NATO simuliert russischen Angriff auf Baltikum – während US-Senat Pipeline Northstream 2 stoppen will

Die NATO hat ein symbolträchtiges Militärmanöver in Polen abgehalten, während der US-Senat Druck gegen die russische Pipeline Northstream 2 macht. Geübt wurde für den Fall einer russischen Invasion im Baltikum.

In einem strategisch bedeutsamen Flusstal hat die NATO an der polnisch-weißrussischen Grenze ein Manöver durchgeführt. Simuliert wurde die Verteidigung der sogenannten Suwalki-Enge. Daran waren auch Briten und Amerikaner beteiligt.

Im Herbst plant Russland ein Großmanöver in der Region. Im Falle eines Krieges wäre das Flusstal ein neuralgischer Punkt. Die Russen könnten von hier aus die baltischen Staaten von ihren NATO-Verbündeten isolieren.

Suwalki-Enge für NATO neuralgisch

Ein Angriff würde nicht zwangsläufig dort stattfinden, meinte U.S. Lieutenant General Ben Hodges gegenüber Reuters. Aber: „Wir müssen das üben und zeigen, dass wir unsere Verbündeten unterstützen und den Engpass offen – die Verbindung aufrechterhalten können.“

Seit der Aneignung der Krim durch Russland 2014 hatte die NATO vier Bataillone mit über 4.500 Soldaten nach Estland, Lettland, Litauen und Polen verlegt.

Diese Bataillone zusammen mit Truppen aus Polen, Litauen und Kroatien führten das Manöver durch. Dabei unterstützten britische und US-Luftstreitkräfte.

Russland plant keine Invasion im Baltikum

Russland betonte wiederholt, es habe kein Interesse an einer Invasion im Baltikum. Moskau warnte die NATO, dass ein Ausbau der Streitkräfte vor der russischen Grenze als Aggression gegen Russland gewertet würde.

Dies aber hat den US-Senat nicht davon abgehalten, neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Die Begründung lautet weiterhin, Russland habe sich in den US-Wahlkampf eingemischt.

Der Senat war gerade dabei, einen Gesetzentwurf für Sanktionen gegen den Iran zu verabschieden, wie „The Hill“ berichtete – die Russland-Sanktionen wurden bei der Gelegenheit gleich mit initiiert. US-Präsident Donald Trump setzt darauf, dass die Republikaner den Entwurf stoppen.

US-Widerstand gegen Pipeline Northstream 2

Österreich und Deutschland äußerten ihre Unzufriedenheit über einen Punkt im Entwurf: Sie baten die USA, den Widerstand gegen das Erdgas-Projekt Northstream 2 aufzugeben. Der österreichische Kanzler Christian Kern und der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel sagten Anfang der Woche: Der Widerstand der USA gegen die Pipeline diene dem Erhalt von Jobs in der US-Energiebranche. Ziel sei, russisches Gas vom europäischen Markt zu verdrängen. Die Pipeline soll Erdgas aus Russland unter dem Baltischen Meer hindurch nach Deutschland transportieren.

„Die Energieversorgung Europas ist eine Angelegenheit Europas und nicht die der USA“, so Kern und Gabriel einhellig.

Unterdessen betonte die NATO, die Übungen hätten symbolischen Charakter. Das Training sei eher als Geste zu verstehen – nicht als Generalprobe für einen Krieg. „Das ist eher eine klein-skalige Übung, verglichen mit dem, was für einen echten Angriff nötig wäre“, betonte Brigade-General Valdemaras Rupsys, Chef der Litauischen Bodentruppen.