„Inquisition einer Wissenschaftsjournalistin“: Streeck-Kritik an „Spiegel“-Anfrage

Von 13. März 2021 Aktualisiert: 13. März 2021 11:47
Der „Spiegel“ brachte jüngst eine Analyse, die sich der Frage widmete, welche Wissenschaftler in der Corona-Krise mit ihren Aussagen richtig gelegen hätten. Virologe Hendrik Streeck kam dabei nicht gut weg. Er wirft dem Magazin manipulativen Journalismus vor.

In einer seiner jüngsten Ausgaben befasste sich der „Spiegel“ in einer Auswertung mit der Frage, welche Wissenschaftler, die im Zuge der Corona-Krise häufig in Medien zu Wort gekommen seien, mit ihren Einschätzungen richtig oder falsch gelegen hätten. Was die Schlussfolgerungen der Analyse anbelangt, lässt sich in der Tendenz zusammenfassen, dass aus Sicht der Redakteure Forscher umso besser beurteilt wurden, je nachdrücklicher und rigoroser sie für einen Lockdown plädiert hatten. Ein besonders schlechtes Zeugnis wurde hingegen vor allem einem Wissenschaftler ausgestellt: dem Bonner Virologen und Berater der Landesregierung von NRW, Hendrik Streeck.

Position vom 30. Januar als belastender Moment

Bereits das Portal „Übermedien“ hatte Streeck attestiert, wiederholt die Sachlage in Sachen Corona falsch eingeschätzt und Ratschläge gegeben zu haben, die zu unangemessenen Reaktionen der Politik geführt hätten. Streeck, der sich wiederholt kritisch gegen eine zu weitreichende Lockdown-Politik ausgesprochen hatte und stattdessen eher auf gezielte Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen setzte, wurde im Kern sogar vorgeworfen, die Seuche „verharmlost“ zu haben.

Streeck stellt gar nicht in Abrede, einige seiner Einschätzungen mit Fortdauer der Corona-Krise verändert oder revidiert zu haben. So erklärte er gegenüber dem „Münchner Merkur“, er habe „zu Beginn der Pandemie die drastische Warnung der WHO vor dem Coronavirus noch als ‚falsch‘ eingeschätzt“. Diese Position habe er ein paar Wochen später revidiert.

Noch im Januar 2020 hatte die WHO selbst öffentlich Zweifel geäußert, ob es überhaupt möglich sei, COVID-19 von Mensch zu Mensch übertragen. Streeck stand demnach mit seiner Einschätzung, die auf den 30. Januar datiert, zum damaligen Zeitpunkt auch in der Fachwelt nicht allein.

Revidieren von Meinungen „Zeichen von Fortschritt“

Auch was den wellenartigen Verlauf der Seuche anbelangt, hätte er sich, so Streeck, präziser ausdrücken sollen. Streeck hatte erklärt, es sei unzutreffend, im Zusammenhang mit Corona von einer zweiten, dritten oder vierten Welle zu sprechen. Stattdessen sprach er von einer „Dauerwelle“, die „auch jahreszeitenbedingt höher oder niedriger“ sei.

Demnach sei die Verbreitung des ursprünglichen Coronavirus nie völlig abgeebbt, sondern im vergangenen Sommer jahreszeitlich bedingt in unseren Breiten geringer ausgefallen. Die kalte Jahreszeit habe die Verbreitung wieder beschleunigt, dazu seien Mutationen gekommen. In der Wissenschaft sei es üblich, dass man Meinungen revidiere, wenn neue Erkenntnisse dies nahelegten. Dies sei „kein Zeichen von Scheitern, sondern von Fortschritt“. Kein Wissenschaftler, so Streeck, formuliere absichtlich eine fehlerhafte Einschätzung. Vielmehr sei die Beurteilungsgrundlage immer das vorhandene Wissen zum jeweiligen Zeitpunkt.

