„Ein Ausfall des Funksystems“ im Merkel-Flugzeug – FDP: „Wir sind dabei, uns lächerlich zu machen“

Epoch Times1. Dezember 2018 Aktualisiert: 2. Dezember 2018 11:33
Es hätte auch schief gehen können: Der Airbus der Kanzlerin streikt. Am Ende fliegt sie Linie, verpasst aber den Auftakt des G20-Gipfels in Buenos Aires. Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums gerät in die Kritik. Doch die Ministerin hält dagegen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die Flugbereitschaft ihres Hauses nach der schweren Panne eines Airbus mit der Bundeskanzlerin an Bord in Schutz genommen.

„Mit nur zwei Prozent Ausfallquote bei Regierungsflügen in den letzten beiden Jahren und einer durchschnittlichen Einsatzbereitschaft von 89 Prozent ist die Flugbereitschaft statistisch sehr zuverlässig“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung. Sie räumte aber ein: „Wenn dann ausgerechnet wichtige Flüge wie der der Kanzlerin zum G20-Gipfel ausfallen, schmerzt das umso mehr.“

Der Airbus der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums, der Merkel und ihre Delegation zum G20-Gipfel nach Buenos Aires bringen sollte, musste in der Nacht zum Freitag über den Niederlanden umkehren. Ursache war ein Ausfall des Funksystems. Auch das System zum Ablassen von Kerosin war betroffen. Die Maschine landete in Köln/Bonn. Dies war wegen ihres hohen Gewichts – der Airbus hatte noch fast das gesamte Kerosin in seinen Tanks – eine heikle Angelegenheit. Bei der Landung überhitzten die Bremsen.

Merkel musste in Bonn übernachten und reiste erst am Freitagmorgen mit zwölf Stunden Verspätung nach Argentinien – zunächst mit einer Maschine der Flugbereitschaft nach Madrid, dann mit einem Linienflug nach Buenos Aires. Sie kam schließlich mit zwölf Stunden Verspätung an und verpasste Teile des Programms am ersten Tag des G20-Treffens.

Das Ersatzflugzeug der für die Regierungsflüge zuständigen Flugbereitschaft der Luftwaffe konnte wegen fehlender Besatzung nicht eingesetzt werden. Die Panne sei nicht auf Sabotage zurückzuführen, erklärt die Luftwaffe. „Es gibt überhaupt keinen Hinweis auf einen kriminellen Hintergrund“, sagte ein Sprecher der Luftwaffe.

Probleme an Bord

Der „focus“ schreibt:

„Der von Merkel als der ‚erfahrenste Flugkapitän der Flugbereitschaft‘ bezeichnete Pilot soll von einem beispiellosen Ausfall des Kommunikationssystems gesprochen haben. So etwas sei nicht für möglich gehalten worden, hieß es in Sicherheitskreisen. Zu dem Zeitpunkt war die Maschine hinter Amsterdam mit Kurs auf den Atlantik. Sie sei aber nach Köln geflogen, weil wegen der ausgefallenen elektronischen Systeme ein längerer Sinkflug nötig als bis zum Flughafen Amsterdam möglich gewesen sei. Ferner habe die Befürchtung bestanden, dass das Fahrwerk nicht ausgefahren werden könne. Der überragenden Reaktion des Flugkapitäns sei es zu verdanken, dass die Maschine sicher gelandet ist.“

Man gehe von einem Fehler in einer elektronischen Verteilerbox aus, die sowohl die Funkanlage als auch das System zum Ablassen des Kerosins steuere. Das System zur Satellitenkommunikation hänge dagegen an einer anderen Verteilerbox. Wegen der Lage sei entschieden worden, nicht nach Berlin zurückzukehren, sondern auf dem Flughafen Köln/Bonn zu landen.

FDP: „Wir sind dabei, uns lächerlich zu machen“

Der Grünen-Wehrexperte Tobias Lindner forderte eine „vollständige Aufklärung“ des Vorfalls. „Es stellt sich die Frage, ob und warum die Flugzeuge der Flugbereitschaft häufiger ausfallen als im zivilen Betrieb“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag).

„Wir sind dabei, uns lächerlich zu machen“, sagte der FDP-Haushaltspolitiker Otto Fricke der Zeitung: „Der bürokratische und technische Murks, durch den die Flugbereitschaft immer wieder auffällt, kann so nicht weitergehen.“ Fricke brachte eine Privatisierung der Flugbereitschaft ins Spiel: „Privatisierung ist eine Möglichkeit, die es zu prüfen gilt. Sie muss aber nicht prinzipiell die bessere Lösung sein.“ (dpa/afp)

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