Karl Marx-Statue in Trier aufgestellt – Kritiker verurteilen die Schenkung

Epoch Times14. April 2018 Aktualisiert: 15. April 2018 10:17
Die Stadt Trier will sich mit Karl Marx auseinandersetzen, so lautet zumindest die Rechtfertigung des Baudezernenten der Stadt zur Aufstellung der umstrittenen Bronze-Statue. Kritiker verurteilen die Annahme des Geschenks aus China.
In  Trier ist am Freitag eine umstrittene Karl-Marx-Statue aufgestellt worden. Die meterhohe Bronzeskulptur ist ein Geschenk der Volksrepublik China anlässlich des 200. Geburtstags des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt.

„Eine Glorifizierung wäre falsch. Das haben wir im Stadtrat, wo wir das ja breit diskutiert haben, nie gewollt. Was wir wollen ist diese Auseinandersetzung. Karl Marx ist der berühmteste Sohn Triers. Er ist hier vor 200 Jahren geboren worden. Er hat am FWG, am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Abitur gemacht und er hat immer Trierer Dialekt gesprochen und deshalb ist er ein Trierer Junge. Und wo anders als in Trier muss man sich mit ihm auseinandersetzen“, sagte der Baudezernent der Stadt, Andreas Ludwig.

Viele Bürger sehen kein Problem mit der Statue. „Es wird Zeit, dass Trier mal zu Karl Marx ein normales Verhältnis entwickelt. Ich finde das gut“, meinte etwa Ernst Müller, der sich das Aufstellen der Staue nicht entgehen lassen wollte.

Das Geschenk aus China ist nicht das einzige Ereignis im Jubiläumsjahr. So wurde im Geburtshaus von Marx – seit Jahrzehnten ein Museum – das Ausstellungskonzept überarbeitet. Und wer in Trier dieser Tage die Straße überquert, sieht einen kleinen Marx als Ampelmännchen.

Triers besondere Würdigung von Karl Marx wird jedoch vielfach kritisch beurteilt. So ist Historiker Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen Stasi-Gefängnis der Meinung, dass Trier das Geschenk aus China hätte ablehnen sollen.

In einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ erklärt er warum:

Ausgerechnet von der Kommunistischen Partei, die das größte Volk der Erde knechtet und ihre Minderheiten gewaltsam unterdrückt, nimmt die Stadt Trier ein Marx-Denkmal an!“

In China diene Marx bis heute als Instrument der Unterdrückung. Er erlebe dort sogar gerade eine Renaissance – und zwar nicht als „Ökonom“ oder „Philosoph“, meint der Historiker. „Chinas Staatschef Xi Jinping betreibt dort eine bewusste Rückkehr zum Marxismus, um die pluralistischen Tendenzen in seinem Land zu unterdrücken“, so Knabe.

Man müsse vor allem deutlich machen, wie sehr die Gedanken von Marx als Ermächtigung für Diktatoren auf der ganzen Welt dienten – für Massenmörder wie Mao Tse-tung, Josef Stalin oder Wladimir Iljitsch Lenin zum Beispiel, fährt Knabe fort.

Wenn wir in Deutschland davon sprechen, man müsse aus der Geschichte lernen, dann müssen wir genau diesen Zusammenhang zwischen Ideologie und Praxis offenlegen. Ich bin allerdings skeptisch, ob das die Stadt Trier derzeit im Sinn hat.“

„Erfahrungen mit dem sozialistischen Menschenexperiment werden nicht weitergegeben“

Weiter kritisiert Knabe, dass das Wissen über die DDR und den Kommunismus vor allem bei der jungen Generation erschreckend gering sei. Die Erfahrungen, die Deutschland mit dem sozialistischen Menschenexperiment gesammelt habe, würden nicht weitergegeben, bemängelt er. Das sei beunruhigend, weil der Marxismus mit seinen Heilsversprechen bis heute eine gewisse Faszination ausübe.

Starke Kritik kommt dabei auch von Seiten der „Gesellschaft für bedrohte Völker“: „Das verherrlichende Marx-Monument ist ein vergiftetes Geschenk des offiziellen China. Es ist traurig, dass sich Trier von einer Regierung beschenken lässt, die Staatsterror gegen ihre eigene Bevölkerung betreibt. Andere deutsche Kommunen verteidigen die Menschenrechte und vergeben Menschenrechtspreise wie Triers Partnerstadt Weimar“, sagte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen.

Der Bürgermeister und der Baudezernent befürworteten jedoch die Schenkung und warben im Vorfeld stark dafür: „Dass das größte Land der Erde an die kleine Stadt Trier denkt, das ist doch toll“, sagte Baudezernent Ludwig im März vergangenen Jahres im Südwestrundfunk. „150.000 chinesische Touristen kommen jedes Jahr nach Trier – und das können noch viel mehr werden“, so seine Ansicht.

(reuters/mcd)

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