WeChat überwacht seine Nutzer im Ausland, um die Zensur in China zu verbessern

Von 13. Mai 2020 Aktualisiert: 13. Mai 2020 8:59
Chinesische Social-Media-Apps sehen sich wachsenden internationalen Sicherheitsbedenken gegenüber. Dass die Bedenken berechtigt sind, belegt eine neue Studie von „The Citizen Lab“. Sensible Themen, welche der Kommunistischen Partei Chinas nicht passen, werden nicht nur bei WeChat-Nutzern in China nicht angezeigt, sondern auch nicht bei den Konten, die im Ausland registriert sind.

Internationale Nutzer der chinesischen App „WeChat“ tragen vermutlich dazu bei, das Zensursystem für Nutzer innerhalb Chinas zu verschärfen, so der jüngste Bericht des digitalen Beobachters „The Citizen Lab“.

Die App hat über eine Milliarde aktive Nutzer pro Monat weltweit. Sie ist bekannt dafür, ihre Nutzer in China zu zensieren, um sicherzustellen, dass die geteilten Inhalte zu den Themen gehören, welche von der Kommunistischen Partei Chinas als akzeptabel erachtet werden. 

Der Bericht stellte fest, dass auch die Kommunikation unter Nutzern außerhalb Chinas unter Überwachung steht, um den Zensur-Algorithmus der App für die Nutzer in China anzupassen. Die Ergebnisse zeigen, dass Nutzer außerhalb Chinas einer „allgegenwärtigen Inhaltsüberwachung unterliegen, von der man früher dachte, dass sie ausschließlich in China registrierten Konten vorbehalten sei“, stellt „Citizen Lab“* in dem Bericht klar.

Rund 100 Millionen Nutzer außerhalb Chinas

Nach Angaben der Münchner Firma „Messenger People“ besitzen rund 100 Millionen Menschen WeChat-Konten, die außerhalb Chinas registriert sind. Innerhalb Chinas bietet die App eine Vielzahl von Dienstleistungen, wie zum Beispiel Chatten, Einkaufen, Marketing, Bankgeschäften, aber auch Buchungen von Kinokarten oder Taxis.

Die Autoren des Berichtes kamen zu dem Ergebnis, dass WeChat Bilder und Dokumente sichtet, welche ausländische Nutzer austauschen. Die Firma nutzt diese Daten, um die Nutzer in China zu zensieren.

Dazu haben die Forscher zwischen November 2019 und Januar 2020 mehrere Experimente durchgeführt. Sie richteten zu Testzwecken zwei Gruppen-Chats ein: Einer hatte nur Nutzer im Ausland und ein anderer hatte Nutzer, die ihr Konto in China registrieren ließen. 

Beim Verschicken von politisch sensiblen Bildern und Dokumenten an die Nutzer im Ausland haben die Forscher des Berichtes festgestellt, dass die Dateien kurz darauf für die Nutzer, die in China registriert sind, zensiert wurden.

Sensible Themen werden bei Konten in China und im Ausland nicht gezeigt

Eine Reporterin der Epoch Times führte ebenfalls Tests durch. Sie wollte wissen, wie weit die Zensur von WeChat reicht. 

„Ich habe meinen Eltern in China ein Bild per WeChat von meinem Sohn schicken wollen. Das Bild war auf der Schulwebseite zu sehen“, erzählte sie. Ihre Eltern konnten die Webseite in China nicht öffnen, obwohl es sich um eine deutsche Schule handelt. 

Als anderen Test hat sie eine beliebige deutsche Webseite an einem Bekannten per WeChat geschickt, der sein Konto in Deutschland registriert hat. „Er konnte die Webseite ohne Probleme öffnen“, sagte sie.

Einen dritten Test machte sie ebenfalls mit dem Bekannten. Sie schickte ihm einen Link eines chinesischen Artikels der „Daji Yuan“ (die chinesischsprachige Epoch Times) – wobei das Thema des Artikels gar nicht politisch war. Der Bekannte konnte den Link nicht öffnen und bekam obendrein noch eine Warnung auf Deutsch. 

Das zeigt, dass es einen großen Unterschied ausmacht, ob ein WeChat-Konto in China oder im Ausland registriert ist.

Sensible Themen, welche der Kommunistischen Partei Chinas nicht passen – wie Menschenrechtsverletzungen oder bestimmte Websites, die kritisch über die Geschehnisse in China berichten – werden nicht nur bei WeChat-Nutzern in China nicht angezeigt, sondern auch nicht bei den Konten, die im Ausland registriert sind.

