China nicht mehr unter den Top drei der ausländischen Investoren – trotzdem auf dem Vormarsch?

Chinas Interesse an weltweiter Wirtschaftsmacht lässt sich auch durch die landeseigene Krise nicht trüben. Zwar fiel China in 2019 aus den Top drei der ausländischen Investoren heraus, staatliche Zahlen belegen trotzdem weiter einen „überdurchschnittlich“ hohen Anteil bei Investitionen in deutsche Forschung, Entwicklung und Produktion.
Titelbild
Der chinesische Autohersteller Geely will ein Innovationszentrum in Hessen errichten. Foto Feng Li/Getty Images
Von 23. Mai 2020

China ist im Jahr 2019 zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt aus den Top drei der ausländischen Investoren Deutschlands herausgefallen. Das geht aus zwei Berichten der Regierungsinstitution „Germany Trade & Invest“ (GTAI) vom 13. und 20. Mai hervor.

Chinas Investitionen in Produktion und Forschung „überdurchschnittlich hoch“

China sei Deutschlands viertgrößter Investor, zeigen neueste Daten des GTAI. Gegenüber 2016 nahmen die chinesischen Investitionen damit zwar um gut die Hälfte ab, dennoch investiere China „überdurchschnittlich hoch“ in deutsche Forschung, Entwicklung und Produktion, so  der Geschäftsführer von GTAI, Robert Hermann, gegenüber „Reuters“. Rund 25 Prozent von Chinas Investitionen entfielen auf diese Bereiche.

Den Rückgang der Investitionen führt Hermann auf Chinas Wirtschaftswachstum zurück, das 2019 ein 30-Jahrestief erreichte. „Daher liegt der Fokus mehr auf dem eigenen Land. Innovationen und Infrastruktur sollen dort gefördert werden“, sagte Hermann gegenüber „Reuters“.

Großbritannien erstmalig auf Platz zwei

Spitzenreiter und wichtigster ausländischer Investor seien nach wie vor die Vereinigten Staaten mit 302 Investitionen im Jahr 2019. Die US-Steuerreform habe Unternehmen mehr Kapital verschafft, sodass die Unternehmen investieren konnten, fügte der Geschäftsführer hinzu.

Es folgen auf Platz zwei Großbritannien mit 185 Projekten und dann die Schweiz mit 184 Investitionen. China tätigte den Angaben zufolge 154 Projekte.

Erstmalig stieg Großbritannien vom vierten auf den zweiten Platz der ausländischen Investoren Deutschlands auf. Hintergrund, so die US-Berichterstattung von „Reuters“, sei die Besorgnis, dass Unternehmen aufgrund des Brexits schwerer Zugang zum Binnenmarkt der Europäischen Union erhielten.

Trotz sinkender Investitionen mehr Arbeitsplätze

Insgesamt seien die Investitionen gegenüber 2018 zwar um 10 Prozent auf 1.851 Investitionen gesunken. Dennoch habe sich die Zahl der Arbeitsplätze auf 42.000 verdoppelt, zeigen die Zahlen von GTAI weiter. Auch das Volumen der Investitionen stieg an von 4,8 Milliarden Euro (2018) auf 5,1 Milliarden Euro (2o19).

Wesentlicher Motor seien die Direktinvestitionen von ausländischen Auto- und Batterieherstellern, stellte der GTAI-Geschäftsführer fest. Zu nennen sind hier zum Beispiel der US-Elektroautohersteller Tesla. Der Autobauer treibe sein Riesenprojekt in Brandenburg weiter voran. Der chinesische Autohersteller Geely plane ein Innovationszentrum in Hessen und der chinesische Batteriehersteller, „CATL“ oder „Contemporary Amperex Technology Ltd“ plane den Ausbau in Thüringen.

Das Gros der Investoren kam dabei aus der Informations- und Kommunikationstechnik. Danach folgten Unternehmens- und Finanzdienstleister und die Konsumgüter-Branche, zeigen die Auswertungen von GTAI.

GTAI rechnet mit einem Rückgang der ausländischen Investitionen im Jahr 2020, da die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft in eine Rezession stürze.

Firmenübernahmen von EU-Ausländern künftig erschwert

Die Bundesregierung will den Einfluss von Investoren außerhalb der EU in den Bereichen Gesundheit und kritischer Infrastruktur stärker überwachen und notfalls verhindern. Das Kabinett beschloss am Mittwoch (20.5.) eine Novelle der Außenwirtschaftsverordnung.

Künftig greift eine Meldepflicht, wenn Unternehmen von außerhalb der EU mehr als zehn Prozent eines deutschen Entwicklers oder Herstellers in den kritischen Bereichen erwerben wollen.

Altmaier will künftig insbesondere die Grundversorgung mit Bedarfsgütern für die Telekommunikation sowie für Medizin und Schutzausrüstung stärker nach Deutschland und Europa holen. Sein Ministerium kündigte an, „noch im Sommer“ weitere Änderungsvorschläge zur AWV vorzulegen.



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