geht nicht von Nazis, sondern vom menschengemachten Klimawandel aus. Der Klimawandel bedroht alle Menschen und damit insbesondere auch Jüd*innen. Die IDF wurden im Feld noch nie geschlagen. Doch gegen den Klimawandel sind auch sie machtlos.“

Durch den Klimawandel ausgelöste Flüchtlingswellen und der Anstieg des Meeresspiegels würde Israel „völlig zu verändern“ drohen. Letztlich sei „der Klimawandel die einzige Möglichkeit, das zu vollenden, was Hitler und seine Gefolgsleute begannen, auch deswegen sind es vor allem rechte und linke Antisemit*innen, die sich heute in der ersten Reihe der Klimaleugner*innen wiederfinden“.

Auf Twitter erklärte ein Admin namens der Hamburger Linksjugend, der Beitrag sei nicht authentisch und es handele sich um keinen offiziellen Account des Jugendverbandes:

„Dieser Account wurde vor einigen Monaten gehackt – der Landesverband versucht momentan, wieder Zugriff darauf zu bekommen. Dem Inhalt des Textes widersprechen wir vehement.“

 


Der Tweet löste Häme vonseiten mehrerer Nutzer aus: Ein „Clarus Klarname Nr. 460“ schrieb bezüglich der Aussage, der Account sei schon vor längerer Zeit gehackt worden: „Bei DDR-Technik und -Personal dauert’s halt länger, bis so was auffällt.“

Ein „Felix Pflanze“ meinte: „Dieser angebliche Twitter Account der Linksjugend ist auch nicht verifiziert. Da stecken wahrscheinlich rechte Trolle hinter.“

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