Über 80 Jahre Antifa: Bis heute wirkt ihr kommunistisches Erbe

Die Antifa war ursprünglich Teil eines sowjetischen Plans, Deutschland in eine kommunistische Diktatur zu verwandeln. Daher rührt auch ihre Strategie bis heute: Alle anderen Kräfte als faschistisch zu bezeichnen.

Die Geschichte der Antifa als kommunistische „Einheitsfront“ lässt sich zurückverfolgen bis ins Jahr 1921: Damals tagte der „Dritte Weltkongress“ der Kommunistischen Internationale der Sowjetunion in Moskau. Das berichtet die Broschüre „80 Jahre antifaschistische Aktion“ von Bernd Langer, die vom Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur e.V. herausgegeben wurde. Langer ist ein Ex-Mitglied der Autonomen Antifa, die eine der größten Antifa-Organisationen Deutschlands war, bevor sie sich 2004 auflöste.

Antifaschismus stellt eher eine Strategie als eine Ideologie dar.“ – Bernd Langer, ehemaliges Mitglied der Autonomen Antifa

Traum von der Revolution

Die Idee hinter der Einheitsfront-Strategie war, linke Organisationen zusammenzubringen, um eine kommunistische Revolution anzustiften. Die Sowjets glaubten, dass sich nach der russischen Revolution 1917 der Kommunismus auch in Deutschland ausbreiten würde. Grund dafür war die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), welche damals die zweitstärkste kommunistische Partei der Welt war.

Auf dem „Vierten Weltkongress“ der Komintern im Jahre 1922 schmiedete man deshalb folgenden Plan: Moskau würde mit dem Slogan „Heran die Massen!“ die Einheitsfront-Strategie propagieren. Dazu versuchte man, die verschiedenen kommunistischen Parteien und Arbeiterparteien Deutschlands unter einem einzigen ideologischen Banner zu vereinen – und dieses stand selbstverständlich unter der Kontrolle Moskaus.

„Mit der »Einheitsfront« war also nicht eine gleichberechtigte Zusammenarbeit verschiedener Organisationen gemeint, sondern die Dominanz der Arbeiterbewegung durch die Kommunisten“, beschreibt Langer.

Zeitgleich mit Aufstieg des Faschismus

Parallel dazu hatten sich andere Kräfte entwickelt:

Das war in Italien Benito Mussolini – ein Marxist und Sozialist, der 1914 wegen seiner Befürwortung des ersten Weltkriegs aus der Sozialistischen Partei Italiens ausgeschlossen worden war. Er gründete seine eigene politische Partei, die sich Faschistische Bewegung nannte. Mussolini kam im Oktober 1922 an die Macht mit Hilfe des sogenannten „Marschs auf Rom“.

In Deutschland trat Adolf Hitler 1921 als Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) auf den Plan und unternahm 1923 einen Putschversuch.

Die KPD beschloss daher, das Banner des Antifaschismus zu benutzen, um eine Bewegung zu bilden. Langer konstatiert, dass die Ideen des „Faschismus“ und des „Antifaschismus“ der KPD „undifferenziert“ waren und der Begriff „Faschismus“ nur ein rhetorischer war, um die eigene aggressiv-oppositionelle Rolle zu unterstreichen.

Sowohl die kommunistischen als auch die faschistischen Systeme stützten sich auf den Kollektivismus und staatlich geplante Volkswirtschaften. In beiden Systemen wurde das Individuum von einem mächtigen Staat kontrolliert. Und schließlich begingen beide Systeme im großen Stil Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord.

Was der Verfassungsschutz sagt

Im Jahr 2016 stellte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in seinem Jahresbericht fest: Aus Sicht der „Linksextremisten“ beziehe sich die von der Antifa gebrauchte Bezeichnung „Faschismus“ nicht auf den tatsächlichen Faschismus, sondern dieser sei lediglich ein Etikett für „Kapitalismus“.

Während die Linkextremisten also behaupten, den „Faschismus“ zu bekämpfen und damit Attacken auf andere Gruppen rechtfertigen, begründen sie mit dem Begriff „Faschismus“, den „Kampf gegen das kapitalistische System“ im Allgemeinen.