Inquisitorische Fragen und Forderungen nach „Selbstkritik“

Die „Spiegel“-Analyse allerdings scheine es gar nicht darauf angelegt zu haben, allfälligen ursprünglichen und revidierten Auffassungen auf den Grund zu gehen. Vielmehr, so Streeck, sei es dem Blatt gezielt um „Character killing“ gegangen. Er solle offenbar als Virologe gezielt diskreditiert werden mit dem Ziel, ihn in der Öffentlichkeit als vermeintlich unqualifiziert und unverlässlich erscheinen zu lassen. Dies sei bereits aus dem Vorgehen der Redakteure selbst erkennbar gewesen: „Es wurde bewusst versucht, vermeintliche Falschaussagen zu finden und diese dann umzudrehen.“

Ein Katalog aus 15 Fragen, den der „Spiegel“ im Vorfeld der Reportage an ihn gerichtet habe, hätte eher an die „Inquisition einer Wissenschaftsjournalistin, die offensichtlich eine politische Mission“ habe, erinnert als an eine seriöse Nachfrage, äußerte Streeck gegenüber der „Welt“. Deshalb habe er auch nur zwei Fragen beantwortet: „Alles andere war populistisch, polemisch, gespickt mit Unterstellungen – sinnlos, auf so etwas einzugehen.“ Ergebnisoffen sei keine der Fragen gewesen, und dass die Recherche in dieser Weise angelegt gewesen sei, dagegen spräche das Endergebnis.

Neben Streeck auch Stöhr im Visier des „Spiegel“

Der Mediendienst „Kress“ dokumentiert einige der Fragen, die an Streeck gerichtet worden seien, im Wortlaut. Demnach wurde Streeck unter anderem gefragt, ob er seine „Position als Wissenschaftler missbraucht“ hätte, um „Politik zu machen“.

Eine andere Frage lautete: „Sehen Sie sich in der Mitverantwortung für die getroffenen oder auch unterlassenen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung? Und in diesem Zusammenhang auch für viele Menschen, die gestorben sind?“

Auch wollte die Redakteurin von Streeck in Bezug auf eine bestimmte Position wissen, ob dieser „diese mehrfach öffentlich geäußerte Fehleinschätzung“ denn „bereue“.

Dass die Wissenschaftsredaktion des „Spiegel“ jemals in Form und Inhalt ähnliche Fragen an Klimawissenschaftler gerichtet habe, deren Prognosen zur Schwere der Auswirkungen des Klimawandels nicht eingetreten waren, ist nicht bekannt.

„Aktivisten als Gutmenschen“

Streeck war nicht der einzige Forscher, der in dem Corona-Beitrag zu den „Propheten auf dem Irrweg“ gerechnet wurde. Auch der Virologe Klaus Stöhr wirft dem „Spiegel“ einen „Mangel an journalistischer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit“ und eine „selektive Benutzung von Aussagen der betroffenen Wissenschaftler“ vor, deren einziger Zweck es offenbar sei, „die vorgefertigte Meinung zu verifizieren“.

Zudem habe man ihm Worte im Mund umgedreht: So sei aus seiner Forderung, den „Fokus auf den Schutz der Risikogruppen“ zu legen, eine vermeintliche Positionierung für den alleinigen Schutz dieser Personengruppe geworden. Die Aussagen Lockdown-freundlicher Kollegen seien in keiner Weise auch nur annähernd so kritisch aufgearbeitet worden. Das Vorgehen der Journalisten, so Stöhr, erinnere an „Aktivisten, die als Gutmenschen aus der ganzen Seele heraus eine richtige Sache unterstützen möchten“.

Klusmann meldete sich – aus der Wissenschaftsredaktion niemand

Streeck wolle „einen Weg der Mitte“ gehen, betont er. Seine Positionen würden jedoch bisweilen verkürzt oder bewusst missverstanden, „um damit Politik zu betreiben“. Differenzierungen würden derzeit das Verdeutlichen von Grenzlinien nur erschweren. Immerhin habe „Spiegel“-Chefredakteur Steffen Klusmann sich telefonisch mit ihm in Verbindung gesetzt. Aus der Wissenschaftsredaktion habe sich jedoch niemand gemeldet.


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