Man kann davon ausgehen, dass die Zensur auch auf die Inhalte der Corona-Pandemie zutrifft und die WeChat-Nutzer generell nicht alle Informationen bekommen. Das ist verfassungswidrig“, erklärt die Reporterin.

Forscher schlägt Bußgelder für Irreführung von Nutzern vor

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WeChat bewahrt den Forschern des „Citizen Lab“ zufolge auch die Daten der Dateien auf, die von Nutzern in der App gelöscht und daher nie von anderen Gruppen-Chats empfangen wurden.

„Keine der Informationen, die WeChat den Nutzern zur Verfügung stellt, erklärt die Gründe für eine solche Überwachung“, stellt der Bericht fest. Die Datenschutzmitarbeiter von WeChat haben die Fragen der Forscher bezüglich der Datenverarbeitungspraktiken des Unternehmens nie vollständig beantwortet.

Tencent, ein in Shenzhen ansässiger Technik-Gigant, dem die App gehört, erklärte am 8. Mai: „Im Hinblick auf die Anregung, dass wir eine Inhaltsüberwachung internationaler Nutzer durchführen, können wir bestätigen, dass alle Inhalte, die von internationalen Nutzern von WeChat ausgetauscht werden, privat sind.“

Obwohl weitere technische Analysen notwendig sind, um festzustellen, ob andere chinesische Firmen die gleichen Warnsignale zeigen, ist es „plausibel, dass andere Plattformen die Überwachung in ähnlicher Weise nutzen“, so Jeffrey Knockel, ein promovierter wissenschaftlicher Mitarbeiter des „Citizen Lab“, der den Bericht mitverfasst hat. Er schlug vor, dass Datenschutzbehörden Bußgelder an Unternehmen wegen der Irreführung von Nutzern verhängen sollten.

WeChat: 516 Schlüsselwortkombinationen zu COVID-19 auf Schwarzer Liste

Der Bericht verstärkt die wachsende Kritik an der Zensur und den Datenverarbeitungspraktiken der chinesischen Social-Media-Plattformen. In diesem im März veröffentlichten Bericht stellt „Citizen Lab“ bereits fest, dass WeChat in China die Diskussion über den COVID-19-Ausbruch im Januar aktiv zensierte.

Das Labor aus Toronto ermittelte 516 Schlüsselwortkombinationen, welche in direktem Zusammenhang mit dem Virus auf einer WeChat-Blacklist standen. Darunter befanden sich auch Hinweise auf den am COVID-19 verstorbenen Arzt Li Wenliang, der versuchte, die Auswirkungen des Virus aufzudecken.

Hinzu kommt laut „Citizen Lab“: Eine nicht umfassende Sammlung von polizeilichen Verlautbarungen über die Bestrafung von „Gerüchteverbreitern“ zeigt, dass um den 24. und 25. Januar 2020 mindestens 40 Personen Verwarnungen, Geldstrafen und/oder Verwaltungs- oder Strafhaft erhielten. Eine andere Veröffentlichung nennt 254 Fälle von Bürgern, die zwischen dem 22. und 28. Januar 2020 in China wegen „Verbreitung von Gerüchten“ bestraft wurden.

Einige Beispiele für blockierte Wörter

Dazu gehören beispielsweise folgende Wörter und Wortgruppen (auf Englisch sowie in traditionellem und vereinfachtem Chinesisch): Epidemic + Colour revolution + Li Wenliang, Voice + People-to-people transmission + Li Wenliang, Defenders + China + Human + Rights + arrest, „Xi Jinping goes to Wuhan“, „Xi Jinping“ + „Epidemic Spread“, Wuhan seafood market, Virus infected, p4病毒实验室 – P4 virus lab, Unknown Wuhan pneumonia, Wuhan Health Committee, Pneumonia patient, Atypical pneumonia, Pneumonia + Li Keqiang + Wuhan + Premier + Beijing, Someone + Himself [„jemand“ ist ein Code, der auf Xi Jinping verweist], Online teaching + Strongly + Promote, Lockdown of a city + Military, US Centers for Disease Control + Coronavirus, Hong Kong + Hong Kong government + Health prevention + Hong Kong people, Masks + Taiwan + Export + Country, Death case + Pneumonia + Death toll, Hubei + Five demand.

