Spielwarenläden in der Krise: „Wir sind die Dinosaurier“

Epoch Times5. März 2019 Aktualisiert: 5. März 2019 10:07
Rund 40 Prozent aller Spielsachen werden heute schon im Internet gekauft. Klassische Spielwarenläden wirken da fast schon wie Relikte der Vergangenheit. Ihre Zahl sinkt seit Jahren. Aber für einen Abgesang auf die Spielzeug-Paradiese wäre es zu früh.

Noch vor wenigen Jahren gehörten sie so selbstverständlich in die Innenstädte wie Modehändler oder Schuhgeschäfte: Spielwarenläden voller Puppen, Modelleisenbahnen und Gesellschaftsspiele.

Doch das ist vorbei. Bedrängt von Online-Händlern wie Amazon, von Discountern wie Lidl und von den Markenshops der Spielzeughersteller geben immer mehr klassische Spielzeugläden auf.

„Wir sind die Dinosaurier“, sagt Jürgen Budke, Miteigentümer und Geschäftsführer des Kinderkaufhauses Mukk, das in der Münsteraner Altstadt nach wie vor Spielwaren verkauft. Tatsache ist: Der Siegeszug des Online-Handels hat den Spielwarenhandel schwerer getroffen als fast alle anderen Branchen. Rund 40 Prozent aller Spielwaren werden heute online eingekauft. Auf den stationären Fachhandel entfallen gerade noch 30 Prozent der Umsätze.

„Die Zahl der klassischen Spielwarengeschäfte sinkt seit Jahren“, berichtet der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels BVS, Steffen Kahnt. Allein zwischen 2010 und 2016 – neuere Zahlen gibt es nicht – musste nach Angaben des Statistischen Bundesamts fast jeder siebte Spielwarenhändler aufgeben.

Und danach hat sich die Entwicklung eher noch verschärft. Denn auch große Ketten wie Toys R Us und Intertoys gerieten zunehmend in Turbulenzen. Die niederländische Spielwarenkette Intertoys kündigte im Sommer vergangenen Jahres die Schließung aller Filialen in Deutschland an. Das Geschäft lohne sich einfach nicht mehr. Die knapp 70 Filialen von Toys R Us in Deutschland wurden nach dem Zusammenbruch des US-Spielwarenhändlers vom irischen Branchenriesen Smyths Toys übernommen.

Doch nicht nur das Internet bedroht die Spielwarenhändler. Auch die Discounter und Drogeriemarktketten machen den klassischen Spielzeugläden immer öfter Konkurrenz. Lidl etwa lockte zu Weihnachten mit einem eigenen 28-seitigen Spielzeugkatalog. Das Angebot reichte vom Holzschaukelpferd bis zum ferngesteuerten flugfähigen Hubschrauber. Auch die Modekette C&A ergänzt inzwischen in einigen Filialen ihr Angebot an Kinderbekleidung mit Bestseller-Produkten bekannter Markenhersteller wie Lego oder Playmobil, wie ein Firmensprecher berichtet.

Sind die Spielwarenläden also vom Aussterben bedroht? Nicht unbedingt. Der Münsteraner Spielwarenhändler Budke etwa bezeichnet sein Kinderkaufhaus zwar gerne als Dinosaurier. Mit dem Aussterben hat er es aber gar nicht eilig. Für ihn steht fest: „Dinosaurier, die sich spezialisieren, werden überleben. Alle anderen werden sterben.“ Und er tut alles dafür, dass sein Kinderkaufhaus Mukk eine Zukunft hat.

„Wir sind ein Erlebniskaufhaus“, beschreibt er das Konzept. Auf 3000 Quadratmetern in der Münsteraner Altstadt bietet Mukk nicht nur über 60.000 Artikel vom Plüschtier über die Babywiege bis zur Kindermode, sondern auch viel Einkaufspaß. In der Kindermodeabteilung lockt ein Karussell. Eine Rutsche verführt zum Besuch im Untergeschoss und überall gibt es Möglichkeiten zum Anfassen und Ausprobieren der Spielsachen. Außerdem veranstaltet das Mukk regelmäßig Events von der „Magischen Nacht im Kinderkaufhaus“ bis zum Tipp-Kick-Turnier. Und es gibt einen eigenen Online-Shop.

Branchensprecher Kahnt hält den Weg, denn Budke eingeschlagen hat, für vielversprechend. „Es gibt auch weiter Raum für Spielwarengeschäfte, die mit einem originellen Sortimentsmix eine besondere Einkaufserfahrung bieten und die Kunden mit Aktionen und Festen an sich binden“, ist er überzeugt.

Doch einfach werden auch die nächsten Jahre für die verbliebenen Spielwarenhändler in den Einkaufsstraßen nicht werden. Denn die Zahl der Herausforderungen nimmt eher noch weiter zu. Schließlich wird im Internet Kinderspielzeug und Kinderbekleidung längst nicht mehr nur verkauft, sondern immer öfter auch vermietet – von Start-ups wie Kilenda, aber auch von bekannten Handelsketten wie Tchibo oder Real. (dpa)

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