Calais: Flüchtlingscamp „Dschungel“ brennt nach Pariser Terror ab

Kurz nach den Anschlägen von Paris brach ein Großfeuer im berüchtigten „Dschungel“ von Calais aus. 10.000 Quadratmeter des illegalen Migrantenlagers brannten ab.

Der Brand in dem riesigen Camp in Calais brach nur wenige Stunden nach den Anschlägen von Paris aus. Die Ursache ist unklar. Es gab Verletzte, wie ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation berichtete, jedoch keine Toten. Von dem betroffenen Teil des Zeltlagers blieb nichts mehr übrig.

Ob das Feuer in Frankreichs berüchtigstem Flüchtlingscamp mit den Pariser Attentaten zu tun gehabt haben könnte?Der Vizebürgermeister von Calais dementierte: „Dies sind zwei unterschiedliche Dinge und das Feuer hat nichts mit den heutigen Anschlägen in Paris zu tun.“ Erst vor wenigen Tagen war von extremistischen Aktivitäten in und um das Camp berichtet worden, von Linksradikalen wie IS-Kämpfern.
Da die Terroranschläge von Paris die volle Aufmerksamkeit der Medien bekamen, berichteten nur wenige vom Feuer im „Dschungel“ – gestern berichteten große britische Medien wie die Daily Mail. Explodierende Gaskocher in den Zelten, die dicht an dicht stehen, waren das größte Problem für die Feuerwehr. Hinzu kam starker Wind, so Vizebürgermeister Phillipe Mignonet zum russischen Sender RT. Er sagte, dass die Zahl der Evakuierten ungefähr der Zahl der Einwohner des Camps entsprochen habe (ca. 4.500).
Hinweise auf Brandstiftung gab es nicht. Brandschutz und Sicherheitvorkehrungen waren keine vorhanden.


Dschungel“ von Calais ein Riesenproblem
Der „Dschungel“ war in der vergangenen Woche in den Schlagzeilen gewesen, weil es mehrere Nächte hintereinander Krawalle und große Polizeieinsätze gegeben hatte. In der Tat ist das illegale Flüchtlingscamp für Frankreich ein großes Problem, weshalb die Regierung versuchte, vor den Regionalwahlen Anfang Dezember die Lage unter Kontrolle zu bekommen.

Dort herrschen dramatische Zustände. Schleuserbanden drangsalieren die Migranten, Gewalttaten und Diebstahl gehören zum Alltag, hinzu kommen verheerende hygienische Bedingungen. Natürlich ist die Lage in Calais Wahlkampfthema. So prangert zum Beispiel bei jeder Gelegenheit Marine Le Pen das staatliche Versagen in der Migrationspolitik an. Calais sei eine „belagerte Stadt“, die vom Staat aufgegeben worden sei, sagt sie laut FAZ.
Erst vor kurzem wurde gemeldet, dass sich auch einheimische Extremisten die Lage in Calais zu nutze machen: Linksradikale des Schwarzen Blocks und die Gruppe No Border, würden den Migranten die Techniken der Stadtguerilla beibringen und sie bei Straßenschlachten unterstützen, damit diese sich besser gegen die Polizei verteidigen können, schrieben englische Medien. (Mehr dazu hier.)
Berichte über IS-Kämpfer im „Dschungel“
Frankreichs Innenminister sagte er neulich, dass die Zahl der „Dschungel“-Bewohner von 6000 Anfang Oktober auf etwa 4500 gesunken sei. Neben dem berüchtigten Lager in Calais sind in Frankreich an der Küste noch drei weitere, größere illegale Camps entstanden. Viele Migranten haben den „Dschungel“ verlassen, weil sie sich vor dort eingezogenen IS-Kämpfern und Extremisten fürchten berichtete RT andernorts.

Ich habe Angst, denn im Dschungel gibt es Extremisten – Leute, die in Syrien und im Irak für den IS gekämpft haben und nun davon gelaufen sind“ so ein jesidischer Iraker zu RT. Deshalb sei es ihm dort zu gefährlich. Er hat sich in ein anderes Lager mit geschätzten 1.500 Menschen einquartiert – die meisten von ihnen sind irakische Kurden die vor dem IS flohen. (rf)
Nach dem Feuer: Von den Zelten ist nichts mehr übrig.