„Demokratische Reform“: Der Leidensweg der Tibeter unter Pekings Herrschaft

Von 1. September 2020 Aktualisiert: 1. September 2020 21:42
Unter dem Deckmantel der "Demokratischen Reform" unterdrückt die Kommunistische Partei Chinas seit 1949 Tibet. Seither starben 1,2 Millionen Tibeter eines unnatürlichen Todes.

Der Dalai Lama, das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, lebt seit mehr als einem halben Jahrhundert im Exil. Heute können Tibeter allein für die Verbreitung eines Fotos von ihm in den sozialen Medien strafrechtlich verfolgt werden.

Peking kündigte das Verbot 1996 formell an. Durch die Veröffentlichung einer Mitteilung in der Zeitung Tibet Daily erklärte die Kommunistische Partei Chinas (KPC) alle Fotos des Dalai Lamas sowie andere religiöse Artefakte für verboten.

Doch wie war die Lage Tibets vor der chinesischen Annexion 1950?

Die Region Tibet ist die Heimat tief verwurzelter kultureller Traditionen. Bevor die KPC an die Macht kam, genossen Generationen von Tibetern ihre friedliche, von der Religion dominierte Lebensweise und ein hohes Maß an Autonomie.

Kampf gegen die Kultur der Tibeter

Nach ihrem Glaubenssystem ist der Dalai Lama die Inkarnation von Buddha. Einen tibetischen Buddhisten zu zwingen, den Dalai Lama zu denunzieren, wäre gleichbedeutend damit, einen hingebungsvollen Christen zu zwingen, Jesus Christus zu verurteilen.

Doch das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie Peking die traditionelle Kultur der Tibeter unterdrückt.

Nach der Machtergreifung der Kommunisten 1949 in China dauerte es nur ein Jahr, bis die Truppen Chinas in Tibet einmarschierten. Die schlecht ausgerüstete tibetische Armee konnte dem nicht standhalten. Ein weiteres Jahr später, 1951, waren die Tibeter gezwungen, ein 17-Punkte-Abkommen zu unterzeichnen. Darin versprach die Partei, die Autonomie Tibets zu wahren. Doch als die chinesische Militärmacht in der Region dominanter wurde, fiel es den Tibetern immer schwerer, ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren.

Sie gründeten die Tibetische Volkskonferenz (TPC), in der Hoffnung, den Stimmen der Tibeter Gehör zu verschaffen. Die Gruppe suchte auch den Dialog mit der Volksbefreiungsarmee (PLA) und bedrängte Peking, die Vereinbarung über die tibetische Autonomie zu respektieren. Daraufhin erklärte die KPC in Peking die TPC als Rebellengruppe und drohte dem Dalai Lama und dem tibetischen Volk mit „äußerst negativen Konsequenzen“, falls sich die Gruppe nicht auflösen würde. Unter dem gewaltigen Druck löste sich die TPC später auf. Man verhaftete ihre Führer, wobei einige starben.

Peking fuhr fort, mit aufdringlicher Dominanz seine so genannte „Demokratische Reform“ in ganz Tibet durchzusetzen. Sie bauten zwei Hauptstraßen durch die Region, um ihre stationierten Armeen mit Nachschub zu versorgen. Der tibetische Widerstand geriet an den Rand des Untergangs.

Die KPC-Kultur: Klassenhass

Die sogenannte Reform der KPC teilte die Tibeter in soziale Klassen ein und ermutigte die Armen, die Reichen zu hassen und zu bestehlen. Ein Funktionär der Kommunistischen Partei Chinas erklärte einmal der alten tibetischen Frau Rong A-Dan:

Wir müssen die Beziehung zwischen dem Volk und den Persönlichkeiten, die unter der Bevölkerung starkes Ansehen und Anzieh- und Mobilisierungskraft haben, zerstören.“

(KP-Beamter in Tibet)

Doch anstatt dass sich die Tibeter gegeneinander aufstacheln ließen, wuchs der Unmut über die Herrschaft der KPC im Laufe der Zeit immer mehr. Als sich die Situation weiter anspannte und immer mehr Tibeter zurückschlugen, begann die chinesische Armee die sogenannten „Rebellenbanditen“ abzuschlachten.