Diese Strategie gab es laut Langer schon seit den Anfängen: Für die Kommunisten in Deutschland war „Antifaschismus“ einfach gleichbedeutend mit „Antikapitalismus“. Und dahinter steckte eine Absicht:

„Faschismus und Antifaschismus wurden von der KPD als undifferenzierte, polemische Kampfbegriffe ins politische Vokabular eingeführt. Die Kommunisten verstanden unter Antifaschismus Antikapitalismus. Demnach waren für die KPD alle anderen Parteien faschistisch, insbesondere die SPD.“ – Bernd Langer

Die Beschreibung der Antifa auf der BfV-Website stellt fest, dass sich an dieser doppeldeutigen Definition bis heute nichts geändert hat:

»Antifaschismus« als Begriff wird auch von Demokraten verwendet, um ihre Ablehnung des Rechtsextremismus zum Ausdruck zu bringen. Mehrheitlich nehmen jedoch Linksextremisten diesen Begriff für sich in Anspruch. Sie behaupten, dass der kapitalistische Staat den Faschismus hervorbringe, zumindest aber toleriere. Daher richtet sich der Antifaschismus nicht nur gegen tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten, sondern immer auch gegen den Staat und seine Vertreter, insbesondere Angehörige der Sicherheitsbehörden.“ – Bundesverfassungsschutz

Putschplan für Deutschland 1923

Am 23. August 1923 hielt das Politbüro der Kommunistischen Partei Russlands ein Geheimtreffen ab, bei dem sich laut Langer alle wichtigen Beamten für einen bewaffneten Aufstand in Deutschland aussprachen.

Die KPD stand an der Spitze der Bewegung und gründete unter dem Banner der Einheitsfront einen bewaffneten „antifaschistischen“ Flügel mit dem Namen „Antifaschistische Aktion“. So nennt sich die Antifa in Deutschland bis heute und auch Antifa-Organisationen anderer Ländern gingen daraus hervor.

Zur gleichen Zeit wurde die NSDAP mit einer ähnlich organisierten Gruppe aktiv: Die „Braunhemden“ übten für ihre politischen Ziele Gewalt und Einschüchterung aus.

Der „Antifaschistischen Aktion“ schlossen sich derweil Mitglieder an, die sich gegen den Aufstieg des tatsächlichen Faschismus in Deutschland wandten ohne dass sie sich den Sowjets anschlossen. Und manche waren sich der Verbindung nicht einmal bewusst.

Linke Gewalt stärkte die Rechten

Allerdings erzielte die von der Antifaschistischen Aktion gestartete Gewalt weitgehend nicht den gewünschten Effekt. Die anhaltende Taktik von Gewalt und Einschüchterung, welche von den konkurrierenden Antifa-Gruppen ausging, trieb viele Menschen dem aufstrebenden Nationalsozialisten in die Arme.

Die gewalttätige revolutionäre Rhetorik der Kommunisten, welche die Zerstörung des Kapitalismus und die Schaffung eines sowjetischen Deutschlands ankündigte, erschreckte die Mittelschicht, die nur zu gut wusste, was mit ihren Pendants in Russland nach 1918 passiert war“, schreibt Richard J. Evans in seiner Trilogie „Das Dritte Reich“.

„Entsetzt über das fehlgeschlagene Krisenmanagement der Regierung und in verzweifelter Angst wegen des Aufstiegs der Kommunisten, fing sie [die Mittelschicht] an, die zerstrittenen Splitter-Fraktionen der konventionellen Rechten zu verlassen und sich den Nazis zuzuwenden.“

KPD wurde stalinistisch

Die KPD, die von Anfang an ein Mitglied der Komintern gewesen war, wandelte sich indessen „innerhalb einiger Jahre zu einer stalinistischen Partei“ – sowohl ideologisch als auch logistisch. Sie wurde sogar „finanziell abhängig vom Moskauer Hauptquartier“ schreibt Langer.

Damit fielen die Führer der KPD samt der Antifa und ihren gewaltbereiten Anhängern an der Basis unter den Befehl des sowjetischen Apparates. Wegen der stalinistischen Verbindung sprechen heutige Antifa-Anhänger davon, dass man die Vergangenheit kritisch sehen müsse. Schließlich wurden laut dem „Schwarzbuch des Kommunismus“ in der Sowjetunion geschätzte 20 Millionen Menschen getötet.

Später wurden viele KPD-Führer dann leitende Beamte der DDR – einschließlich ihres berüchtigten Ministeriums für Staatssicherheit.

Ein Kampfbegriff – bis heute

„Antifaschismus stellt eher eine Strategie als eine Ideologie dar“, dieser Satz aus Langers Rückblick gilt bis heute. Der „Antifaschismus“ wurde im Deutschland der 1920er Jahre von der KPD ins Spiel gebracht, schreibt er – nicht als legitime Bewegung gegen den später in Deutschland entstehenden Faschismus, sondern „als antikapitalistischer Kampfbegriff“.

(deutsch von rf)

Original-Artikel HIER

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