Angst: Eine Krankheit unserer Zeit

Von 13. September 2021 Aktualisiert: 19. September 2021 12:50

Christine ist eine vor kurzem geschiedene 38-jährige Mutter, die gerade „einiges durchmacht“. Seit Beginn der Pandemie hatte ich sie lange nicht mehr gesehen.

Zurück in meiner Arztpraxis habe ich sie kaum wiedererkannt – sie trug einen Hut, zwei Gesichtsmasken und übergroße Plastikhandschuhe, kombiniert mit einer Designer-Sonnenbrille, immerhin.  Verblüfft, sie so zu sehen, fragte ich, ob es ihr gut gehe. Es platzte förmlich aus ihr heraus: Sie hat bereits beide Impfdosen erhalten, aber sie müsse nun ihre siebenjährige Tochter weiterhin schützen.

Zu meinem Bedauern habe ich im letzten Jahr viel zu viele Patienten wie Christine gesehen. Die Angst hat ihr Leben übernommen. Es spielte bereits keine Rolle mehr, ihr zu erklären, dass ihre Ängste an sich unbegründet sind – kein Wunder angesichts der massiven täglichen Medienpräsenz. Während diese Ängste für mich unbegründet sind, bin ich mir aber auch im Klaren darüber, dass die Angsterfahrung für Christine sehr real ist.

In unserer jetzigen Zeit ist Angst zu einer weit verbreiteten Krankheit geworden. Angst wird gemeinhin definiert als die Überzeugung, dass jemand oder etwas gefährlich ist und wahrscheinlich Schmerzen verursacht oder eine Bedrohung darstellt wie zum Beispiel ein Hai, der neben einem schwimmt.

Als Arzt und Gynäkologe gehören zu meinen Ängsten Blut im Bauch oder ein abfallender Herzschlag des Fötus. Das liegt daran, dass ich die Hälfte der Zeit in meiner Klinik und die andere Hälfte als Krankenhausarzt tätig bin und mich um Fälle kümmere, die in der Notaufnahme oder auf der Entbindungsstation auftreten.

In einem vernünftigen Rahmen ist Angst ein durchaus gesundes Gefühl. Aber irrationale Ängste zwingen uns nicht zu einer besseren, schnellen Entscheidung, sondern rufen nur noch größere Angstzustände hervor.

Diese falsche, irrationale Angst entsteht in unseren Gedanken und Vorstellungen. Wir alle haben irgendwann in unserem Leben unbegründete, falsche Ängste. Damit werden wir aber in der Regel ganz gut fertig, und dann lassen sie auch schnell nach. Nehmen wir einmal als Beispiel meine Angst vor engen Räumen. Ich fühle mich damit nicht wohl, kann das aber ganz gut unter Kontrolle halten. Dennoch vermeide ich in einem Flugzeug möglichst den mittleren Sitz!

Ich habe Christine gefragt, wovor sie denn so große Angst hat. Ihre Antwort war: „An COVID zu sterben und meine Tochter allein zu lassen.“ Sie unterrichtet ihre Tochter jetzt zu Hause und geht nur noch raus, wenn es unbedingt notwendig ist.

Sie zitierte Statistiken, die sie gelesen hatte, und Nachrichten aus dem Fernsehen und den sozialen Medien.

Wie kann eine intelligente, scheinbar vernünftig-rationale Person so tief in den Fuchsbau der Angst abtauchen? Die Medien verstehen sich darauf, Angst und Schrecken zu verbreiten, was hier gewiss eine große Rolle spielt. Die Folgen dieser Angstmacherei wiegen schwer. Die auf diese Weise erzeugte pathologische Angst führt zu ständigen Sorgen und Dauerstress. Seit der Pandemie ist die Zahl der Angst- und Stresserkrankungen sowie weiterer ernster psychischer Probleme sprunghaft angestiegen.

Jede Maßnahme, die wir in der Medizin oder durch die Gesundheitspolitik ergreifen, dazu zählen Lockdowns und „Social Distancing“-Auflagen, hat unbeabsichtigte Folgen. Der Anstieg der Selbstmordrate bei Jugendlichen seit Einführung dieser Maßnahmen ist ein weiteres tragisches Beispiel hierfür. Das Gleiche gilt für den Anstieg der Zahl der Menschen – einschließlich Kinder –, die bei Angstzuständen und Depressionen mit Medikamenten behandelt werden.

