Erdogan setzt Notenbankchef ab – Türkische Lira fällt

Epoch Times8. Juli 2019 Aktualisiert: 8. Juli 2019 16:18
Der Rauswurf des Notenbankchefs belastet die türkischen Finanzmärkte schwer. Nun ist die Landeswährung eingebrochen.

Nach der Entlassung des Chefs der türkischen Notenbank durch Präsident Recep Tayyip Erdogan ist die Landeswährung Lira vorübergehend um mehr als zwei Prozent eingebrochen.

Analysten hatten die Reaktion vorhergesehen und gesagt, die Entscheidung vom Samstag habe Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank verstärkt. Zuletzt gab die Lira zum US-Dollar wie zum Euro rund 1,5 Prozent nach – ein Dollar kostete 5,71 Lira, für einen Euro gab es 6,42 Lira.

Der bisherige Notenbankchef Murat Cetinkaya, der den Posten seit April 2016 innehatte, wurde durch seinen bisherigen Stellvertreter Murat Uysal ersetzt. Die Zeitung „Hürriyet“ berichtete am Sonntag, Erdogan habe nach der Entscheidung vor Abgeordneten seiner Regierungspartei AKP gesagt: „Wir haben ihm auf Wirtschaftstreffen immer wieder gesagt, dass er die Zinsen senken soll. Wir haben gesagt, wenn die Zinsen sinken, sinkt auch die Inflation. Er hat aber das Nötige nicht getan.“

Ex-Notenbankchef lehnte freiwilligen Rücktritt ab

Çetinkaya, Amtszeit wäre regulär erst 2020 abgelaufen. Wegen eines Wertverfalls der türkischen Währung hatte Çetinkaya die Zinsen im September 2018 um 6,25 Prozentpunkte auf 24 Prozent erhöht. Er weigerte sich auch unter dem Druck Erdoğans den Leitzins zu senken. Einen freiwilligen Rücktritt, der ihm Medienberichten nach von Erdoğan und dem türkischen Finanzminister und Erdoğan-Schwiegersohn Berat Albayrak nahe gelegt wurde, lehnte er ab.

Die Zentralbank hatte seit September den Leitzins bei 24 Prozent (einen der weltweit höchsten) beibehalten, um der Inflation entgegenzuwirken. Die Inflation ist seit Oktober von rund 25 Prozent auf rund 15 Prozent gesunken. Erdogan ist entgegen der gängigen Wirtschaftslehre allerdings gegen hohe Zinsen und hatte immer wieder verlangt, sie zu senken.

USA drohen mit Sanktionen

Die Verunsicherung der Märkte und Investoren kommt für die türkische Wirtschaft zur Unzeit. Ein Waffendeal mit Russland hat einen scharfen Konflikt mit den USA ausgelöst. Die Türkei hat von Russland das Raketenabwehrsystem S-400 gekauft, das die USA für ein Sicherheitsrisiko für den Nato-Raum halten. Die ersten Lieferungen sollen schon diese Woche in der Türkei ankommen. Die USA drohen nun mit Sanktionen. Bei einem anderen Konflikt mit den USA im vergangenen Jahr hatten US-Sanktionen die Lira schwer einbrechen lassen.

Der neue Chef der Notenbank hatte am Wochenende versichert, die Bank bleibe unabhängig. Uysal war seit 2016 Stellvertreter an der Spitze der Bank. Eine Pressekonferenz sei „in den kommenden Tagen“ geplant. (dpa/er)

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