Ganze Dörfer flüchteten vor den chinesischen Invasoren, Männer, Frauen und Kinder. Klöster und Tempel wurden bombardiert –beispielsweise wurde am 29. März 1956 der Litang-Tempel, einer der größten Tempel Tibets, vollständig zerstört. Bei dem Angriff wurden mehr als 2.000 Tibeter getötet.

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Das Gemetzel von 1958

Zwei Jahre später, im Mai 1958, kamen 7.487 geflüchtete Tibeter auf einer Grasbank entlang des Gelben Flusses an und hofften, dort ein friedliches Leben führen zu können. Laut Aufzeichnungen der Autonomen Tibetischen Präfektur Huangnan hatten sie 2.335 Pferde und 1.357 Gewehre bei sich. Doch statt eines friedlichen Lebens erwartete sie ein tödliches Gemetzel. Ein in Tibet tätiger chinesischer Beamter wurde Zeuge des Massakers. In seinem Buch „Ein Bürgerkrieg, der verloren gegangen ist“ hielt er die Ereignisse fest, die China als „Keshengtuolo Strandumzingelung und Vernichtungskampagne“ bezeichnete:

Wir konnten die bewaffneten ‚Rebellenbanditen‘ nicht von den gewöhnlichen Menschen unterscheiden. Menschen, die Gewehre trugen, buddhistische Perlen und Luftschlangen schwenkten, Kühe und Pferde trieben und Babys hielten, waren alle vermischt. Sie stürmten verzweifelt auf das Ufer des Gelben Flusses zu, wurden aber von den Maschinengewehren der Truppen begrüßt. Bald begannen Leichen entlang des Flusses zu treiben, wobei sich Blutströme im Wasser auflösten“.

(Augenzeuge)

Ein weiterer tragischer Krieg fand in der Nähe eines Bergbachs in der Provinz Qinghai statt, einer wichtigen Provinz auf dem tibetischen Plateau.

Li Jianglin, ein unabhängiger Gelehrter, der sich auf tibetische Geschichte spezialisiert hat, schätzt, dass die PLA Bomber und etwa 9.000 Soldaten entsandt hatte, um Tibeter abzuschlachten. Sie nannten die Getöteten „Rebellenbanditen“. Die sogenannte Volksbefreiungsarmee verhaftete die Überlebenden und bezeichnete sie als „die geretteten Massen“. Nach dem Angriff machten sich die Truppen nicht einmal die Mühe, das Schlachtfeld zu bereinigen. Sie ließen die Leichen dort zum Verrotten zurück.

Gewehre und Hungersnot

Die Kriege und eine darauf folgende Hungersnot töteten fast die Hälfte der tibetischen Bevölkerung. Seit Ende 1950 hat die KPCh in einigen Gebieten tibetische Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren verhaftet, um Unruhen oder organisierte Rebellion zu vermeiden, schildert die „New York Times“ die Situation.

Laut einer internen Quelle in der staatlichen „Xinhua News Agency“ aus dem Jahr 1962 weisen einige Regionen, in denen die Tibeter leben, „ein Verhältnis von jungen Männern zu Frauen von mehr als eins zu sieben und an manchen Orten von mehr als eins zu zehn“ auf. Der Mangel an Männern und Jungen machte es für die Tibeter schwierig, Naturkatastrophen zu überleben.

Ein letzter Protest

Am 26. November 2019 starb ein 24-jähriger Tibeter bei einem Selbstverbrennungsprotest. Dies ist der 155. tibetische Freitod, der innerhalb des letzten Jahrzehnts öffentlich bekannt wurde.

Doch warum ging der Tibeter diesen grausamen Weg? Laut Luo Sang Sen Ge, Leiter der Zentralabteilung der tibetischen Verwaltung, hätten die Tibeter nicht das Recht, friedlich zu demonstrieren. Wenn jemand dies versuche, werde er verhaftet, eingesperrt und gefoltert. Infolgedessen hätten sich einige Menschen entschieden, auf diese Weise zu protestieren.

Beim seinem Kampf gegen die traditionelle Kultur Tibets zerstörte das Pekinger Regime rund 6.000 tibetisch-buddhistische Klöster. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung starben seit der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1,2 Millionen Tibeter an Verfolgung oder Hunger.

Siehe auch Report: „Tibet’s Stateless Nationals III“ des Tibet Justice Center (PDF, englisch)

Mit Material von NTD