Außerdem gelten ältere „Schwarze Listen“ weiterhin, bestimmte Wörter sind bereits seit 2017 blockiert. Seit Juli 2015 wurden über 250 chinesische Rechtsanwälte, Mitarbeiter von Anwaltskanzleien, Aktivisten und ihre Angehörigen von Beamten der öffentlichen Sicherheit in China inhaftiert. Das Ereignis wurde später als „709 Crackdown“ („709大抓捕“) bezeichnet, da der erste Anwalt am 9. Juli 2015 verschwand.

US-Abgeordnete warnen vor Sicherheitsbedrohungen und Spionage

Ende April legten US-Abgeordnete einen Gesetzesentwurf mit dem Titel „Gegen chinesische Spionageversuche“ vor. Der Entwurf zielt darauf ab, Bundesangestellten zu verbieten, technische Plattformen zu benutzen, die der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas unterliegen. Tencent ist eines der chinesischen Unternehmen auf dieser Liste.

„Unternehmen wie Tencent und Huawei sind Spionageoperationen für die Kommunistische Partei Chinas, die sich als Telekommunikationsunternehmen für das 21. Jahrhundert tarnen“, teilte Senator Ted Cruz in einer Pressemitteilung mit. Demnach sei es „eine vernünftige Maßnahme zum Schutz der nationalen Sicherheit Amerikas“, den Steuerzahler daran zu hindern, einen Beitrag zu diesen Plattformen zu leisten.

Der Abgeordnete Jim Banks hat kürzlich ebenfalls eine Resolution vorgestellt, um vor den nationalen Sicherheitsbedrohungen zu warnen, welche von der populären chinesischen Video-Sharing-App TikTok ausgehen. In der Resolution heißt es: „Die Amerikaner sollten wissen, was was ist, bevor sie den Download-Knopf drücken.“

Zoom steht auch wegen Sicherheitslücken unter Druck

Zoom hat als Videokonferenz-App enorm an Popularität gewonnen, weil Millionen von Amerikanern wegen den Corona-Schutzmaßnahmen von zu Hause aus arbeiten müssen. Das Unternehmen sieht sich allerdings weltweit wachsenden Datenschutz- und Sicherheitsbedenken gegenüber.

Die Forscher von „Citizen Lab“ beobachteten im April während mehrerer Testanrufe in Nordamerika, dass Zoom Daten an Server in Peking sendet. Dies warf Fragen auf, ob solche Daten in die Hände von nationalstaatlichen Angreifern wie dem chinesischen Regime gelangen könnten. Das Unternehmen gab jedoch an, dass die Daten versehentlich über China geleitet wurden.

„Peking könnte theoretisch verlangen, dass die Schlüssel für diese Anrufe den chinesischen Behörden zur Entschlüsselung übergeben werden, sodass sie vollen Zugang zum Inhalt dieser Anrufe erhalten und vermeintlich private Gespräche mithören können“, sagte Attila Tomaschek, Datenschutzexperte bei ProPrivacy, gegenüber der Epoch Times.

 

*Das „Citizen Lab“ ist ein interdisziplinäres Labor an der Universität von Toronto, das sich auf Forschung, Entwicklung sowie politisches und rechtliches Engagement in Informations- und Kommunikationstechnologien bei Menschenrechten und globaler Sicherheit konzentriert.

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von sza)
Originalfassung:
China’s WeChat Monitors Overseas Users to Bolster Censorship at Home, Report Says

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Viele bezeichnen ihr berufliches oder soziales Umfeld metaphorisch als „Schlachtfeld“ – doch für die KP China bedeutet es Krieg im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Partei, die die Regierung Chinas stellt, vertritt den Grundgedanken der „uneingeschränkten Kriegsführung“: „Einfach ausgedrückt, Schwarzkopf [Oberbefehlshaber der multinationalen Streitkräfte des Golfkriegs] + Soros + Morris [Schöpfer des Morris-Wurm-Computervirus] + bin Laden? Das ist unsere wahre Karte, die wir ausspielen“, so zwei chinesische Oberste, die „Erfinder“ der „Uneingeschränkten Kriegsführung“.

Der Schlüsselpunkt dazu sind nicht unbedingt die unter Waffen stehenden Streitkräfte, sondern die „Generalisierung von Krieg“ für jeden chinesischen Landesbürger. „Uneingeschränkte Kriegsführung“ meint, dass „alle Waffen und Technologien nach Belieben eingesetzt werden können; was bedeutet, dass alle Grenzen zwischen Krieg und Frieden, zwischen militärischer Welt und ziviler Welt aufgebrochen werden.“

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