Luchs „Toni“ hilft Tierschützern in Baden-Württemberg

Von 24. April 2020 Aktualisiert: 24. April 2020 8:12
Nur wenige Luchse kommen aus dem Schweizer Jura oder den Alpen nach Deutschland und durchstreifen dann oft völlig unbemerkt heimische Wälder. Eine der scheuen Großkatzen konnten Tierschützer jüngst kurz aufhalten und tauften diese auf den Namen „Toni“.

„Luchse zählen zu den seltensten Tieren im Land. Daher ist es jedes Mal eine kleine Sensation, wenn unseren Experten eines dieser scheuen Wildtiere vor die Linse läuft oder unsere Jäger diese in freier Wildbahn beobachten können“, sagte Diplomforstwirt und Minister für Ländlichen Raum Peter Hauk (CDU). Noch seltener gelingt es, einen in freier Wildbahn lebenden Luchs kurzzeitig zu fangen und mit einem Halsbandsender auszustatten.

Wildtierbeauftragten und der lokalen Jägerschaft gelang eine solche Besenderung bei Gernsbach im Nordschwarzwald Mitte April 2020. Bereits seit Oktober 2019 mehrten sich Nachweise eines Luchses, teils über die Jägerschaft, teils über Fotofallen der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA).

Aus den Daten des Halsbandes erhoffen sich die Experten nun Informationen zu Lebensraumansprüchen, dem Wanderverhalten und über das Beutespektrum des Tieres.

Ganzjährige Schonzeit für Luchse

Mit der Besenderung tauften die Wildhüter den Luchs auf den Namen „Toni“, vorher trug er die wenig poetische Bezeichnung B3001. Woher das männliche Tier stammt, sollen genetische Analysen klären. Eine Zuwanderung aus der Schweiz gilt jedoch als wahrscheinlich. Ob Toni nur auf der Durchreise ist oder sich langfristig im Nordschwarzwald niederlässt, werden die Daten des Halsbandsenders zeigen.

Luchse unterliegen bundesweit dem Jagdrecht und haben ganzjährige Schonzeit. In Baden-Württemberg liegt die Zuständigkeit für Luchse beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Die Beobachtung übernimmt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt.

Luchse sind nach Angaben der Landesregierung für Menschen ungefährlich und auf die Erbeutung von Rehen und Gämsen spezialisiert. Schafe oder Ziegen werden nur selten von Luchsen angegriffen. Im Schadensfall erhalte der Tierhalter eine Ausgleichszahlung durch das Land. Der Arbeitsgruppe Luchs und Wolf sowie die Wildtierbeauftragten der Region wurden von Tonis Anwesenheit informiert.

Einer von (einst) vielen

Ursprünglich waren Luchse bis ins späte Mittelalter in ganz Mitteleuropa verbreitet. Vor 40 Jahren wurden Luchse in der Schweiz aktiv angesiedelt. Seit den 90er Jahren ist von dort die Zuwanderung einzelner ausschließlich männlicher Luchse nach Baden-Württemberg nachgewiesen. Aufgrund fehlender weiblicher Luchse haben diese sich jedoch selten über eine längere Zeit niedergelassen.

Seit 2004 konnten 13 verschiedene Tiere in Baden-Württemberg nachgewiesen werden, fünf Luchse erhielten einen Halsbandsender. Für alle übernahm der Landesjagdverband die Patenschaft. Tonis Artgenossen „hören“ auf die Namen Friedl, Tello, Wilhelm und Lias.

Hinweise auf die seltenen Großkatzen sollten „möglichst rasch“ den zuständigen Behörden gemeldet werden. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt ist unter 0761 4018 274 oder [email protected] zu erreichen.

Nach verschiedenen Medienberichten wurden Luchse unter anderem in Sachsen und Thüringen gesichtet. Nach Schätzungen des WWF waren 2017 einhundert bis 130 Tiere in den Wäldern Deutschlands unterwegs, darunter auch im Harz, im Bayerischen Wald und im Pfälzerwald.

(Mit Material der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg)

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