Rezession könnte Finanzierung deutscher Startups gefährden

Von 7. November 2019 Aktualisiert: 7. November 2019 8:54
Deutsche Startups erwarten künftig ein gutes Geschäft. Aber die Finanzierungssituation ist nicht einfach. Der Europäische Investitionsfonds rechnet mit negativen Einflüssen der Rezession.

Luigi Gilibert, Chef des Europäischen Investitionsfonds, rechnet mit erschwerter Finanzierung für Startups. Dies berichtete er gegenüber der Welt. Eine Umfrage des Deutschen Startup Monitors belegt bei der Finanzierung zudem erhebliche Lücken zwischen Wunsch und Realität.

Startups sind Unternehmen, die noch nicht 10 Jahre am Markt bestehen, aber ein hoch innovatives Geschäftsmodell mit bedeutendem Umsatzwachstum haben.

Europäischer Investitionsfonds warnt vor harten Zeiten

Luigi Gilibert, Chef des Europäischen Investitionsfonds, sieht die Finanzierung von Startups gefährdet. Dies sagte er in einem Interview gegenüber der Welt.

Der Fonds gehört zu den größten Wagniskapitalgebern in Europa und gewährt kleinen und mittleren Unternehmen Finanzierungen. Das Risikokapital wird über andere Institute wie private Banken gegeben, Beteiligungen des Fonds gelten als „Qualitätssiegel“. Das Finanzierungsvolumen der letzten 25 Jahre soll sich auf rund 1,5 Millionen Euro.

Zwar boomten die letzten Jahre. Aber die Rezession könnte „direkte“ Folgen für die Finanzierung haben. Auf Rezessionen würde Investoren „sofort“ und „sensibel“ reagieren. Verkäufe von Anteilen an Startups an oder außerhalb der Börse seien bereits erheblich geschrumpft. Wagniskapitalfonds machen sich bereits Sorgen, wie sie künftig Geld von privaten Investoren einwerben sollen.

Problem: Kapitalbeschaffung

Auffällig sei bei Startups eine große Lücke bei der Finanzierung zwischen Wunsch und Realität. Entgegen dem eigenen Wunsch müssten Startups mehr auf Finanzierung durch eigene Mittel, Freunde und Familie zurückgreifen. Finanzierungen durch „Business Angels“ und „Venture Capital“ hingegen könnten nicht wie gewünscht in Anspruch genommen werden. Die Epoch Times berichtete zuletzt hier darüber.

Business Angels beteiligen sich am Startup und unterstützen mit Wissen und Kontakten. Venture Capital wird für Risikoinvestments außerhalb der Börse gegeben. Persönlicher Kontakt und Netzwerken seien hilfreich, um Wagniskapitalgeber zu finden. So fanden rund 50 Prozent der Startups ihre Kapitalgeber.

Die Startups sehen sich von Rezession jedoch nicht betroffen

Rund die Hälfte schätzt das künftige Geschäft laut Umfrage positiv ein:

  • Im Durchschnitt wollen Startups kommendes Jahr 8 neue Arbeitsplätze schaffen.
  • 75 Prozent rechnen mit verbesserter Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten.
  • 75 Prozent planen für das Jahr 2020 einen Jahresumsatz von mehr als 500.000 Euro.
  • Sechs von zehn Startups möchten im Fall des Scheiterns sogar wieder ein Startup gründen.

Startups seien durchweg in jeder Branche tätig und „prägend“ für die gesamte Ökonomie. Besonders stark ist mit einem Anteil von 30 Prozent die Informations- und Kommunikationstechnologie. Auch die Bereiche Nahrungsmittel und Konsumgüter sowie Medizin und Gesundheitswesen seien mit 10,6 Prozent und 8,5 Prozent vertreten.

Erfolgsfaktor: Digitale Welt und Kooperation

Dabei setzen rund 62 Prozent der Startups auf digitale Varianten mit angewandter IT, Plattformen, Softwareentwicklung, Handel und Netzwerken. Darüber hinaus setzen weitere 25 Prozent auf Technologieentwicklung. Hingegen nur rund 13 Prozent seien noch im traditionellen Sektor tätig. Hierzu zählen analoge Dienstleistungen und stationärer Handel.

Dabei nehme die Bedeutung von künstlicher Intelligenz zu. Dies meint den Versuch, Wahrnehmung und Handelns von Menschen durch Maschinen nachzubilden. Während der Einfluss künstlicher Intelligenz auf die Geschäftsmodelle in 2018 rund 35 Prozent, stieg er 2019 auf rund 40 Prozent an.

Im Übrigen konzentrieren sich Startups auch vermehrt auf Kooperationen. Das Ziel: Vertriebswege und Wissen steigern. So kooperiert mehr als die Hälfte mit anderen Startups und wissenschaftlichen Einrichtungen. Sogar 67 Prozent kooperieren mit etablierten Unternehmen.

Das Thema Nachhaltigkeit habe besondere Bedeutung für Startups. So glauben 36 Prozent den Umweltschutz zu fördern und rechnen sich dem Bereich „Green Energy“ und „Social Entrepreneurship“ zu. Dabei sollen 44 Prozent der Startups Wähler der Grünen sein.

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