Stadtratsmitglied verliert Job wohl wegen AfD-Zugehörigkeit – „Freie Meinungsäußerung steht fast nur noch auf dem Papier“

Epoch Times3. November 2019 Aktualisiert: 4. November 2019 0:13
Der AfD-Stadtrat Rainer Huchthausen berichtet in der "Jungen Freiheit" über seinen Arbeitsplatzverlust in dem Werk, wo er 25 Jahre lang tätig war. Der Grund für seine Entlassung war anscheinend seine Parteizugehörigkeit bei der AfD.

Fast 25 Jahre Betriebszugehörigkeit bei der Werksfeuerwehr des zweitgrößten Arbeitgebers im Rhein-Neckar-Kreis, dem Pharmaunternehmen Roche (Vorgängerfirma Böhringer Deutschland), kann Rainer Huchthausen aufweisen die ihn nach seiner Aussage die Gesundheit kostete.

Jahrelang hätte er mit Chemikalien gearbeitet, die eine schwere Asthmaerkrankung ausgelöst hätten, erklärte der Brandschutzfachmann.

Nun ist Huchthausen, der im Mai für die AfD in den Gemeinderat gewählt wurde, trotz anerkannter Schwerbehinderung mit dem damit verbundenen besonderen Kündigungsschutz, entlassen worden, weil er der AfD angehört, berichtet die „Junge Freiheit“.

Vor 40 Personen wurde ein „Tribunal“ zu seinen Facebook-Posts abgehalten

Spätestens nach einer von der Betriebsratsvorsitzende Brigitte Bauhoff einberufenen Versammlung in seinem Betrieb, zu der Huchthausen eingeladen war – ungefähr ein Jahr nach dem Parteieintritt Huchthausens in die AfD – war für den Brandschutzspezialisten klar, dass man ihn aus dem Unternehmen heraushaben wollte.

So, ich begrüße euch. Und zum Anfang möchte ich gleich zu dir kommen, Rainer Huchthausen“, habe Bauhoff damals direkt losgelegt, zitiert die „JF“ Huchthausen.

Dann wäre ein Overheadprojektor angeworfen worden und vor rund 40 versammelten Personen hätte die Betriebsratsvorsitzende dann ein „Tribunal“ abgehalten.

Facebook-Posts von Huchthausen die seine Unterstützung der AfD und ihrer Positionen zeigten wären auf die Leinwand projiziert worden. Er wurde aufgefordert Stellung zu den Facebook-Beiträgen zu beziehen. „Was sage er zu diesem Bild, was zu jenem“, hätte es damals geheißen berichtete Huchthausen der „JF“.

Später hätte er „öfter Abmahnungen erhalten, deren Grund an den Haaren herbeigezogen war“, so Huchthausen.

Zum Beispiel, wenn er sich fünf Minuten nach Arbeitsbeginn krankgemeldet habe, weil zuvor niemand den Hörer abgehoben hätte, habe es geheißen, er hätte gegen die Meldepflicht verstoßen, berichtete der 57-Jährige der „JF“.

Mannheim war ehemals SPD-Hochburg

Der Hintergrund dafür scheint für die „JF“ offensichtlich. Mannheim galt lange Zeit als SPD-Hochburg und auch der Betriebsrat von Roche stehe der SPD nahe behauptete die „JF“. Bei den Gemeinderatswahlen in Mannheim 2014 war die SPD noch die stärkste Fraktion, jetzt sind es die Grünen.

Die Facebook-Seite von Bauhoff würde auch zeigen, wie eng die Betriebsratsvorsitzende Bauhoff mit der SPD verbunden sei, heißt es dann weiter.

So würde sich dort ein Foto finden, das sie gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Fulst-Blei auf einer Anti-AfD-Demonstration zeige. „Die AfD ist KEINE normale Partei, sondern zutiefst rassistisch!“, hieße es dort. Der SPD-Landtagspolitiker Stefan Fulst-Blei verlor bei der Landtagswahl 2016 sein Mandat an einen AfD-Politiker.

Huchthausen ließ sich nicht davon abhalten, sich weiter in der AfD weiter zu engagieren. Nachdem seine Kandidatur bei den Kommunalwahlen für die AfD bekannt geworden wäre, sei sofort das Gerücht herumgegangen, dass seine Betriebsrätin Bauhoff deswegen sehr aufgebracht gewesen wäre und von nun an seine Kündigung anstrebte, erzählte der AfD-Politiker der „JF“ weiter.

Und er ergänzte das Bauhoff auch sehr gute Beziehungen zur Geschäftsleitung habe und persönlich im Aufsichtsrat säße.

Ende Mai zog die AfD mit 9,3 Prozent der Stimmen und vier Sitzen in den Gemeinderat Mannheim ein. Einer der neuen Stadträte war der überraschte Huchthausen.

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Kündigung erfolgte nach einem „Like“ bei Facebook

Schließlich kündigte der Pharmakonzern Roche Diagnostics am Standort Mannheim Huchthausen zu Anfang Oktober. Auslöser soll ein „Like“ der Facebook-Seite seines Arbeitgebers Roche durch Huchthausen gewesen sein.

Befreundete Kollegen vom Werkschutz hätten ihn noch gewarnt: „Das gibt noch Ärger.“ „Man könnte denken, Roche wäre eine AfD-Hochburg“, habe es im Betriebsrat geheißen.

Huchthausen: „Spreche für viele meiner Kollegen, die sich aus Angst vor Entlassung nicht trauen“

Dem Integrationsamt, dass der Kündigung von Schwerbehinderten zustimmen muss, damit diese wirksam werden kann, schrieb Roche zur  Begründung der Entlassung, dass das Arbeitsverhältnis zunächst 16 Jahre ungestört verlaufen sei, allerdings hätten dann die seit dem Jahr 2012 angefallenen krankheitsbedingten Fehlzeiten das Übliche wesentlich überschritten.

Dem Arbeitgeber wäre dadurch vom 1. Januar 2012 bis 31. Juli 2019 wirtschaftliche Belastungen in Höhe von insgesamt 68.208,60 Euro entstanden, berichtete „JF“.

Huchthausen sah sich nun in der Pflicht durch Veröffentlichung seiner Erlebnisse „für viele meiner Kollegen zu sprechen, die sich aus Angst vor Entlassung nicht trauen“, erklärte er.

Leider stünde die freie Meinungsäußerung in diesem Land fast nur noch auf dem Papier, so der Stadtrat. (er)