Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.Foto: YANN SCHREIBER/AFP via Getty Images

Banken im Stresstest: Aufseher veröffentlichen Ergebnisse

Epoch Times30. Juli 2021 Aktualisiert: 30. Juli 2021 9:01
Wie krisenfest sind Europas Banken? In den vergangenen Monaten mussten die Institute wieder einige Szenarien durchrechnen. Eines ist schon jetzt klar: Durchfaller gibt es bei der Prüfung nicht.

Ein Jahr später als ursprünglich geplant haben Europas Aufseher die Banken auf dem Kontinent wieder einem großen Gesundheitscheck unterzogen.

Sind die Institute ausreichend gerüstet, falls sich die Corona-Pandemie noch einmal verschärft? Reichen die Kapitalpuffer für einen herben Wirtschaftseinbruch? In den vergangenen Monaten mussten die Geldhäuser durchrechnen, wie sich eine Verknüpfung diverser Stressfaktoren auf ihre Bilanz auswirken würden.

Die Ergebnisse des Stresstests veröffentlichen die europäische Bankenaufsicht EBA und die Europäische Zentralbank (EZB) heute. Eigentlich sollte die neue Auflage des europäischen Bankenstresstests schon 2020 durchgeführt werden. Doch um den Instituten mitten in der Corona-Krise nicht noch weitere Aufgaben aufzubürden, wurde die Prüfung verschoben.

Die European Banking Authority (EBA) hat 50 Geldhäuser aus 15 Ländern unter die Lupe genommen, die gemessen an den Vermögenswerten zusammen für rund 70 Prozent des Bankenmarktes in Europa stehen. Darunter sind 7 aus Deutschland: BayernLB, Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, Landesbank Baden-Württemberg, Landesbank Hessen-Thüringen, Volkswagen Bank.

38 der 50 Institute in dem EBA-Test sind Banken aus dem Euroraum, die zentral von der EZB überwacht werden. Parallel zu dem EBA-Test hat die EZB in einem nahezu identischen Stresstest für den Euroraum weitere 51 Banken unter die Lupe genommen, die sie direkt beaufsichtigt.

Im als besonders hart geltenden Krisenszenario des EBA-Test wird unterstellt, dass sich die Corona-Krise zuspitzt und die wirtschaftlichen Rückschläge infolge der Pandemie länger anhalten. Die Wirtschaft in der Europäischen Union würde in diesem Szenario in den drei Jahren bis 2023 kumuliert um 3,6 Prozent schrumpfen. Zugleich würde die Arbeitslosenquote steigen und die Immobilienpreise würden kräftig einbrechen. Zudem wird von weiter fallenden Marktzinsen ausgegangen.

Durchfallen können Banken bei den Tests nicht. Die Ergebnisse fließen in den „SREP“-Prozess („Supervisory Review and Evaluation Process“) ein, in dem Aufseher die Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen und die Angemessenheit des Risikomanagements bewerten. Einzelnen Instituten können die Aufseher auf dieser Basis auftragen, Kapitalpuffer zu stärken.

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 überprüfen Aufseher weltweit mit solchen Stresstests regelmäßig, wo mögliche Risiken in den Bilanzen schlummern und wie anfällig Banken im Krisenfall wären. Unumstritten sind solche Tests und die Ableitungen daraus nicht. Denn welche Risiken in den hypothetischen Szenarien wie stark gewichtet werden, liegt letztlich in der Hand der Aufseher.

EZB-Vize sieht Europas Banken gut gerüstet

Luis de Guindos, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht Europas Banken mit Blick auf die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests für Banken, gut gerüstet.

„Die Details veröffentlichen wir ja erst am Freitagabend, aber so viel kann ich schon jetzt sagen: Europas Banken sind robust, sie sind widerstandsfähig“, sagte er dem „Handelsblatt“.

„Unser ungünstigstes Szenario ist diesmal noch anspruchsvoller als beim letzten Test 2018, und die Banken haben ja zudem gerade das schwierige Jahr 2020 verkraftet. Trotz dieser anspruchsvollen Ausgangslage erwarte ich, dass die Banken sich im Test im Großen und Ganzen gut geschlagen haben.“

Mit Blick auf die derzeit anziehenden Preissteigerungsraten in der Eurozone sieht de Guindos bislang „keine Anzeichen“, dass aus einer vorübergehenden eine strukturelle Inflation wird. Die Notenbank müsse aber wachsam bleiben und mögliche Zweitrundeneffekte, etwa Lohnerhöhungen beobachten.

Die aktuelle Inflationslage beschreibt de Guindos so: „Für den Euro-Raum erwarten wir den Höhepunkt im November mit etwa drei Prozent. Im kommenden Jahr wird das Tempo wieder abnehmen, weil dann einige Sondereffekte, etwa die vorübergehende Senkung der deutschen Mehrwertsteuer im Jahr 2020, nicht mehr in die Rechnung eingehen.“

De Guindos geht davon aus, dass die Wirtschaft der Eurozone noch auf absehbare Zeit Unterstützung braucht. Wenn das Anleihekaufprogramm PEPP der EZB, das für den Notfall der Pandemie geschaffen wurde, im kommenden Jahr ausläuft, dürfe es keinen „Klippeneffekt“ geben, warnte der EZB-Vizepräsident. (dpa/dts)



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