7.800 km: Größter Asteroiden-Krater im Sonnensystem entdeckt

Von 11. August 2020 Aktualisiert: 11. August 2020 18:18
Das Sonnensystem hat eine bewegte Vergangenheit. So deuten Spuren auf dem Jupitermond Ganymed auf eine gewaltige Kollision hin. Mit 7.800 Kilometern Durchmesser ist der vermutlich größte bislang bekannte Krater des Sonnensystems mehr als doppelt so groß wie unser Mond.

Ganymed ist der größte Mond des Sonnensystems und größer als Pluto und Merkur. Bereits vor mehr als 40 Jahren als die Voyager-Sonden die ersten Bilder von Ganymeds Oberfläche zu Erde funkten, entdeckten Forscher seltsame ringförmige Strukturen und Krater. Eine erneute Auswertung der Bilder, einschließlich Aufnahmen der Galileo-Mission um die Jahrtausendwende, zeigen, dass diese Strukturen ein gemeinsames Zentrum haben – und möglicherweise durch den Einschlag eines 150 Kilometer großen Asteroiden entstanden sind – vor vier Milliarden Jahren.

Bei ihrer Untersuchung beschäftigten sich die Forscher der Universität Kobe und des National Institute of Technology, Oshima College (beide Japan) mit der Ausrichtung und Verteilung der alten tektonischen Furchen. In der Fachzeitschrift „Icarus“ beschreiben sie, dass diese konzentrisch über fast die gesamte Oberfläche des Jupitermondes verteilt sind. Diese globale Verteilung deutet darauf hin, dass diese Tröge tatsächlich Teil eines riesigen Kraters sein könnten, der Ganymed bedeckt.

Globale Ringstruktur mögliche Folge eines einzigen Ereignisses

Sowohl Voyager 1 als auch Voyager 2 nahmen 1979 und 1980 detaillierte Bilder der Ganymed-Oberfläche auf. Darüber hinaus umkreiste das Galileo-Raumschiff von 1995 bis 2003 den Jupiter und machte eine große Menge an Ganymed-Bildern.

Auf der Oberfläche von Ganymed zeigen sich zwei unterschiedliche Landschaftsformen: hell und dunkel. Die dunklen Gebiete weisen viele Krater sowie Furchen auf. Helle Gebiete weisen kaum Krater auf. Das Erscheinen vieler jüngerer Krater und der helle Gesteinsauswurf lassen vermuten, dass dunkle Gebiete älter sind und die dunklen Strukturen demzufolge die ältesten Formationen auf Ganymed.

Wie die neue Studie zeigt, liegen fast alle dieser Furchen in riesigen, konzentrischen Ringen, die über den gesamten Mond laufen. Dabei treffen sich ihre Mittelpunkte in einer einzigen Region. Das legt nahe, dass diese globale Ringstruktur die Folge eines einzigen Ereignisses war.

Bisher größter Krater „Walhalla“ nur ein Viertel so groß

Die Strukturen messen entlang der Oberfläche des Himmelskörpers über 7.800 Kilometer im Durchmesser. Sollten diese tatsächlich auf einen Einschlag zurückzuführen sein, ist das der größte bisher im Sonnensystem entdeckte Einschlagkrater. Computersimulationen deuten dabei auf die Kollision mit einem 150 Kilometer großen Asteroiden hin, der mit 20 Kilometern pro Sekunde auf Ganymed traf. Den Zeitpunkt des möglichen Einschlags datieren die Forscher auf „vor vier Milliarden Jahren“.

Schlüge ein vergleichbarer Asteroid in London ein, reichte der Krater von Spitzbergen bis zur Sahara und vom Ural bis Neufundland.

Sowohl die Bilder der Voyager- als auch der Galileo-Missionen liefern nur Teilansichten der Oberfläche. Die Forscher hoffen daher, dass zukünftige Explorationen die Ergebnisse dieser Studie bestätigen oder testen können. So soll die Mission JUICE (Jupiter Icy Moon Explorer) der Europäischen Weltraumorganisation ESA nach siebenjähriger Reisezeit 2029 im Jupitersystem ankommen. Zudem wollen sie nach weiteren Überresten großflächiger Einschläge suchen.

Eine ähnliche Ringstruktur, auch bekannt als Walhalla-Krater, ist bereits bekannt. Sie befindet sich auf der Oberfläche von Callisto, einem weiteren Jupitermond. Mit „nur“ etwa 1.900 Kilometer Durchmesser misst Walhalla jedoch weniger als ein Viertel der Ganymed-Ringe.

 

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