Deutschland heißt die Migranten herzlich willkommen.Foto: Istock

Flüchtlingshelferin klagt: „Viele haben längst verinnerlicht, dass es fast alles umsonst gibt“

Von 27. September 2019 Aktualisiert: 27. September 2019 20:19
Seit fünf Jahren arbeitet Gabriela B. in der Flüchtlingshilfe. In der „Welt“ berichtet sie über ihre Erfahrung und nennt die Gründe dafür, dass nicht nur sie, sondern auch viele andere Helfer Ernüchterung empfinden. Viele Betreute würden bei erster Gelegenheit den Kontakt abbrechen, sich nicht um Arbeit bemühen oder Vereinbarungen nicht einhalten.

In einem Beitrag für die „Welt“ schildert Gabriela B., eine 67-jährige ehemalige Betreuerin im Strafvollzug, die sich seit ihrer Pensionierung vor fünf Jahren in der Flüchtlingshilfe einer südhessischen Kommune engagiert, ihre dort gesammelten Erfahrungen.

Nach eigenen Angaben sei sie eher zufällig zu diesem Ehrenamt gekommen, als sie einen Dolmetscher für die albanische Sprache auftreiben sollte. Die Vielzahl an Menschen in der Unterkunft und das damit verbundene Chaos, das sie gesehen habe, habe sie jedoch dazu motiviert, sich einzubringen. Schwerpunktmäßig habe sie sich um die Vermittlung von Jobs oder Qualifikationen bemüht.

Zwei Jahre habe es gedauert, bis nach intensiver Arbeit etwas mehr Ruhe eingekehrt wäre und die meisten Geflüchteten versorgt waren. Mit dem Alltag sei jedoch auch die Euphorie gewichen, mit der viele Helfer ans Werk gegangen seien, und es hätten sich auch die Grenzen ihrer Möglichkeiten offenbart. Und diese setzten, glaubt man Gabriela B., vielfach die Betreuten selbst.

Bei vielen von ihnen ortet B. „eine geringe Bereitschaft, überhaupt im Arbeitsleben anzukommen – vornehmlich bei Vätern mit vielen Kindern“. Die Frauen wären meist mit Mutterschaft und Schwangerschaft ausgelastet oder dürften nicht arbeiten, weil deren Männer das verwehrten.

Misstrauen gegenüber der Mehrheitskultur

Die Menschen hätten oft ihr eigenes Weltbild im Gepäck mitgebracht, was zuweilen auch ein „rückwärtsgewandtes Frauenbild“ umfasse. Auch dies habe mehrfach zur Folge gehabt, dass Familien, nachdem es gelungen war, ihnen eine Wohnung zu verschaffen, den Kontakt zu ihrer Betreuerin nicht mehr aufrechterhalten hätten:

Auch nachdem wir den Menschen Wohnungen besorgt hatten, war es uns wichtig, Kontakt zu halten; zum Beispiel habe ich versucht, einheimische Kinder und Flüchtlingskinder miteinander ins Gespräch zu bringen. Doch nach erfolgreicher Wohnungsvermittlung waren dann plötzlich keine Kontakte mehr erwünscht.“

Die Offenheit und Freundlichkeit, die das Verhältnis zu Beginn prägten, hätten zunehmend nachgelassen. Dies sei auch Konsequenz eines tiefen Misstrauens gegenüber der Mehrheitskultur:

Der Vater hat die freie Lebensweise hier mitbekommen, und das konnte er nicht mit seinem Weltbild vereinbaren. Es hat ihn gestört, dass sich Mädchen hier im Sommer freizügig kleiden.“

Bei einem anderen Vater habe sie die Bemühungen aufgegeben, ihm ein Praktikum zu vermitteln, weil er „die weibliche Vorgesetzte nicht akzeptieren konnte“. Auch bei jüngeren Flüchtlingen habe sie oftmals den Eindruck gewonnen, der Drang, sich um Arbeit zu bemühen, habe nachgelassen, sobald sich die Gewissheit verfestigt hätte, dass man in Deutschland auch ohne übermäßige Anstrengung problemarm über die Runden komme.

Dies sei so weit gegangen, dass die WG-Ordnung nicht mehr eingehalten wurde, die man zuvor gemeinsam erarbeitet habe, als sich herumgesprochen hatte, dass anderswo ein Putzdienst käme. Am Ende musste dieser auch in die von B. betreute WG kommen.

„Wir sind kritischer geworden, haben unser Weltbild zurechtgerückt“

Blauäugige und realitätsferne Kollegen seien Teil des Problems, meint B., diese „sehen alles rosig und überhöhen die Flüchtlinge“. Dies nehme skurrile Formen an:

Ich habe erlebt, dass Kleidung, die wir besorgt haben, nicht angenommen wurde, weil es keine Markenklamotten sind. Es gibt Helfer, die ständig Fahrdienste anbieten, obwohl es hier öffentliche Verkehrsmittel gibt, die Flüchtlinge sich längst auskennen und Monatskarten haben.“

B. selbst helfe nur noch Flüchtlingen, die sich um Integration bemühten. Damit habe sie auch gute Erfahrungen gemacht. Die Mehrheit der Fälle, die sie betreut hätte, endete jedoch unerquicklich. Dies habe auch unter anderen Helfern Spuren hinterlassen:

Die Flüchtlingshelfer, mit denen ich engeren Kontakt halte, sind politisch weder links noch rechts; wir sind weltoffen und sozial eingestellt. Aber wir sind kritischer geworden, haben unser Weltbild zurechtgerückt, die Euphorie ist Ernüchterung gewichen.“

Solange sich nicht grundlegend und systemisch etwas ändere, sieht B. auch wenig Verbesserungspotenzial: „Viele haben längst verinnerlicht, dass es fast alles umsonst gibt. Und das ist ein Problem, denn Deutschland wird das Hauptzielland bleiben – auch weil unser Sozialsystem falsche Anreize setzt und oft wie ein Magnet wirkt. Wir müssen diese Probleme ansprechen.“


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