Autogipfel: 1 Million Ladepunkte bis 2030 – Schnell-Ladesystem an den Hauptverkehrsstrecken

Von 10. November 2019 Aktualisiert: 10. November 2019 12:27
Künftig ist ein Zuschuss von 50 Prozent bei Fahrzeugen bis 40.000 Euro Nettolistenpreis geplant. Kritiker rechneten nun nach dem Autogipfel aus, dass man täglich 270 neue Ladesäulen für Elektroautos bauen müsse. Doch tatsächlich sei von Ladepunkten und nicht Ladesäulen die Rede.

Kürzlich fand der sogenannte Autogipfel (die zweite Sitzung der „Konzertierten Aktion Mobilität“) statt. Neben Bundeskanzlerin Merkel nahmen mehrere Bundesminister, Fraktionsvorsitzende, Ministerpräsidenten sowie Vertreter der Automobilindustrie und Zulieferer teil.

Bereits im September hieß es vonseiten der Bundesregierung, dass bis 2030 mindestens 7 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollen. Davon ist Deutschland momentan jedoch noch weit entfernt. Am 1.1.2019 fuhren laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 83.000 Autos auf deutschen Straßen, eine Steigerung gegenüber 2018 um mehr als 50 Prozent. Nach Informationen der Welt soll sich der Anteil von Elektroautos aktuell auf rund 131.000 belaufen.

1 Million Ladepunkte bis zum Jahr 2030

Bundeskanzlerin Merkel verkündete vor der Sitzung, dass bis 2030 eine Million Ladepunkte errichtet werden sollen. Momentan gibt es rund 20.000 Ladepunkte. Bis zum Jahr 2022 möchte die Bundesregierung dem Masterplan folgend 50.000 neue Ladepunkte errichten. Dazu soll eine „nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur“ errichtet werden, teilte der Verband der Autoindustrie (VDA) mit.

Die Automobilindustrie will 15.000 Ladepunkte zusteuern. Es ist geplant, diese auf den Betriebsgeländen der Automobilindustrie und dem entsprechenden Handel zu errichten, so der VDA. An den Hauptverkehrsstrecken will die Automobilindustrie zusammen mit dem Gemeinschaftsunternehmen Ionity sehr zügig ein Schnell-Ladenetz aufbauen.

Ladepunkte oder Ladesäulen?

Kritiker rechneten aus, dass man täglich 270 neue Ladesäulen für Elektroautos bauen müsse. Aber tatsächlich sei von Ladepunkten und nicht Ladesäulen die Rede. Eine Ladesäule umfasst in der Regel bis zu sechs Anschlüssen. Dann sinke die Zahl auf 45 pro Tag. Das sei aber immer noch ein groß angelegter Aufwand, berichtet das Portal EFAHRER.

Das Portal sieht in Merkels „eine Million Ladepunkten“ eher einen symbolischen Akt. Damit wolle sie den „Aufbruch ins E-Zeitalter einläuten.“

Die Elektronik-Community ELEKTOR gibt zu Bedenken, dass die einst „angekündigte Elektroauto-Offensive, nach der für 2020 ja 1 Million zugelassener Elektroautos angekündigt waren“, zu scheitern schien und „kurzerhand“ auf 2022 verlängert wurde. Das hieße, binnen den kommenden zwei Jahren 870.000 Elektroautos zuzulassen.

Mehr Subventionen für Autoindustrie

Weiter plant die Bundesregierung, den Zuschuss zum Kauf von Elektrofahrzeugen bis Ende des Jahres 2025 nicht nur zu verlängern. Der Zuschuss sollte eigentlich Ende 2020 auslaufen. Zudem will die Bundesregierung den Zuschuss noch einmal ordentlich erhöhen.

  • Bei Fahrzeugen bis 40.000 Euro Nettolistenpreis: Künftig ist ein Zuschuss von 50 Prozent geplant.
  • Bei einem Nettolistenpreis bis 65.000 Euro: Für den übersteigenden Betrag (40.000 Euro bis 65.000 Euro) sind weitere 25 Prozent Zuschuss geplant.

Der mögliche Förderungsrahmen betrage 650.000 bis 700.000 Elektrofahrzeuge. Wie bisher wollen Staat und Autoindustrie sich die Kosten des Zuschusses teilen. Das Vereinbarte soll noch im November wirksam werden.

Ob junge Gebrauchtwagen, die noch keinen Zuschuss erhalten hätten, einfach und unbürokratisch ebenfalls profitieren könnten, will die Bundesregierung prüfen.

Kritik vom Bundesrechnungshof in 2018

Der Bundesrechnungshof wies bereits 2018 darauf hin, dass Dritte (also die Autoindustrie) keinen „Einfluss auf gesamtwirtschaftliche Entscheidungen nehmen“ und auch nicht begünstigt werden dürfen.

Die deutsche Automobilindustrie hat die Entscheidung der Bundesregierung zum Umweltbonus und zu dessen Ausgestaltung wesentlich beeinflusst“, hieß es in der Beurteilung des Rechnungshofes.

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Maßgeblicher Kritikpunkt war aber unter anderem, dass der Automobilindustrie noch nicht einmal den ohnehin zu gewährenden üblichen Preisnachlass erreiche, während der Staat die Zuschüsse aus Steuereinnahmen leistet.

Das Bundeswirtschaftsministerium solle unbefangen und neutral handeln. Dazu gehöre zum Beispiel, „die Automobilindustrie stärker für die Herstellung von Elektroautos zu motivieren.“

Digitalisierung, Automatisierung und Bildung

Beim Autogipfel wurde gleichfalls über Digitalisierung, Vernetzung und automatisiertes Fahren beraten. Automatisiertes Fahren bedeutet die „Fortbewegung von Fahrzeugen, mobilen Robotern und fahrerlosen Transportsystemen zu verstehen, die sich weitgehend autonom verhalten.“ Im Juni 2017 besuchte Kanzlerin Merkel Argentinien, in einer Fragerunde fiel folgender Satz:

Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Sondererlaubnis selbstständig Auto fahren dürfen.“

Ihrer Ansicht nach werde es das autonome Fahren geben. Autonomes Fahren bezieht sich auf Autos, die selbst entscheiden, lenken und denken.

Die Bundesregierung wird weiterhin prüfen, ob es Anpassungen bei den „Instrumenten des Qualifizierungschancengesetzes“ und beim Kurzarbeitergeld geben muss.