Enttarnter Islamist war Porno-Darsteller, Bankangestellter – Niemand bemerkte Radikalisierung

Noch 2011 hatte er in Schwulen-Pornos mitgespielt, 2014 konvertierte er heimlich zum Islam, und niemand merkte es: Der Islamist, der beim Bundesamt für Verfassungsschutz enttarnt wurde, hat eine schillernde Lebensgeschichte.

Er ist Konvertit, verheirateter Familienvater von vier Kindern und spanischer Abstammung, berichtete die „Washington Post“ über den Mann, der beim Bundesverfassungsschutz als Islamist enttarnt wurde. Die „Bild“ berichtete die Geschichte von Roque M. auf deutsch:

Als die Ermittler am 16. November die Wohnräume des 51-Jährigen in Tönisvorst durchsuchten, fanden sie einerseits Beweise für den Verrat von Dienstgeheimnissen und andererseits pornographisches Material, auf dem der VS-Mitarbeiter zu sehen war. Bizarrerweise hatte er als Porno-Darsteller das gleiche Pseudonym verwendet, das er noch vor kurzem in einem Islamisten-Chat im Internet nutzte, wo er anderen V-Männern auffiel.

Die Pornos stammten aus dem Jahr 2011 und werden Randnotiz des Falles bleiben, da strafrechtlich irrelevant. Erst 2014 war M., der früher Bankangestellter gewesen war, heimlich zum Islam konvertiert. Vom Verfassungsschutz hatte er sich anstellen lassen, um seinen radikalen Glaubensbrüdern zu helfen und diese über Ausspähung und geplante Aktionen gegen sie zu unterrichten. Dies gab er selbst beim Verhör zu, in dem er ein Teilgeständnis ablegte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf war M. erst im April 2016 als Quereinsteiger vom Verfassungsschutz eingestellt worden, um die islamistische Szene zu observieren.

Multiple Persönlichkeit?

Merkwürdig: M. wurde offenbar radikalisiert, ohne dass sein Umfeld oder seine Familie es bemerkten. Dies schreibt die „Washington Post“, die sich dabei auf VS-Mitarbeiter beruft.

Vor seiner Einstellung im April, sei M. gründlich durchgecheckt worden. Verfassungsschützer hatten seine Ex-Arbeitskollegen und andere Bekannten befragt. Diejenigen, welche die Interviews führten, erklären sich den Fall nun so: M. sei möglicherweise psychisch krank oder besitze eine multiple Persönlichkeit. Das jedenfalls sagte ein Senior-Vertreter der Sicherheitsbehörden anonym zur „Post“. Er war nicht autorisiert, über den Fall zu sprechen.

Nachträglich fragten sich deutsche Geheimdienstexperten nun, wie die Fehleinschätzung M.s passieren konnte: „Angesichts der Informationen, die über diese Person herauskommen, muss die Frage gestellt werden: Wie hat er es überhaupt geschafft, beim Nachrichtendienst zu landen und sowohl seine Arbeitskollegen, als auch seine Familie zu täuschen“, so der Beamte laut „Post“.

Nach Telefonaten radikalisiert

Bei der Radikalisierung des Mannes könnte Mohammed Mahmoud eine Rolle gespielt haben – ein IS-Mitglied ägyptischer Abstammung aus Österreich, schreibt die „Post“. Der Terrorverdächtige hatte im Verhör angegeben, sich nach Telefonaten mit einem gewissen „Mohammed“ aus Österreich radikalisiert zu haben. Mahmoud hatte eine Website betrieben, auf der er Reden von Al-Qaida-Führern übersetzte.

„Bild“ vermutet indessen einen Zusammenhang mit dem kürzlich in Hildesheim verhafteten Ahmad Abdulaziz Abdullah A. (32, „Abu Walaa“). Dessen Wohnsitz war in Tönisvorst, nur gut einen Kilometer Fußweg von der Wohnung des Spaniers und seiner Familie.

„Dass ein Islamist es schafft, durch die Sicherheitsüberprüfungen bei der Einstellung zu kommen, lässt einen schon erst mal fassungslos zurück“, sagte André Hahn gegenüber dem „Tagesspiegel“. Der Linken-Abgeordnete ist stellvertretender Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, das für die Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes und den Verfassungsschutz zuständig ist. Laut „Post“ sagte Hahn auch, die Aufdeckung des Maulwurfs sei eher einem Zufall zu verdanken gewesen: „Es hätte auch passieren können, dass er jahrelang dort gearbeitet hätte.“