Was kann man gegen diese Ängste tun? Wie damit umgehen? Die Wurzel des Problems ist, dass diese Ängste oft auf Überzeugungen beruhen, an denen wir festhalten. Wir nehmen keine neuen Fakten mehr auf, überdenken unsere Annahmen nicht mehr und akzeptieren nur noch Informationen, die genau das bestätigen, wovon wir bereits überzeugt sind.

Treffen Sie eine unter übermäßigen Angstzuständen leidende Person, dann ist es ein guter Schritt, erst einmal eine gemeinsame Basis zu finden. Erkennen Sie an, dass die Ängste für denjenigen sehr real sind. Werten Sie die Gefühle der Person nicht ab.

Ich sagte Christine, dass ich weiß, dass COVID-19 schlimm ist und niemand von uns krank werden möchte. Dann erzählte ich ihr, dass ich schon viele auf COVID-19 positiv getestete Patienten operiert habe, aber meine Angst unter Kontrolle hatte. Damit habe ich nun vielleicht nicht das allerbeste Beispiel erzählt – denn als sie das hörte, sah es aus, als würde sie den Atem anhalten, bis ich endlich den Raum verließ.

Es ist nun nicht so, dass ich sie davon überzeugen konnte, alles sei in bester Ordnung und sie könne wieder in ihr Leben zurückfinden. Aber ich habe sie zumindest dazu gebracht, einem Gespräch mit einem Therapeuten zuzustimmen, der ihr und damit auch ihrer Tochter helfen könnte.

Diese Pandemie der Angst ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass wir mit einer begrenzten Auswahl an Daten überhäuft werden. Unser Gehirn muss sichten und entscheiden, was wir für stichhaltig erachten und was nicht. Einige Daten wie die Anzahl der neuen COVID-19-Infektionen werden andauernd wiederholt, während andere Daten nur selten erwähnt werden – wie zum Beispiel die Anzahl der Infizierten (positiv Getesteten), die sich zu keinem Zeitpunkt krank gefühlt haben. Während wir mit einigen Daten überhäuft werden, fehlt uns der entscheidende Kontext für andere Daten. Manchmal ist es angezeigt, einfach eine Pause einzulegen und einen gesunden Abstand zu der Flut von Informationen zu bewahren, die nichts als Angst verbreiten.

Inmitten all dieser Ungewissheit ist es wichtig, Unterstützung zu finden. Diese kann spirituell sein, zum Beispiel innerhalb religiöser Netzwerke, oder körperlich durch Bewegung, Sport und raus in die Natur zu gehen, oder geistig durch Meditation und beruhigende, entspannende Aktivitäten, denen man schon immer gerne nachgegangen ist.

Studien belegen, dass man durch Übungen, die mit einer hohen Intensität ausgeführt werden, Angst und Furcht sehr gut entgegenwirken kann. Es ist auch belegt, dass Yoga die Symptome von generalisierter Angst reduziert.

Christine hat mir kürzlich eine Nachricht geschickt und mir mitgeteilt, dass es ihr wieder viel besser geht. Sie hat damit angefangen, gemeinsam mit ihrer Tochter lange Spaziergänge zu machen. Sie waren sogar zusammen am Strand. Die Termine beim Therapeuten, an den ich sie verwiesen hatte, gaben ihr eine zusätzliche Hilfestellung.

Als ich in die Medizin einstieg, hätte ich nie gedacht, dass ich meine Patienten wie ein Therapeut beraten würde. Es ist jedoch erstaunlich, wie viel wir alle lernen können, wenn wir einfach nur zuhören, was ein anderer Mensch sagt, und fähig und bereit sind, zu helfen. 

Viele Menschen brauchen einfach jemanden in ihrem Leben, der ihnen hilft, ihre unkontrollierten Ängste in den Griff zu bekommen und eine breitere Perspektive zu entwickeln. Das gilt für uns alle, wenn wir Gefahr laufen, zu viel Angst zu entwickeln.

Wie Yoda es im „Krieg der Sterne“ so treffend gesagt hat: „Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“



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