Westliche Benimmregeln zu lernen ist ein neuer Trend bei den Chinesen.
Westliche Benimmregeln zu lernen ist ein neuer Trend bei den Chinesen.
Foto: Oli Scarff/Getty Images

Die Kunst der Etikette

China im Knigge-Fieber

von Ying Hartmüller, Samstag, 26. Januar 2013 14:35

 

Wie soll man sich benehmen? Im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs stellen sich viele Chinesen diese Frage. Im Land der Höflichkeit, wie die Chinesen ihr Land bezeichnen, fehlt es vielen Menschen offensichtlich an Verständnis für das richtige Benehmen, nachdem Mao die Traditionen zerstört hat. Westliche Benimmregeln zu lernen, ist ein neuer Trend bei den Chinesen geworden, sodass ein großes Geschäft damit gemacht wird.

„Man soll nicht mit Servietten Teller oder Besteck putzen, wenn man im Restaurant ist", „Das Wort 'Danke' wird in westlichen Ländern viel öfter benutzt", „Die typischen chinesischen Begrüßungen wie 'wo warst du' und 'wohin gehst du' passen nicht für westliche Menschen und können sogar als Störung der Privatsphäre aufgefasst werden. Ein einfaches 'Guten Tag', 'Guten Abend' reichen schon", „Rülpsen am Esstisch ist nicht höflich"... Dies und vieles andere lernen die chinesischen Teilnehmer in ihrem westlichen Benimmkurs.

Die Teilnahme an einem solchen Benimmkurs scheint in China immer beliebter zu werden. Im Internet findet man Angebote von Sprachschulen, westlichen Restaurants bis zu Spezialisten wie der Knigge Akademie. Dabei wollen die Sprachschulen mit ihren Benimmkursen hauptsächlich Studenten anlocken. Dort werden oft in kurzer Zeit einige Benimmregeln westlicher Länder gelehrt und einige Kulturunterschiede beschrieben. Beispielsweise erklärt eine Sprachschule der Stadt Xián die großen Unterschiede bei der Bedeutung von Farben. Die Farbe Weiß habe in westlichen Ländern eine positive Bedeutung und sei die Farbe des Brautkleides, während sie in China die Trauerfarbe sei. Ein Student mit einer Teilnahmebescheinigung eines solchen Kurses kann möglicherweise einen Pluspunkt bei der Bewerbung sammeln. Wenn ein Student das Geld für die Kurse sparen möchte, bekommt er mit ein bisschen Glück durch einen Studentenjob in einem westlichen Restaurant in großen Städten eine kostenlose Ausbildung im Benehmen. Allerdings beschränken sich solche Kurse hauptsächlich auf das Benehmen im Restaurant.

Teurer sind die Benimmkurse von Spezialisten. Die Ausbildung der Knigge-Akademie in Peking umfasst Themen wie Kleidung, Begrüßung, Tischsitten, Körpersprache bis hin zu Basiswissen über Wein. Neben bekannten internationalen Instituten haben auch Privatpersonen aus China dieses lukrative Geschäft entdeckt. Nach Berichten der Webseite bwchinese.com hat Frau He aus Hongkong in Shanghai eine Benimmschule eröffnet. Ihre Zielkunden seien wohlhabende Frauen, die bereit sind, für einen Drei-Monate-Kurs bis zu 100.000 Yuan (etwa 12.000 Euro) auszugeben. Ihrer Meinung nach sei ihre Schule besonders interessant für Führungskräfte von Unternehmen, die oft ins Ausland reisen müssen. Frau He meinte, dass die wahre Höflichkeit der Respekt für die anderen und die Rücksichtnahme seien. Sie habe vor, in China eine Revolution im Bereich des Benehmens auszulösen.



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