Zyanid-Unfall in China

Von 8. Mai 2006 Aktualisiert: 8. Mai 2006 15:45
Wie erst am Freitag bekannt wurde, ist es im Nordwesten Chinas bereits am vergangenen Sonntag zu einem Zyanid-Unfall in einer Goldmine gekommen. Ein Damm brach und eine unbekannte Menge der …

Wie erst am Freitag bekannt wurde, ist es im Nordwesten Chinas bereits am vergangenen Sonntag zu einem Zyanid-Unfall in einer Goldmine gekommen. Ein Damm brach und eine unbekannte Menge der Zyanidlauge wurde freigesetzt und verseucht den Huashui-Fluss in der Provinz Shaanxi. Die Verschmutzung mit dem hochgiftigen Zyanid erstreckt sich bereits über fünf Kilometer.

Durch den Dammbruch wurde auch ein Erdrutsch ausgelöst, der 20 Häuser unter sich begrub, 17 Menschen gelten als vermisst. Die Suche nach ihnen soll jedoch erst aufgenommen werden, wenn die Gefahr durch die Zyanid-Lauge eingedämmt ist, hieß es von offizieller Seite.
Dies illustriert, wie in China durch laxe Sicherheitsstandards Leben und Umwelt gleichermaßen aufs Spiel gesetzt werden. Nach offiziellen Zahlen starben allein in Chinas Kohlegruben im letzten Jahr fast 6.000 Menschen, weitere 2.200 verloren ihr Leben beim Erzabbau. Menschenrechtsgruppen sprechen sogar von bis zu 20.000 Minentoten pro Jahr.
Hoher Goldpreis fördert Umweltzerstörung
Der hohe Goldpreis von derzeit fast 680 Dollar je Feinunze befördert die Gier nach dem Edelmetall. Weltweit wird fieberhaft danach geschürft, gebohrt, gesprengt. Und häufig kommen Techniken wie die Auswaschung mit Zyanid-Lauge zum Einsatz, die große Gefahren bergen. Das Zyanid, das häufig in offenen Becken gelagert wird, muss durch Dämme vor einem Kontakt mit Gewässern oder dem Grundwasser gehindert werden.
Das gelingt leider nicht immer. Einer der folgenschwersten Unfälle der letzten Jahre ereignete sich im Februar 2000 in Rumänien: 120 Tonnen des Giftes ergossen sich in die Theiß. Die Giftmenge hätte – gezielt verabreicht – ausgereicht, um eine Milliarde Menschen zu töten.
Sinnlose Sammelwut
Warum Menschen das Gold in Massen horten ist dabei rational nicht zu erklären. Rund 130.000 Tonnen hat die Menschheit im Lauf ihrer Geschichte bereits aus Erdlöchern an die Oberfläche befördert – nur um den Großteil davon völlig sinnentleert wieder in neuen Löchern, den Tresoren von Nationalbanken, zu verstecken.
Anders als Platin und Silber war es nie von dauerhaftem technischem Nutzen. Zahngold gerät durch neue Keramikentwicklungen aus der Mode, in Computerchips wird Gold fast entbehrlich, als Währungsstandard dient es schon lange nicht mehr. 85 Prozent der weltweiten Jahresförderung von 3.000 Tonnen wird daher von der Juwelierbranche verarbeitet und wandert in private Schmuckschatullen.

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